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Urban Gardening: Lebensmittelanbau der Zukunft? | BR24

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Urbaner Gartenbau - das Urban Gardening - kommt in bayerischen Städten immer mehr in Mode. Das Prinzip: Innerstädtische Flächen werden für den Anbau von Obst, Gemüse und anderen Pflanzen genutzt. Mancherorts ist so ein Konzept aber hoch umstritten.

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Urban Gardening: Lebensmittelanbau der Zukunft?

Urbaner Gartenbau - das Urban Gardening - kommt in bayerischen Städten immer mehr in Mode. Das Prinzip: Innerstädtische Flächen werden für den Anbau von Obst, Gemüse und anderen Pflanzen genutzt. Mancherorts ist so ein Konzept aber hoch umstritten.

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"Urban Gardening", also urbaner Gartenbau, blüht in immer mehr bayerischen Städten auf. Dabei werden innerstädtische Flächen für den Anbau von Obst, Gemüse und anderen Pflanzen genutzt. Ob als Gemeinschaftsgarten, vertikaler Garten oder Dachgarten – die Formen des Urban Gardening sind vielseitig anpassbar auf die Bedingungen vor Ort und die Bedürfnisse der Nutzer. Die Wirkungen sind vielfältig: Durch den lokalen Lebensmittelanbau werden Transportwege verringert, innerstädtische Flächen verschönert und Landwirtschaft in das Stadtleben integriert.

Nürnberger Erfolgs-Garten

Urban Gardening gilt als umweltfreundliches und zukunftsträchtiges Landwirtschaftskonzept. In seinen verschiedenen Funktionen macht es dem Schrebergarten für ein wenig Landurlaub von der Stadt Konkurrenz. Die städtischen Grünflächen gibt es bereits kästen- oder parzellenweise in vielen bayerischen Städten.

In Nürnberg zum Beispiel können sich im Garten des Kulturhauses Z-Bau alle interessierten Großstädter im Gärtnern und zugleich in der Fischaufzucht versuchen. Seit zwei Jahren wird hier Aquaponik betrieben. Dabei werden Pflanzenkästen mit dem nährstoffreichen Wasser aus dem Fischbecken versorgt, das durch Erde und Kies der Kästen gefiltert und dann wieder ins Aquarium geleitet wird. Das Aquaponik-Projekt sowie der gesamte Urban Garden des Z-Baus kommen bei den Nürnbergern sehr gut an.

Steiner Bürgerprotest

Mancherorts ist das Konzept aber hochumstritten. Im benachbarten Stein im Landkreis Fürth will das Rathaus den stadtnahen Wiesengrund in einen Urban Garden namens "Steiner Keimzelle" verwandeln.

"Auf dieser städtischen Fläche sollen eine Streuobstwiese, eine Blühwiese, ein grünes Klassenzimmer, ein Weinberg und viele Selbsterntebeete entstehen." Kurt Krömer, Bürgermeister von Stein

Doch die Steiner Bürger wehren sich durch die Bürgerinitiative "pro Wiesengrund" gegen das Vorhaben: erst mit einem Bürgerbegehren, nun mit einem konkreten Gegenvorschlag. Und auch die Steiner Ortsgruppe des Bund Naturschutz hat sich eingeschaltet. Sie kritisieren die Keimzelle unter anderem wegen der notwendigen Bebauung des Wiesengrunds. Zur Erschließung des Urban-Gardening-Areals müssten rund elf Prozent der 30.000 Quadratmeter großen Wiesenfläche mit Asphalt versiegelt werden. Der örtliche Bund Naturschutz sieht das sehr kritisch.

"Im Wiesengrund rund um die Rednitz gibt es bereits viele asphaltierte Wege, Liegewiesen, Parkbänke und Spielplätze; die wenigen noch naturbelassenen Flächen zu erschließen, wäre einfach zu viel Außeneinwirkung." Arno Pfeifenberg, Vorstandsmitglied der Bund Naturschutz Ortsgruppe

Zudem fürchten er und andere Kritiker, dass durch die zunehmende Nutzung des Areals wilde Tiere und natürlicher Wildwuchs verdrängt werden.

"Wir haben im Wiesengrund aktuell Rehe, Rebhühner, Feldhasen, Biber und viele Vogelarten, die wohl größtenteils verschwinden würden." Arno Pfeifenberger, Bund Naturschutz

Bürgermeister Kurt Krömer und auch Arno Pfeifenberger hoffen nun auf Klärung durch Gespräche im Zuge einer Planungswerkstatt im Oktober. Erst dann könnte das vorerst gestoppte Bebauungsplan-Verfahren wiederaufgenommen werden.

Städtische Gärten

Trotz seiner Kritik an der Steiner Keimzelle findet Arno Pfeifenberger das Konzept Urban Gardening per se sehr gut. "Es ist wichtig, dass Angebot und Nachfrage zusammenpassen, das ist in Stein nicht der Fall, aber in Nürnberg ja zum Beispiel schon", sagt er. Im Urban Gardening sieht er grundsätzlich großes Potential, unter anderem, weil es den Großstädtern die Landwirtschaft näher bringt.

"Es ist eine tolle Idee, den Stadtmenschen die Natur erfahrbar zu machen, manche haben dazu inzwischen gar keinen Bezug mehr." Arno Pfeifenberger Bund Naturschutz

Für ihn steht also nicht das Urban Gardening in der Kritik, es ist vielmehr eine Frage der lokalen Umstände. Denn wenn die Bürger interessiert und die Umweltbedingungen günstig seien, könne Urban Gardening definitiv ein voller Erfolg für Mensch und Natur werden.

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