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Urteil im Würzburger Logopäden-Prozess könnte vor Ostern fallen | BR24

© BR/Bernhard Metzger

Im Würzburger Strafjustizzentrum könnte schon bald das Urteil gegen einen Logopäden fallen.

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    Urteil im Würzburger Logopäden-Prozess könnte vor Ostern fallen

    Das Urteil im sogenannten Logopäden-Prozess könnte früher gesprochen werden, als bislang angenommen. Das hängt auch mit der Corona-Pandemie zusammen. Die Verhandlung in Würzburg könnte demnach bereits vor Ostern zu Ende gehen.

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    Der vierte Verhandlungstag im sogenannten Logopäden-Prozess brachte eine kleine Wendung. Das Gericht erörterte, auch mit Blick auf die Corona-Pandemie, die Möglichkeit, die weitere Beweisaufnahme zeitlich zu verkürzen. Wie der Sprecher des Landgerichts Rainer Volkert mitteilt, erklärte die Verteidigung, dass auch der Angeklagte an einem raschen Verfahrensabschluss interessiert sei.

    Logopäde stimmt psychiatrischem Gutachten zu

    In dem Prozess muss sich ein Würzburger Logopäde unter anderem wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs verantworten. Um die Opfer und deren Angehörigen zu schützen, findet der Prozess weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Gerichtssprecher Volkert informiert deshalb über den Stand der Verhandlung. Demnach hätte sich die Verteidigung des Angeklagten nun damit einverstanden erklärt, der Nebenklage ein psychiatrisches Gutachten zur Verfügung zu stellen. Beim Prozessauftakt am 5. März hatte sich die Anwälte des Beschuldigten noch dagegen ausgesprochen. Die Verfahrensbeteiligten besprechen nun, ob es möglich ist, das Verfahren noch vor Ostern zum Abschluss zu bringen.

    Mutter eines Kindes sagt im Prozess aus

    Wie schnell das Landgericht urteilen kann, das hinge auch vom Ablauf der weiteren Beweisaufnahme und dem Prozessverhalten der Beteiligten ab, heißt es von Gerichtssprecher Volkert. Wie geplant hat das Gericht nun die Mutter eines der Kinder vernommen, das der Angeklagte missbraucht haben soll. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit hätte die Zeugin geschildert, dass sie während des Tatzeitraums keine Auffälligkeiten bei ihrem Kind feststellen konnte. Erst im Rückblick seien ihr einige Verhaltensweisen in Erinnerung gekommen, die möglicherweise auf die Therapiesitzungen bei dem Angeklagten zurückgeführt werden könnten.

    Zeugin spricht von großer Belastung

    Die Auffälligkeiten hätten sich zwischenzeitlich weitgehend wieder gelegt, zitiert Volkert die Zeugin. Trotzdem habe sie Sorge, die Tat des Angeklagten könne sich noch auf die späteren Entwicklung ihres Kindes auswirken. Auch für sie selbst sei die Aufdeckung der Taten belastend: "Es vergeht fast kein Tag, an dem ich nicht daran denken muss, was meinem Sohn passiert ist."

    Gericht sichtet kinderpornografisches Material

    Abschließend wurden, ebenfalls in nichtöffentlicher Verhandlung, vier vom Angeklagten gefertigte kinderpornografische Videos gezeigt. Der Angeklagte hätte dabei seinen Blick, wie bereits beim letzten Termin, nach unten gewandt, heißt es vom Gericht. Er hätte sich die Aufzeichnungen selbst nicht angesehen. Nach derzeitigem Stand wird die Hauptverhandlung am 6. April fortgesetzt werden. Geplant sind die Vernehmung einer Ermittlerin und die mündliche Gutachtenerstattung des psychiatrischen Sachverstädnigen. Aller Voraussicht nach wird auch dieser Teil des Prozesses unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

    Schwerer sexueller Missbrauch in Würzburg

    Beim Prozess muss sich der Logopäde unter anderem wegen des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in rund 70 Fällen verantworten. Die Anklage wirft dem Mann vor, insgesamt sieben ihm anvertraute Jungen unter sechs immer wieder sexuell missbraucht zu haben. Außerdem soll er kinderpornografische Fotos und Videos der Taten in das Darknet hochgeladen zu haben. Der Würzburger Logopäde soll als Opfer gezielt Kinder mit einer schweren Sprachbehinderung missbraucht zu haben, bei denen nicht zu erwarten war, dass sie sich an Betreuer oder Eltern wenden können. Der Angeklagte hat bereits ein Geständnis abgelegt.

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