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Urteil im Fall Lösche am Landgericht Bayreuth erwartet | BR24

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Im Fall um die getötete Studentin Sophia Lösche soll heute am Landgericht Bayreuth das Urteil fallen. Der Angeklagte hat die Tat bereits gestanden. Strittig ist die Frage wie der Tathergang bewertet wird: Mord oder Totschlag.

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Urteil im Fall Lösche am Landgericht Bayreuth erwartet

Mord oder Totschlag? Nach dem gewaltsamen Tod der 28-jährigen Sophia Lösche aus Amberg im Juni 2018 wird heute das Urteil der Schwurgerichtskammer am Landgericht Bayreuth erwartet.

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Am Landgericht Bayreuth wird heute das Urteil im Prozess um die getötete Sophia Lösche erwartet. Zu Beginn des Prozesses im Juli hatte der angeklagte Lkw-Fahrer, mit dem die Studentin von Leipzig bis Lauf als Tramperin mitfahren wollte, ein Geständnis abgelegt. Allerdings bewerteten die Prozess-Beteiligten den Fall nach 16 Verhandlungstagen sehr unterschiedlich.

Mord oder Totschlag?

Die Staatsanwaltschaft und auch der Anwalt der Familie haben lebenslange Haftstrafe wegen Mordes gefordert. Dagegen ging der Verteidiger von Totschlag aus und plädierte auf eine langjährige Strafe von mindestens zehn Jahren. Nach Ansicht des Verteidigers waren bereits die ersten Schläge des Lkw-Fahrers mit seinem Radmutter-Schlüssel auf den Kopf der Studentin so massiv, dass sie unmittelbar danach gestorben sei.

Sexuelle Straftat nicht belegbar

Dagegen geht die Anklägerin davon aus, dass der Mann die junge Frau während eines Streit auf dem Parkplatz Sperbes an der A9 im Landkreis Bayreuth verletzt und im Führerhaus des Lkw zurückgelassen habe. Um diese gefährliche Körperverletzung zu verdecken, sei er dann nach kurzer Pause zurückgekehrt und habe die junge Frau erschlagen. Für eine sexuelle Strafttat, wie es noch in der Anklage stand, habe es im Verlaufe des Prozesses nach Ansicht der Oberstaatsanwältin keine Beweise gegeben – allerdings sei dies aber auch nicht widerlegt worden.

Familie bezweifelt Version des Angeklagten

Dagegen nahm die Familie der jungen Frau dem Angeklagten seine Version eines Streits, weil Sophia seine Sachen durchwühlt habe, nicht ab. Sie geht von einem sexuellen Motiv des Fernfahrers aus und auch davon, dass die 28-Jährige nicht auf dem Rastplatz an der A9, sondern erst Tage später verstorben sei. Die Leiche der junge Frau war eine Woche später in Spanien gefunden worden. Der Lkw-Fahrer hatte sie nach eigenen Angaben dort abgelegt und angezündet.

Familie wirft Polizei Untätigkeiten vor

Der Fall hatte auch für Aufsehen gesorgt, weil Familie und Freunde der Polizei Untätigkeiten vorgeworfen haben. Statt unmittelbar mit der Suche zu beginnen, hätten die Polizeidienststellen am Studienort in Leipzig und am Heimatort in Amberg die Zuständigkeiten hin und hergeschoben. Der Anwalt der Familie hatte im Plädoyer betont, dass dieser Prozess nur habe stattfinden können, weil Freunde und Familie hartnäckig gesucht und wichtige Beweismittel gesichert hätten.

Bessere Organisation bei Vermisstenfällen

Dagegen hatte die Oberstaatsanwältin betont, dass der Mord nicht zu verhindern gewesen sei – "Sophia war nicht rettbar", meinte sie wörtlich in ihrem Plädoyer vergangene Woche. Ob man mit Vermisstenfällen anders umgehen müsse, das sei eine politische Frage und könne nicht im Gerichtssaal geklärt werden. Auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks hatte das Innenministerium in München bereits zum Prozessauftakt Mitte Juli erklärt, dass inzwischen organisatorische Maßnahmen zur Beschleunigung in Vermisstenfällen veranlasst worden sein.