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Kein Ballermann im Bayerwald - Urlaub im Corona-Sommer | BR24

© BR/Renate Roßberger

Urlauberboom im Bayerischen Wald: Auf fast zehn Tage ist die durchschnittliche Verweildauer in diesem Jahr angestiegen.

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Kein Ballermann im Bayerwald - Urlaub im Corona-Sommer

Der Bayerische Wald profitiert als Urlaubsregion vom Trend, in Corona-Zeiten Urlaub im Inland zu machen. Viele Gastgeber melden volle Häuser, viele Orte sind gut besucht. Doch wer Sonne, Strand und Party sucht, wird das hier nicht finden.

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Viele Menschen machen im Corona-Sommer lieber Urlaub im Inland statt wegzufliegen. Davon profitiert in diesem Sommer auch die Urlaubsregion Bayerischer Wald. Viele Gastgeber melden volle Häuser, viele Orte sind gut besucht.

Polizei fährt Streife an Wanderparkplätzen

Während man im Mai an schönen Wochenenden noch hoffnungslos überfüllte Wanderparkplätze beobachten konnte, verteilen sich die Besucherströme inzwischen besser, heißt es bei der Polizeiinspektion Zwiesel. Sie ist für Besucher-Hotspots wie das Arbergebiet und das Zwieslerwaldhaus beim Falkenstein zuständig, fährt dort momentan auch regelmäßiger Streife.

"Wir haben nach wie vor eine hohe Frequenz an den Ausflugszielen. Aber diesen Overtourism, den es woanders gibt, den stellen wir in unserem Dienstbereich nicht fest – kein Vergleich mit oberbayerischen Seen. Da, wo die Leute hinfahren, zum Beispiel am Arber, sind so viele Parkplätze, dass sie einfach ausreichend sind." Klaus Pister, Streifenpolizist in Zwiesel

Auf weniger bekannte Wanderwege ausweichen

Die Wanderparkplätze seien überall voll – wie sonst auch in der Sommerhauptsaison. Aber in letzter Zeit, so Pister, habe es keine nennenswerten Verstösse mehr gegeben, wie etwa zugeparkte Privatgrundstücke oder Einfahrten von Häusern. An den Wander-Hotspots muss man allerdings mit vielen anderen Wanderern und Radlern rechnen. Wer es ruhiger mag, sollte auf weniger bekannte Wanderwege ausweichen.

Viele Gastgeber bis in den September hinein gut gebucht

Campingplätze, Ferienwohnungen, Pensionen, Hotels – nach anfänglicher Zurückhaltung buchen die Gäste wieder alle Quartiere. Etliche Gastgeber sind bis in den September hinein ausgebucht, zum Beispiel im Urlaubsort Bodenmais, wo über 5.000 Gästebetten zur Verfügung stehen.

"In den hochwertigen Quartieren wird mir gesagt, dass es schon schwierig wird, noch eine ganze Woche am Stück zu bekommen. So gut ist die Belegung." Marco Felgenhauer, Tourismuschef des Urlaubsorts Bodenmais
© BR/Renate Roßberger

Viele Unterkünfte sind bereits ausgebucht

Publikum ist jünger und bleibt länger

Es kommt zum Teil anderes Publikum als früher und auch deutlich jüngeres, stellt Marco Felgenhauer fest. Man merke schon, dass das Menschen seien, die sonst ins Ausland fliegen und nun erstmals den Bayerischen Wald für sich entdecken. Außerdem bleiben die Urlauber länger. Laut Tourismusverband Ostbayern ist die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in diesem Sommer um 2,5 Tage auf 9,85, also fast zehn Tage, gestiegen. Das ist ein Zeichen, dass viele hier ihren Jahresurlaub verbringen. Der Bodenmaiser Tourismuschef glaubt aber nicht, dass man die klassischen Strandurlauber anlockt und schon gar nicht die Ballermann-Fans. Wer Strand und Party sucht, findet das im Bayerischen Wald nicht. Felgenhauer denkt, dass vor allem Urlauber kommen, die sonst in Österreich oder ähnlichen Urlaubsregionen wandern gehen und jetzt wegen der Corona-Gefahr lieber hierher fahren.

Auch Bayern fahren in den Bayerischen Wald

Münchner, Oberbayern, aber auch Niederbayern und Oberpfälzer, also alle, die es nicht weit haben, machen Tagesausflüge in die Region. "Corona hat uns abgehalten, dass wir weiter weg fahren, das muss ich schon offen sagen. Und es ist halt schön hier. Mir gefällt es besser als in den Alpen, weil man dort die hohen Gipfel vor sich hat. Hier sind die Berge niedriger und man hat schöne Aussichten", sagt ein Münchner Urlauber, der mit seinen erwachsenen Kindern und Enkeln eine Woche Urlaub im Bayerwald macht.

Für einige ist der Bayerische Wald zwar erstmal Ersatzprogramm zum Auslandsurlaub, trotzdem gefällt es ihnen hier gut, zum Beispiel einem Ehepaar aus Aachen, das ohne Corona nach Südfrankreich oder Italien gefahren wäre: "Wir sind am Höllensteinsee auf einem Campingplatz, haben ein Paddelboot. Es ist eine Entdeckung für uns", sagt der Urlauber. Tagesausflügler aus den flachen niederbayerischen Gegenden zwischen Passau und Regensburg machen in diesem Sommer vermehrt Tagesausflüge in den Bayerischen Wald, bleiben manchmal sogar über Nacht. In den Wellness-Hotels gehörten die Ostbayern auch vor Corona schon zum Stammpublikum.

Wohin ausweichen, wenn man nicht mehr unterkommt?

Wer im August im Bayerischen Wald nicht mehr in seinem Wunschquartier unterkommt, dem empfiehlt der Tourismusverband Ostbayern, auf andere schöne Regionen auszuweichen. Im Oberpfälzer Wald und im Bayerischen Jura sind noch Kapazitäten frei, so der Verband, ebenso im Bayerischen Golf- und Thermenland in den Landkreisen Passau und Rottal-Inn, wo alle Heil-und Thermalbäder wieder geöffnet sind.

Außerdem sei jetzt eine gute Zeit für den "Städteurlaub daheim". Hotels in Städten wie Passau und Regensburg seien nur mäßig gebucht, so der Tourismusverband Ostbayern, weil Kultur-Events entfallen und kaum ausländische Touristen da seien. Deshalb könne man jetzt bei einem Städteurlaub "schick übernachten, shoppen oder einen kulinarischen Wunschabend verbringen".

© BR/Renate Roßberger

Bei geführten Wanderungen kann man den Bayerwald erkunden

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