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Urteil im Münchner "Mordprozess ohne Leichen": 14,5 Jahre Haft | BR24

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Im Münchner Mordprozess um zwei verschwundene Frauen ist das Urteil gefallen

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Urteil im Münchner "Mordprozess ohne Leichen": 14,5 Jahre Haft

Im Münchner Prozess um zwei verschwundene Frauen ist das Urteil gefallen: Der Angeklagte muss 14 Jahre und sechs Monate ins Gefängnis - wegen zweifachen Totschlags. Die Richter sind überzeugt: Er hat seine Frau und seine Stieftochter getötet.

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Von
  • Birgit Grundner

Im Münchner "Mordprozess ohne Leichen" ist das Urteil gefallen: Der 47-jährige Angeklagte muss 14 Jahre und sechs Monate in Haft - wegen zweifachen Totschlags. Das Landgericht München ist überzeugt davon, dass er seine Ehefrau und seine 16-jährige Stieftochter getötet hat und die Leichen verschwinden ließ. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Verurteilung wegen Totschlags und Mordes, eine lebenslange Freiheitsstrafe und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld gefordert. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

Zuerst Ehefrau, dann Stieftochter getötet

Bis zuletzt hatte der Mann seine Unschuld beteuert und behauptet, dass die beiden Frauen vom Einkaufen nicht zurückgekommen seien. Auch während der Urteilsverkündung schüttelte der 47-Jährige immer wieder leicht den Kopf und machte sich Notizen, als der Vorsitzende Richter noch einmal zusammenfasste: Nach Überzeugung des Gerichts sind die Frauen tot, ein anderer Täter als der Ehemann und Stiefvater scheidet aus, er selbst hat sie getötet: zuerst die Ehefrau und dann die Stieftochter - vermutlich weil sie nach Hause kam, als noch nicht alle Spuren der ersten Tat beseitigt waren.

Richter: "Wir müssen Lücken zur Kenntnis nehmen"

Seine Aussagen habe der Angeklagte dann immer wieder den Ermittlungsergebnissen angepasst – zum Beispiel als es darum ging, Blutspuren zu erklären, wie sie auch auf einem zerschnittenen Teppich im Unterholz des Truderinger Forsts gefunden worden waren. Was genau passiert ist, bleibt freilich ebenso offen wie das Motiv für einen doppelten Totschlag: "Wir müssen Lücken zur Kenntnis nehmen“, sagte der Vorsitzende Richter. Gegen das Urteil ist Revision möglich. Die Verteidigung, die einen Freispruch gefordert hatte, hat einen solchen Schritt bereits angekündigt.

Blutspuren in der Wohnung, Opfer bis heute verschwunden

Der Verurteilte hatte die beiden Frauen im Sommer 2019 selbst als vermisst gemeldet: Sie seien zum Shoppen gefahren und nicht zurückgekommen, sagte er damals der Polizei. Als immer mehr Ungereimtheiten an der Geschichte auffielen, durchsuchten die Ermittler die Wohnung der Familie und fanden überall Blutspuren. In einem Waldstück entdeckten sie später einen blutverschmierten Wohnzimmerteppich und eine Fußmatte aus dem Flur. Die Opfer aber sind bis heute spurlos verschwunden.

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