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Urteil im Prozess um Betrug an todkrankem Vermieter erwartet | BR24

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Freispruch oder Gefängnis: Die Forderungen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung klaffen weit auseinander. Ein angeklagter Polizist soll seinen krebskranken Vermieter um knapp 70.000 Euro gebracht haben.

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Urteil im Prozess um Betrug an todkrankem Vermieter erwartet

Freispruch oder Gefängnis: Die Forderungen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung klaffen weit auseinander. Der angeklagte Polizist soll seinen krebskranken Vermieter um knapp 70.000 Euro gebracht haben. Heute wird das Urteil erwartet.

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Ein 42-jähriger Polizeibeamte soll seinem Vermieter vorgegaukelt haben, er brauche die insgesamt 81.500 Euro für ein teures Medikament und ein medizinisches Zweit-Gutachten. Laut Anklage soll sich der Polizist, der zurzeit suspendiert ist, das Geld aber in die eigene Tasche gesteckt haben. Wegen gewerbsmäßigen Betrugs von rund 70.000 Euro und wegen Drogenbesitzes plädiert die Staatsanwaltschaft auf drei Jahre und sechs Monate Gefängnis. Die Verteidigung hingegen fordert Freispruch. Das Urteil wird mit Spannung erwartet.

Angeklagter bestreitet Vorwürfe

Der Polizist habe sich zwar intensiv um seinen Vermieter gekümmert, als der unheilbar erkrankte. Trotzdem habe er die Absicht verfolgt, sich das Geld in die eigene Tasche zu stecken, so der Staatsanwalt. Beim Prozessauftakt Ende September bestritt der Angeklagte die Betrugsvorwürfe. Der krebskranke Mann war seit 1998 sein Vermieter in Helmstadt. "Es war ein Geben und Nehmen", sagte der Angeklagte. Sein Vermieter hatte eine Gehbehinderung, war auf Hilfe angewiesen und erkrankte Anfang 2017 an Krebs.

Es sei ein "Geben und Nehmen" gewesen

Der Angeklagte habe ihn auf Wunsch des Kranken zu allen Arzt-Terminen begleitet. Sein Vermieter habe ihn damit beauftragt, seine Finanzen zu regeln, erklärte der angeklagte Polizist. Der krebskranke Vermieter habe etwa gewollt, dass seine ebenfalls in Helmstadt lebende philippinische Frau nach und nach Geld überwiesen bekommt.

Staatsanwaltschaft: Polizist nutzte Vertrauensverhältnis aus

Laut Anklage habe der Polizist das Vertrauensverhältnis ausgenutzt. Möglich sei das gewesen, teilt der Sprecher des Amtsgerichts Würzburg mit, weil der krebskranke Mann dem Angeklagten im August 2017 eine Vorsorge- und dann sogar eine Kontovollmacht erteilt hatte. Der Polizist habe dafür gesorgt, dass der Kranke seine Medikamente nahm und der Pflegedienst funktionierte. Als Gegenleistung für die unentgeltliche Hilfe habe der Krebskranke dem Angeklagten ein Wohnrecht und ein Vorkaufsrecht an seiner Immobilie eingeräumt.

Krebskranker Vermieter vor Prozessbeginn verstorben

Neben dem mutmaßlichen Betrug ist der Mann auch wegen des Kaufs von 200 Gramm Marihuana und des Besitzes von 170 Gramm Haschisch angeklagt. Den Drogenmissbrauch gab er zu. Der todkranke Vermieter verstarb Anfang 2018, kurz zuvor konnte er noch vernommen werden.

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