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Unzufriedenheit durch Corona? Bisher kaum spürbar | BR24

© dpa-Bildfunk/Marius Becker

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    Unzufriedenheit durch Corona? Bisher kaum spürbar

    Über viele Wochen mussten Bürger Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie in Kauf nehmen. Auf die Zufriedenheit der Menschen hat sich dies aber offenbar bisher kaum ausgewirkt.

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    Keine Feiern, keine Freunde treffen, weniger Freiheiten: Über viele Wochen mussten die Menschen in Deutschland und Bayern einige Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie in Kauf nehmen. Auf die Zufriedenheit der Menschen hat sich das allerdings offenbar kaum ausgewirkt.

    "Die Menschen sind etwas einsamer geworden, gerade jüngere und Frauen", sagt der Marburger Soziologe Martin Schröder. "Aber die generelle Lebenszufriedenheit hat sich bisher noch gar nicht verringert."

    Eine mögliche Erklärung des Wissenschaftlers: Dass die Corona-Pandemie bislang glimpflicher verlaufen ist, als viele anfangs vermutet hatten. Und: "Ein paar Wochen zu Hause zu bleiben und seine Kontakte einzuschränken, ist gar nicht so furchtbar."

    Mehr als 80.000 Menschen über 30 Jahre befragt

    Schröder hat erste Daten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und englische Erhebungen ausgewertet. Eine weitere Erkenntnis aus dem Ausland: Menschen, die ohnehin gefährdet sind, an einer Depression zu erkranken, hätten nun ein doppelt so hohes Risiko.

    Der Wissenschaftler ist kein Unbekannter auf diesem Forschungsgebiet. Vor kurzem bündelte er in einer Studie die Befragungen von mehr als 80.000 Menschen über 30 Jahre, die Basis dafür war das sogenannte "Soziooekonomisches Panel". Seine Ergebnisse veröffentlichte er in dem Buch: "Wann sind wir wirklich zufrieden?"

    Ostdeutsche im Durchschnitt unglücklicher als der Rest

    Demzufolge sind die Bayern im bundesweiten Vergleich relativ glücklich mit ihrem Leben. Auf bessere Werte kamen in den Umfragen nur Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Schlusslichter bei der Zufriedenheit sind Brandenburg und Sachsen-Anhalt.

    "Der ganz große Unterschied ist vor allem Ostdeutschland. In allen ostdeutschen Bundesländern sind die Menschen sehr viel unzufriedener", sagt der Soziologe. Seine Vermutung bei den Gründen: mehr Arbeitslose, weniger Gehalt – und möglicherweise auch Hoffnungen, die sich nicht erfüllt haben.

    Viel hilft nicht immer viel bei der Zufriedenheit

    Grundsätzlich lasse sich Zufriedenheit nicht auf einen einzigen Faktor reduzieren. Eine wichtige Rolle würden unter anderem Gesundheit, Geld, Schlaf und soziale Kontakte spielen. Aber: Viel hilft nicht immer viel – "abnehmender Grenznutzen", nennen Fachleute dies.

    "Verdurstet jemand in der Wüste, rettet ihm der erste Liter Wasser das Leben", erklärt Schröder, "aber irgendwann wird es egal, ob er sieben oder acht Liter trinkt". So sei es auch mit Freunden, Schlaf oder dem Einkommen. Bis zu einem Nettoeinkommen von 2.000 Euro mache jeder Euro mehr deutlich zufriedener – ob es aber 3.000 oder 4.000 Euro sind, ändert laut Befragungen für das eigene Glücksgefühl nicht mehr viel.

    Anhänger von CSU und Grüne in etwa gleich zufrieden

    Aus bayerischer Sicht ebenfalls interessant: die Zufriedenheit unter Anhängern der verschiedenen Parteien. Am unzufriedensten seien Menschen, die NPD oder AfD nahestehen. CSU-Anhänger seien hingegen in der Regel recht zufrieden, ähnlich wie die der Grünen – obwohl beide politisch oft Welten trennen.

    Martin Schröder erklärt das mit der Lebenssituation vieler Grünen-Wähler, die eine gewisse Grundzufriedenheit zeigen. "Uns geht es doch eigentlich gut, da können wir uns eigentlich auch mal mehr um so etwas wie Umweltschutz kümmern."

    Schon kleine Kniffe können zufriedener machen

    Übrigens: Wer von der Stadt auf das Land zieht, wird nicht zwangsläufig zufriedener. Das klappt laut dem Soziologen nur bei älteren Menschen. Er empfiehlt stattdessen über einen längeren Zeitraum jeden Abend drei Dinge aufzuschreiben, die einen glücklich gemacht haben – die Forschung habe gezeigt, dass das nachweislich helfen könne.

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