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Thema des Tages "Urlaub trotz Corona"

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Urlaub trotz Corona: Was ist erlaubt, was ist möglich?

Mit Beginn der Osterferien sind Zehntausende nach Mallorca geflogen. Entgegen aller Empfehlungen. Stoppt ein Reiseverbot jetzt alle weiteren Reiselustigen? Welche Auswirkungen hätte das für die, die schon verreist sind? Was ist juristisch möglich?

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Von
  • Jörn Sawatzki

Stell dir vor, es sind Ferien und (fast) keiner fährt weg. Was noch vor nicht allzu langer Zeit unvorstellbar gewesen wäre, ist in Zeiten von Corona längst Realität geworden - zumindest teilweise. Denn Urlaub innerhalb Deutschlands ist aufgrund geschlossener Hotels und Campingplätze nicht möglich - im Ausland aber schon.

Bundesregierung denkt über Reiseverbote nach

Denn Mitte März hatte das Robert Koch Institut (RKI) die bestehende Reisewarnung für die Balearen aufgehoben. Mit der Folge, dass Flugbuchungen nach oben geschnellt waren. Und in der Tat tummelten sich am Wochenende, zum Beginn der Osterferien, zehntausende Menschen an den Flughäfen, um Corona-Deutschland den Rücken zu kehren und nach Mallorca zu "fliehen".

Als Reaktion darauf denkt die Bundesregierung aktuell über ein Reiseverbot nach. Ab dem morgigen Dienstag gilt bereits, dass Reisende, die aus dem Ausland zurückkehren, einen negativen Corona-Test vorlegen müssen.

Reisende sollten mit Einschränkungen rechnen

Was rund um das Reisen in Zeiten der Corona-Pandemie gilt, hat Julia Zeller, Juristin bei der Verbraucherzentrale Bayern, im Thema des Tages auf B5 aktuell erklärt. Vorab betont Zeller, dass es derzeit kein Reiseverbot gebe. Im Klartext heißt das: Wer in den Urlaub fahren möchte, kann das auch tun.

Aber Reisende müssen mit Einschränkungen rechnen. Das kann vom gesperrten Pool bis hin zu geschlossenen Restaurants ab 17 Uhr und Ausgangsbeschränkungen zu späteren Abendstunden reichen.

Unterschiedliche Regelungen bei Pauschal- und Individualreisen

Wer auf solche Unwegsamkeiten verzichten möchte oder der Empfehlung der Bundesregierung folgt und nicht in den Urlaub fährt, kann eine bereits gebuchte Reise aber nicht einfach so zum Beispiel auf den Sommer umbuchen, sagt die Verbraucherschützerin im B5 aktuell-Interview. Unterschieden werden müsse hier im juristischen Sinne zwischen Pauschalreisen und Individualreisen.

  • Pauschalreisen: hier gilt, dass man jederzeit von seiner Reise zurücktreten kann. Allerdings fallen dann Gebühren für die Stornierung an, die man selbst zu tragen hat. Besteht aber für das Urlaubsland, in das jemand reisen möchte, eine Reisewarnung, dann handelt es sich um einen sogenannten "unvermeidbaren, außergewöhnlichen Umstand", erklärt Zeller. Das bedeutet, Urlauber können kostenfrei von ihrer Reise zurücktreten.
  • Individualreisen: Reisen, bei denen etwa lediglich der Flug gebucht wurde, ist es komplizierter. Denn der Reisende ist daran gebunden, was er gebucht hat. Damit die Kosten also für eine nicht angetretene Reise nicht zu hoch werden, ist es wichtig, mit dem Reiseveranstalter zu sprechen. Im besten Fall findet sich eine Kulanzlösung.

Ab Dienstag Corona-Testpflicht an deutschen Flughäfen

Wer trotz aller Einschränkungen und Appelle seitens der Bundesregierung jetzt dennoch verreisen möchte, der muss beachten, dass ab dem morgigen Dienstag, jeder bei seiner Rückreise aus dem Ausland einen negativen Corona-Test vorweisen muss. Diese Kosten hat der Urlauber selbst zu tragen. Gegebenenfalls springt hier auch der Reiseveranstalter oder die Fluggesellschaft ein.

Dass jeder Urlauber überhaupt einen Corona-Test an einem Flughafen machen kann, sollte gewährleistet sein. Doch eine Garantie dafür gebe es nicht, warnt Zeller. Das bedeutet, jeder Reisende ist selbst dafür verantwortlich, wo und wie er einen Corona-Test machen kann.

Mallorca-Urlauber in kostenloser Quarantäne

Deutsche Urlauber, die vor ihrer Rückkehr aus Mallorca positiv auf das Coronavirus getestet wurden, können die dann notwendige Quarantäne kostenlos in einem der eigens auf der Insel eingerichteten Hotels für Infizierte verbringen. Das berichtete die "Mallorca-Zeitung" am Sonntag unter Berufung auf Angaben des regionalen Gesundheitsministeriums.

Dafür müsse nur die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) vorgelegt werden. Wer lieber in seinem Hotel oder einer Ferienwohnung bleiben wolle, müsse das aber selbst bezahlen.

Für viele Urlauber stelle sich die Frage ohnehin nicht, zitierte die Zeitung Tui-Sprecher Aage Dünhaupt. Die Kosten ihrer Unterbringung während einer Quarantäne würden von einer Zusatzversicherung übernommen, die zum Reisepaket gehöre. Ähnliche Absicherungen würden auch andere Reiseveranstalter anbieten, schrieb die Zeitung.

Was passiert, wenn der Corona-Test positiv ist?

Fällt der Corona-Test positiv aus, sei das vergleichbar, wie wenn man sich während des Urlaubs den Fuß bricht oder erkrankt, führt die Verbraucherschützerin als Beispiele an: zunächst einmal muss man für alle Kosten selbst aufkommen. Das ist das "allgemeine Lebensrisiko", wie es in den Geschäftsbedingungen der Reiseveranstalter heißt.

Bei Corona können die entstehenden Kosten recht hoch ausfallen. Denn bei einem positiven Test muss der Urlauber im jeweiligen Urlaubsland in Quarantäne - das bedeutet, er oder sie darf nicht nach Hause reisen, bzw. fliegen. Ob für die speziell durch Corona entstandenen Mehrkosten die Reiseversicherung einspringt, sollte mit der Versicherung am besten vor der Reise geklärt werden.

Worauf man bei der Reiseplanung achten sollte

Egal, ob Pfingsten oder Sommer. Auch in diesem Jahr kann einem niemand sagen und schon gar nicht garantieren, ob, wie und wo Urlaub möglich sein wird. Daher empfiehlt Julia Zeller jedem Reisenden, sich vor Buchung seines Urlaubs abzusichern, welcher Vertrag gilt und in jedem Fall mit seinem Veranstalter zu sprechen - auch und gerade über das Kleingedruckte.

Solange Urlaub in Deutschland nicht möglich ist, weil wie aktuell Hotels und Campingplätze geschlossen bleiben müssen, sollte jeder bei der Planung seines nächsten Urlaubs beachten, wie die aktuelle Lage in seinem geplanten Urlaubsort ist: sind die Inzidenzwerte vor Ort hoch und welche Einschränkungen gelten deswegen?

Außerdem sollte die wichtigste Frage vorab beantwortet werden können: "wie kommt man unter Umständen wieder aus seinem Vertrag heraus?", rät Zeller. "Gerade wenn ich aufgrund der Corona-Lage nicht reisen kann oder reisen will."

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