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Urteil in Passau: "Langer Kampf hat endlich ein Ende" | BR24

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Vor drei Jahren hat ein Mann seine Ex-Freundin in deren Wohnung in Berchtesgaden beinahe zu Tode gewürgt. Am Mittag wurde er vom Landgericht Passau dafür zu zwei-einhalb Jahren Haft verurteilt. Damit geht eine jahrelange Prozess-Geschichte zu Ende.

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Urteil in Passau: "Langer Kampf hat endlich ein Ende"

Vor drei Jahren hat ein Mann seine Ex-Freundin in deren Wohnung in Berchtesgaden beinahe zu Tode gewürgt. Am Mittag wurde er vom Landgericht Passau dafür zu zwei-einhalb Jahren Haft verurteilt. Damit geht eine jahrelange Prozess-Geschichte zu Ende.

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Im Sommer 2016 hat ein Mann seine Ex-Freundin in deren Wohnung in Berchtesgaden beinahe zu Tode gewürgt. Am Mittag hat das Landgericht Passau das Urteil gesprochen. Der Angeklagte wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Boris W. war ursprünglich wegen versuchten Mordes angeklagt. Damit geht eine jahrelange Prozess-Story zu Ende: Es ist bereits das dritte Urteil in diesem Fall.

Tathergang "wie im Tunnel"

Der Tathergang ist unstrittig. Der heute 50-Jährige drang damals gewaltsam in die Wohnung des Opfers ein, schlug und würgte die Frau bis zur Bewusstlosigkeit. Der Angeklagte gab an, "wie im Tunnel" gewesen zu sein. An den genauen Ablauf könne er sich nicht mehr erinnern. Erst als eine Nachbarin beherzt dazwischen ging, sei er "aufgewacht", habe die Hände vom Hals der Frau genommen und das Grundstück verlassen. Motiv waren massive Streitigkeiten zwischen dem Angeklagten und seiner Ex-Freundin. Unter anderem ging es um Geld, das die Frau ihrem ehemaligen Partner noch schuldig war und um eskalierende Differenzen am Arbeitsplatz. Die beiden waren im gleichen Unternehmen beschäftigt.

Strafmilderndes Geständnis

Das Landgericht Passau erkannte an, dass der Angeklagte wohl im Affekt gehandelt habe und von seinem Tötungsvorsatz zurückgetreten sei. Strafmildernd wirkten sich auch das Geständnis des 50-Jährigen und der bereits geleistete Täter-Opfer-Ausgleich aus. Man dürfe trotzdem nicht vergessen, dass hier eine massive Straftat vorliege, so der Vorsitzende Richter.

Boris W. und sein Verteidiger Sebastian Gaßmann gaben sich nach dem Passauer Urteil erleichtert. Gaßmann: "Wir sind nicht nur zufrieden, sondern sehr zufrieden. Ein langer Kampf hat endlich ein Ende."

Auf Rechtsmittel würden er und sein Mandant jetzt verzichten, erklärte der Rechtsbeistand. Ins Gefängnis muss Boris W. nicht mehr zurück. Er war bereits zweieinhalb Jahre in U-Haft.

Rücktritt von der Tat zunächst nicht ausreichend geprüft

Der Fall war bereits vor dem Landgericht Traunstein zwei Mal verhandelt wurden. Hier wurde der Mann zunächst wegen versuchten Totschlags, dann wegen versuchten Mordes verurteilt, beide Male zu vier Jahren und drei Monaten Gefängnis. Der Bundesgerichtshof kritisierte an diesen Urteilen, dass unter anderem die Aspekte Affekt und Rücktritt von der Tat nicht ausreichend geprüft worden seien.

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