Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Unzufriedenheit auf allen Seiten mit dem Aktionsplan Wolf | BR24

© BR

Während Naturschützer glücklich sind, den Wolf hier zu haben, fürchten Bauern um ihre Tiere. Heute hat die Staatsregierung den Aktionsplan Wolf vorgestellt. Kritik kommt sowohl von Naturschützern als auch von den Landwirten.

3
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Unzufriedenheit auf allen Seiten mit dem Aktionsplan Wolf

Während Naturschützer glücklich sind, den Wolf hier zu haben, fürchten Bauern um ihre Tiere. Heute hat die Staatsregierung den Aktionsplan Wolf vorgestellt. Kritik kommt sowohl von Naturschützern als auch von den Landwirten.

3
Per Mail sharen
Teilen

Die Ansprüche an den Aktionsplan Wolf sind hoch. Er soll die Interessen aller Seiten zusammenbringen: Die der Landwirte auf der einen Seite, die der Wolfs- und Naturschützer auf der anderen. Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) sagt deshalb, der Umgang mit dem Wolf in Bayern erfordere große Sensibilität – der Spagat sei groß.

"Wichtig ist für uns, dass wir das Zusammenspiel, auf der einen Seite die wichtige Weidewirtschaft, Almwirtschaft und auf der anderen Seite den Schutzstatus des Wolfes miteinander verbinden können." Thorsten Glauber, bayerischer Umweltminister

Die drei Punkte des Aktionsplans: Entschädigung, Beratung, Entnahme

Im Mittelpunkt des Aktionsplans stehen drei Punkte, sagt Glauber. Die Landwirte sollen zu 100 Prozent finanziell entschädigt werden, wenn sie ein Tier verlieren. Außerdem sollen das Umwelt- und das Landwirtschaftsministerium die Landwirte hinsichtlich der Schutzmaßnahmen beraten. Darüberhinaus ist geplant, dass die sogenannte Weideschutzkommission prüft, wo im alpinen Bereich der Schutz der Nutztiere nicht gegeben ist. In diesen Bereichen soll dann die "Entnahme" – also der Abschuss eines Wolfes – möglich sein.

Das bedeutet, dass Wölfe also weiter abgeschossen werden dürfen, wenn es dem Schutz der Nutztiere dient. Vorausgesetzt, dass die Weidetiere durch Zäune oder sogenannte Herdenschutzhunde nicht ausreichend geschützt werden können. Was genau diese "nichtschützbaren Weidegebiete" sind, das muss aber erst noch festgelegt werden.

Landwirten reichen die Punkte nicht

Entsprechend unzufrieden mit dem Papier sind die Landwirte. Sie hätten sich viel mehr gewünscht - komplett wolfsfreie Zonen. Also Gebiete, aus denen der Wolf zurückgedrängt wird und wenn er doch auftaucht, abgeschossen werden darf. In den Bergen sei es schlicht unmöglich, die Tiere vor dem Wolf zu schützen, sagt beispielsweise Almbäuerin Maria Stöberl. "Es ist so, dass in bewirtschafteten Bergregionen der Wolf mit der Almwirtschaft zusammen einfach nicht funktioniert. Wir brauchen schon Regelungen zur Bestandsregulierung bis hin zur Entnahme."

Naturschützer sind enttäuscht

Aber auch die Naturschützer sind enttäuscht. Der Vorsitzende des Bund Naturschutz in Bayern, Richard Mergner, ist zwar prinzipiell froh, dass der Aktionsplan jetzt auf dem Tisch liegt. Inhaltlich ist er aber nicht einverstanden. Er ist der Meinung, Bayern müsse dem Wolf seinen ursprünglichen Lebensraum zurückgeben. Der Aktionsplan Wolf atmet aber eher das Gegenteil aus. Man sei eher der Meinung, so Mergner, man könne einzelne Regionen wolfsfrei halten. Gerade in den Alpen - ein Irrtum, meint der Naturschützer. Denn, sagt Mergner, der Wolf könne am Tag locker 100 Kilometer laufen.

Wolfsexperte: "Unverständlich und unkonkret"

Der Wolfsexperte Ulrich Wotschikowsky ist über den Aktionsplan richtiggehend verärgert. Viel zu unkonkret, meint er. Die entscheidenden Fragen seien gar nicht angesprochen worden. Im Aktionsplan sei die Rede davon, dass die Wölfe in Bayern auf einem artenschutzrechtlichen Minimum gehalten werden sollen – was das bedeute, wisse kein Mensch, schimpft der Biologe. Zudem werde nicht klar, wie man dafür sorgen wolle, dass der Wolf auf einer unschützbaren Weidefläche nicht auftauche. Wolle man einen Jäger dort sitzen und warten lassen? Der wachse dann ja förmlich an, weil sowieso kein Wolf vorbeikomme.

Der Aktionsplan Wolf ist also weit davon entfernt, alle zufriedenzustellen. Die Auseinandersetzungen zwischen Landwirten und Wolfsschützern werden weitergehen – auch nach der Vorstellung des Papiers.

© BR

Der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern hat mehr Schutz für die Weidewirtschaft gefordert. Schon bei ersten Schäden müsse es zulässig sein, Wölfe abzuschießen.