Symbolbild: Unwetter-Warnung auf einem Display der DB im Mai 2022

Symbolbild: Unwetter-Warnung auf einem Display der DB im Mai 2022

Bildrechte: picture alliance/dpa | Nicolas Armer
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    Unwetterwarnungen: Wie sie entstehen und ins BR-Programm kommen

    Unwetterwarnungen: Wie sie entstehen und ins BR-Programm kommen

    Der direkte Draht zum Deutschen Wetterdienst spielt eine wichtige Rolle bei den Unwetterwarnungen im BR-Programm. Aber wann wird eine solche Warnung herausgegeben? Und wie gelangt sie in die Nachrichtensendungen - und damit zu Ihnen? Ein Überblick.

    Daten sind die Grundlage für eine möglichst genaue Wettervorhersage – und hinter dieser verbirgt sich ein umfangreiches System an Technik, Messgeräten und Datenleitungen. Dieses System ermöglicht es Wetterexperten wie Michael Sachweh für den BR, schnell und genau über heraufziehende Unwetter zu berichten. Dem vorausgeht ein klar definiertes Meldesystem des Deutschen Wetterdienstes (DWD) für Unwetterwarnungen.

    Was sind Unwetterwarnungen und wer berechnet sie?

    Unwetterwarnungen sind amtliche Vorhersagen über Niederschläge wie Regen, Hagel, Schnee, über Wind, Gewitter und Temperaturen. Die Meldungen entstehen beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach bei Frankfurt am Main. Eine der Kernaufgaben des DWD ist das Warnen vor meteorologischen Ereignissen, die "für die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährlich werden können", so beschreibt sich der nationale Wetterdienst auf seiner Internetseite.

    Wie viele Warnstufen gibt es?

    Die Wetterexperten unterscheiden vier Warnstufen, die die unterschiedlichen Gefahren in Verbindung mit Wetter beschreiben. Wetterwarnungen sind Warnungen der Stufe 1, die Empfänger sollen sich "auf etwas gefasst machen", heißt es beim DWD. Die zweite Stufe warnt vor markantem Wetter, hier ist die DWD-Botschaft: "Sei vorbereitet, dass etwas kommt und treffe Vorkehrungen". Warnungen der Stufe 3 heißen Unwetterwarnungen: hier werden die Empfänger aufgefordert, sich zu schützen. Die höchste Stufe 4 warnt vor extremem Unwetter. Die Empfänger sollen sich sofort in Sicherheit bringen und ihr Eigentum schützen.

    Welche Daten fließen in die Berechnungen ein?

    Unwetterwarnungen entstehen nach Bewertung der verschiedensten Informationen.

    Dazu gehören gefallene oder erwartete Niederschlagsmengen, aber auch die Daten von deutschlandweit 1.000 Messstationen und ein Radarnetz, mit dessen Hilfe die DWD-Meteorologen die Niederschläge sehen können.

    Wie entstehen Unwetterwarnungen?

    Zur Vorhersage ziehen die Meteorologen komplexe Wettermodelle heran, die die Erdoberfläche mit einem Gitternetz überziehen. In einem Punkt unterscheiden sich die Modelle nicht: Sie alle treffen Vorhersagen für Niederschläge. Doch während die Abstände beim globalen Gitternetz 15 Kilometer groß sind, besticht das deutsche Netzmodell ICON-D2 mit Abständen von nur zwei Kilometern durch eine besonders hohe räumliche Auflösung, erklärt BR-Meteorologe Michael Sachweh.

    Besonders für Bayern mit seiner markanten Topographie und wechselnden Oberflächenstruktur sei das ganz wichtig. Andreas Friedrich vom DWD rechnet damit, dass das deutsche Gitternetz schon bald noch mehr verfeinert wird. Die Abstände zwischen den Gitterlinien sollen dann nur noch einen Kilometer betragen, die Wettervorhersagen und die Unwetterwarnungen dürften dann regional und lokal noch präziser werden.

    Grafik: Aktuelle Wetterwarnungen für Bayern

    Der Deutsche Wetterdienst (DWD) informiert über Wetterlagen und gibt auch im Ernstfall amtliche Unwetterwarnungen heraus. Abgestuft werden diese in vier Kategorien:

    Stufe 1 (gelb): Gewitter: elektrische Entladung, auch in Verbindung mit Windböen ab 50 km/h.

    Stufe 2 (orange): Starkes Gewitter: in Verbindung mit Sturmböen, schweren Sturmböen bis 104 km/h, Starkregen oder Hagel

    Stufe 3 (rot): Schwere Gewitter: mit Hagelschlag, heftigem Starkregen oder orkan(artigen) Böen bis 119 km/h, ggf. Tornadogefahr (rot)

    Stufe 4 (dunkelrot): Extremes Gewitter: mit Hagelschlag, extrem heftigem Starkregen oder extremen orkan(artigen) Böen ab 120 km/h, ggf. Tornadogefahr.

    Lila: Hitzewarnung / Rosa: UV-Warnung / Grün: Keine Warnung / Schraffiert: Vorab-Warnung

    Wann geht eine Unwetterwarnung heraus?

    Dafür gibt es beim Deutschen Wetterdienst Vorschriften, etwa bei einer so brisanten Wetterlage mit starken oder langanhaltenden Niederschlägen wie am heutigen Freitag. BR-Meteorologe Michael Sachweh erklärt an einem Beispiel, wann eine Unwetterwarnung für ein betroffenes Gebiet herausgeht: Dafür müssen innerhalb von zwölf Stunden mehr als 40 Liter Regen pro Quadratmeter vorhergesagt sein. Oder 40 Liter innerhalb von 24 Stunden oder 60 Liter innerhalb von 48 Stunden.

    Wie erreichen Unwetterwarnungen die Menschen vor Ort in Bayern?

    Der Deutsche Wetterdienst hat für Unwetterwarnungen eine direkte Leitung zu den Landesrundfunkanstalten der ARD, also auch zum Bayerischen Rundfunk. BR-Meteorologe Sachweh ist ein externer Dienstleister, der für die Wetterberichte in den Fernseh-, Radio- und Online-Angeboten des BR verantwortlich ist.

    Eine technische Zusammenarbeit gibt es zwischen Sachweh und dem ARD-Wetterkompetenzzentrum beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Sachweh erhält von dort die Wetterkarten für das Fernsehwetter in BR24, Abendschau und Frankenschau aktuell.

    Die Experten des ARD-Wetterkompetenzzentrums versorgen vor allem die Nachrichtensendungen im Ersten, also Tagesschau und Tagesthemen, aber auch ARD-Morgenmagazin und ARD-Mittagsmagazin mit den aktuellen Wetterberichten und Unwetterwarnungen.

    Müssen die ARD-Sender über Unwetterwarnungen informieren?

    Zwischen dem Deutschen Wetterdienst und den Bundesländern, darunter Bayern gebe es verbindliche Vereinbarungen, erklärt DWD-Sprecher Andreas Friedrich. Diese Regelungen laufen über die jeweiligen Innenministerien der Länder. Wenn – wie am heutigen Freitag – Warnungen vor extremem Unwetter für Teile Bayerns herausgegeben würden, dann seien die Rundfunkanstalten verpflichtet, die Meldungen zu verbreiten.

    Sind Vorhersagen juristisch bindend?

    Nein, sagt DWD-Sprecher Andreas Friedrich. Die Warnungen hätten keine rechtliche Bindung. Die Berechnungen beruhten auf Wahrscheinlichkeiten, die Vorhersagen träfen naturgemäß nie zu 100 Prozent zu.

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