Luftaufnahme vom Lager Hochland mit hunderten Jurten im Lager Hochland in Königsdorf

Bildrechte: Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder e.V.
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Urlaub der anderen Art: 5.000 Pfadfinder in Königsdorf

Urlaub der anderen Art: 5.000 Pfadfinder in Königsdorf

Der Traum von Freiheit und Abenteuer: Im Bundeslager der Pfadfinderinnen und Pfadfinder wird er gelebt. Knapp 5.000 von ihnen treffen sich derzeit in Königsdorf im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Die Stimmung ist locker, Selbstverantwortung wichtig.

Schwarze Zelte, so weit das Auge reicht - insgesamt gut 5.000 Personen, 250 Sippen, Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland: Das Bundeslager der Pfadfinderinnen und Pfadfinder hat enorme Ausmaße. Genügend Platz dafür gibt es auf dem Zeltplatz der Jugendsiedlung Hochland in Königsdorf im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Noch bis Montag lagern die "Pfadis" an der Isar.

Stimmung ist entspannt

Die Zeltwände der Jurten - der Zelte der Pfadfinder - sind hochgerollt. Es ist heiß. Im Innern sitzen Gerrit, Dominik und Felix und chillen. Die Gitarre ist etwas verstimmt – das schadet der entspannten Atmosphäre aber keineswegs. Die drei gehören zu einer Sippe, also einer Ortsgruppe, aus Pasing. Ihre Sippe ist eine von 250, aufgeteilt in neun Unterlager nach Bundesländern.

Feuerlöscher gehört zur Standardausrüstung

Paul vom Stamm Gotha aus der Pfalz sitzt mit seiner Gruppe in der Aufenthalts-Jurte und löffelt Käse-Spätzle. "Ich bin das erste Mal beim BuLa", sagt er über das Bundeslager, das von den Teilnehmern meist nur in der Kurzform bezeichnet wird. "Mir gefällt es super gut." 25 Kinder und Jugendliche sitzen mit Tellern und Löffeln ausgestattet im Kreis – die eigene Küche scheint zu funktionieren. Das Essen schmeckt. Jede Sippe ist für sich selbst verantwortlich. Neben der Jurte zum Schlafen gibt es eine Koch – und eine Aufenthalts-Jurte. Der Feuerlöscher gehört zur Standardausrüstung, neben dem Gaskocher und dem Feldgeschirr.

Es gibt alles - außer Fleisch

Die Logistik des Lagers wurde zwei Jahre lang vorbereitet. Im lagereigenen Supermarkt, untergebracht in einem Großzelt, kaufen die Gruppen täglich frisch ein. Die Bezahlung erfolgt bargeldlos mit einem Kartensystem. Im Markt gibt es alles – außer Fleisch. Das Bundeslager isst vegetarisch. Wer trotzdem seine Gruppe mit Würstel oder Fisch verwöhnen will, muss in die umliegenden Orte, nach Königsdorf oder Geretsried, zum Einkaufen. Zu Fuß, mit dem Bus – oder mit dem Auto, wer ein eigenes dabei hat.

Bernd aus Erlangen ist schon ein erwachsener Pfadfinder. Er organisiert im Markt die täglichen Bestellungen mit frischem Gemüse, Brot und Butter beim Großmarkt. "Heute früh gab es frische Erdbeeren", sagt der jung gebliebene Fünfzigjährige. "Die waren in einer Viertelstunde weg." Das Angebot ist vielfältig. Mit dem Handwagen kommen die Sippen zum Einkaufen.

Größte Herausforderung: Die Kommunikation

Das Lagerleben sieht spielerisch aus. Jeder Stamm ist für sein Equipment und seine Abläufe selbst verantwortlich. Die verschiedenen Ebenen scheinen gut zu harmonieren. Manu Dunkel aus München ist heute eine von vier Verantwortlichen für das Gesamtlager. "Die größte Herausforderung ist die Kommunikation bei so vielen Menschen", sagt die Sozialpädagogin. Mit Walkie-Talkie lösen sie und ihre Mitstreiter kleinere und mittlere Probleme, organisieren Fahrdienste für Gruppen oder beauftragen Gruppen mit besonderen Aufgaben - zum Beispiel die Klopapierverteilung für die vielen unterschiedlichen Toilettenhäuser. Diese Gruppen heißen Dienst-Sippen.

Mediensippe hat Zelt mit WLAN

Eine der Dienst-Sippen ist die Medien-Sippe. Sie druckt täglich die Lagerzeitung. Anna aus Niedersachsen beschreibt es so: "Es geht darum, die Leute über das Tagesprogramm zu informieren. Wir schreiben Geschichten, die am anderen Ende des Lagers passieren." Die Mediensippe hat ihre Redaktion in einem Zelt mit WLAN am Marktplatz. Hier sind verschiedene Themenzelte mit allen Angeboten, die man rund um das Lager nutzen kann. Dazu gehören ein Café, ein Gesprächszelt für persönliche Themen oder das Ausflugszelt. Jede Sippe hat Anspruch auf einen Busausflug im Rahmen der zehn Lager-Tage. Verschiedene Busse sind mit mittleren und größeren Gruppen täglich zu Ausflugszielen im Landkreis Bad Tölz unterwegs.

Das Bundeslager - Vorbild für viele gesellschaftliche Gruppen

Die Pfadfinder sind eine Gruppe von Gleichgesinnten, die sich sehr gut organisieren können. Hier im Lager Hochland gibt es bei 5.000 Menschen keine externe Security, es gibt keine Zwischenfälle durch Streitereien. Alles organisieren die "Pfadis" durch ihre speziellen Dienst-Sippen: Wachdienst, Kontrolle der Ein-und Ausfahrt zum Gelände, Sanitätsdienst für kleinere Blessuren. Oder die Alterskontrolle für das abendliche Bier über das passende Armband, das aussagt: "Ich bin schon 16". Was ebenfalls auffällt: Es gibt keine Verbotsschilder. Sogar ein Bautrupp überprüft die Stabilität von selbst errichteten Bühnenteilen. Die Regeln für das Zusammenleben sind vorab kommuniziert – und werden von allen beachtet.

Lager-Leben nach "Pfadi"-Grundsätzen

Die Leichtigkeit dieses Ferienlebens hat etwas mit den Grundsätzen der Pfadfinder zu tun, wie die Öffentlichkeits-Sippe betont: "Jugend leitet Jugend" und "Learning by doing". Das Bundeslager ist ein Ort, an dem sich viele Veranstalter und viele gesellschaftliche Gruppen etwas abschauen und zu eigen machen können.

Bis Montag lagern die Pfadfinder an der Isar. In vier Jahren schlagen sie ihre Jurten an einem anderen schönen Flecken Erde in Deutschland auf.

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