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Urteil erwartet: Tödlicher Unfall während epileptischen Anfalls | BR24

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Im Prozess um einen tödlichen Autounfall bei Hettstadt (Lkr. Würzburg) soll in Würzburg das Urteil verkündet werden. Verantworten muss sich ein 32-jähriger Epileptiker, der während eines Anfalls eine 26-jährige Spaziergängerin überfahren haben soll.

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Urteil erwartet: Tödlicher Unfall während epileptischen Anfalls

Im Prozess um einen tödlichen Autounfall bei Hettstadt (Lkr. Würzburg) soll in Würzburg das Urteil verkündet werden. Verantworten muss sich ein 32-jähriger Epileptiker, der während eines Anfalls eine 26-jährige Spaziergängerin überfahren haben soll.

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Die Staatsanwaltschaft fordert für den Mann vier Jahre Gefängnisstrafe wegen fahrlässiger Tötung und vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs. Der Anwalt des Angeklagten hat auf eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten plädiert.

Während der Fahrt Anfall erlitten

Zu dem tödlichen Unfall kam es am Dreikönigstag 2018 auf dem sogenannten Gehägsweg, einer schmalen Verbindungsstraße zwischen den Gemeinden Hettstadt und Rossbrunn. Laut Anklage fuhr der Mann in Richtung der stark befahrenen Staatsstraße 2298. Weil er einen beginnenden epileptischen Anfall bemerkte, habe der Mann dann sein Auto über die kreuzende Staatsstraße geradeaus weiter in den Gehägsweg gelenkt. Dort habe er die Kontrolle über sein Auto verloren. Der Wagen erfasste eine 26-jährige Frau, die dort mit ihrem Hund unterwegs war. Die Frau erlitt einen Schädelbruch. Sie und auch ihr Hund verstarben noch am Unfallort.

Mit 120 Kilometern pro Stunde unterwegs

Laut Gutachten war der Wagen auf dem nur für Anlieger und auf Tempo 30 beschränkten Gehägsweg mit mehr als 120 Stundenkilometern unterwegs. Bei geringerer Geschwindigkeit wäre der Unfall vermeidbar gewesen. Der Angeklagte hatte während des Prozesses ausgesagt, dass er sich an den genauen Hergang des Unfalls nicht erinnern könne.

Angeklagter schon einmal verurteilt

Der Angeklagte leidet seit Jahren an epileptischen Anfällen. Wie sich während des Prozesses herausstellte, hatte er am Unfalltag die Tabletten gegen diese Anfälle nicht eingenommen. Seinen Führerschein hatte der Mann erst 2017 und damit kurz vor dem Unfall wiederbekommen. Der Führerschein war ihm entzogen worden, weil er 2011 mit 0,8 Promille Alkohol im Blut einen schweren Verkehrsunfall verursacht hatte und wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs und fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt wurde.

Angeklagter: Wollte "einfach den Führerschein wieder haben"

Damals war er als Fahrer eines mit neun Menschen überbesetzten Kombis von der Fahrbahn abgekommen. Ein 16-Jähriger war durch die Heckscheibe auf die Straße geschleudert und lebensgefährlich verletzt worden. In seinem Antrag auf erneute Fahrerlaubnis und im Verlauf der medizinisch-psychologischen Untersuchung hatte der Angeklagte seine gesundheitlichen Probleme verschwiegen – weil er "einfach den Führerschein wieder haben" wollte, so der Mann vor Gericht. Hinweise von Ärzten während der Epilepsie-Behandlung, dass er kein Auto mehr fahren dürfe, missachtete der Mann offenbar.

Anwalt: Angeklagter würde auch harte Strafe akzeptieren

Neben der vierjährigen Gefängnisstrafe forderte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer eine lebenslange Führerscheinsperre für den Angeklagten. Dessen Anwalt Christian Daxhammer sagte dem BR, sein Mandant könne sich "ohnehin nicht mehr vorstellen, jemals wieder Auto zu fahren", er sei wegen des Geschehens" psychisch schwer angeschlagen". Sein Plädoyer für eine Bewährungsstrafe begründete Daxhammer im Gespräch mit dem BR damit, dass der Angeklagte "nervlich extrem belastet" sei und an Depressionen leide. Dies sei auch deshalb der Fall, weil die Familie des Angeklagten noch in Hettstadt wohne und "dort angefeindet" werde. Daxhammer erklärte außerdem, dass sein Mandant bereit sei, "auch eine harte Strafe zu akzeptieren", weil er das Gerichtsverfahren "von der Tendenz her hinter sich bringen" wolle.

Feuerwehrleute fanden Kameradin am Unfallort

In der 3.500-Einwohner-Gemeinde Hettstadt sind Trauer und Anteilnahme auch knapp zwei Jahre nach dem Unfall groß. Die getötete 26-Jährige war in der Freiwilligen Feuerwehr Hettstadt aktiv. Am Unfalltag rückten einige ihrer Feuerwehrkameraden zur Unfallstelle aus – nicht wissend, dass dort ihre Kameradin und Freundin überfahren worden war. In der Folge mussten Feuerwehrleute seelsorgerisch betreut werden.