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Urteil im Macheten-Prozess: Täter muss in psychiatrische Klinik | BR24

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Im sogenannten Macheten-Prozess ist das Urteil gefallen: Der Angreifer wird in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Er war zur Tatzeit schuldunfähig, so die Richterin.

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Urteil im Macheten-Prozess: Täter muss in psychiatrische Klinik

Schneller als erwartet ist heute am Landgericht Augsburg das Urteil im sogenannten "Macheten-Prozess" gefallen: Der Beschuldigte, ein 27-jähriger Student, war zur Tatzeit schuldunfähig und soll in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden.

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Von
  • Barbara Leinfelder
  • Susanne Hofmann

Zum Schluss ging dann doch alles ganz schnell: Weil sich Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Nebenkläger einig waren, ist heute Nachmittag vor dem Augsburger Landgericht bereits die Entscheidung im sogenannten "Macheten-Verfahren" gefallen. Die Vorsitzende der Schwurgerichtskammer, Susanne Riedel-Mitterwieser, hat für den 27 Jahre alten Studenten die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik angeordnet.

Verurteilter leidet unter psychischer Störung

Dem Mann wurde vorgeworfen, Ende März mit Axt und Machete in den Händen auf mehrere Menschen im Augsburger Uni-Viertel losgegangen zu sein. Der Verurteilte leide unter einer schizo-affektiven Störung, so das Gericht. Ohne Behandlung sei zu erwarten, dass er wieder Straftaten begehen könnte. Er stelle daher eine Gefahr für die Allgemeinheit dar.

Derartige Episoden kämen bei ihm laut Gutachter im Schnitt allerdings nur alle paar Jahre vor. "Sie können dafür nicht bestraft werden, weil Sie zum Tatzeitpunkt mit aufgehobener Einsicht und damit im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt haben," so die Richterin in ihrer Urteilsbegründung.

Marihuana verstärkte psychische Erkrankung

Allerdings sei die Attacke massiv gewesen. Wer mit "derartiger Wucht mit einem derartigen Werkzeug auf andere einschlägt", der nehme in Kauf, dass sein Gegenüber getroffen und schwer verletzt werde, so die Richterin. Die Frage sei für das Gericht gewesen, ob eine drogeninduzierte Psychose die Ursache für die Tat gewesen ist oder ob eine grundsätzliche psychische Erkrankung bei dem Beschuldigten zugrunde liege, so die Richterin.

Der Mann habe Marihuana konsumiert, sagte Riedel-Mitterwieser, aber die Droge habe die psychische Erkrankung nur verstärkt und getriggert. Mal habe THC geholfen, die Symptome zu bessern, mal habe die Droge die Symptome verstärkt, das hätten auch Zeugen so bestätigt. Vor allem aber das "eindrucksvolle Gutachten" des psychiatrischen Sachverständigen Felix Segmiller, so die Richterin, habe am Vormittag klar gemacht, dass eine tiefer gehende Erkrankung zugrunde liege.

Der junge Mann habe laut Gutachter aber eine sehr gute Prognose, er sei sehr intelligent und habe sehr gute berufliche Perspektiven. Der 27-Jährige hatte noch am Vormittag einer Unterbringung freiwillig zugestimmt. Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig.

Vorwiegend positive Reaktionen im Gerichtssaal

Verteidiger Werner Ruisinger begrüßte die Entscheidung des Gerichts. Der Gutachter habe klar gemacht, dass sein Mandant an einer Art manisch-depressiven Störung leide. Nebenklagevertreterin Marion Zech zeigte sich ebenfalls zufrieden. Sie vertritt die Frau, die vom Beschuldigten attackiert worden war, während sie im Auto saß. Der 27-Jährige habe jetzt die Chance, richtig behandelt zu werden, zumal man davon ausgehen könne, dass er immer noch gefährlich sei. In einer Drogenklinik wäre er falsch untergebracht.

Ein Mann, der der Frau zu Hilfe gekommen und den Angreifer gebändigt und festgehalten hatte bis die Polizei kam, erlitt erhebliche Verletzungen am Kopf. Er reagierte heute im Zuschauersaal mit Kopfschütteln auf die Entscheidung der Kammer.

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