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Unterwegs im Wahlkampf: Freie Wähler | BR24

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Laut BR-BayernTrend würde es für die Freien Wähler derzeit nicht für ein Zweierbündnis mit der CSU reichen. Trotzdem ist Spitzenkandidat Hubert Aiwanger guter Dinge. Sein Ziel: sich modern und gleichzeitig wertkonservativ zeigen.

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Unterwegs im Wahlkampf: Freie Wähler

Laut BR-BayernTrend würde es für die Freien Wähler derzeit nicht für ein Zweierbündnis mit der CSU reichen. Trotzdem ist Spitzenkandidat Hubert Aiwanger guter Dinge. Sein Ziel: sich modern und gleichzeitig wertkonservativ zeigen.

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"Bayerns starke Mitte" wollen die Freien Wähler sein - so lautet zumindest der Titel des Parteiprogramms. Der Adressat ist klar: das bürgerlich-konservative Lager. Doch das ist hart umkämpft - auch FDP, AfD und CSU werben dort um Stimmen. Die Strategie der Freien Wähler um herauszustechen: sich modern und zugleich wertkonservativ zeigen.

Nicht mehr nur die Landpartei

Das größte Plus der Freien Wähler ist ihre kommunale Verankerung. In Bayern stellen sie 600 Bürgermeister und 14 Landräte. Auch die meisten ihrer Wähler sind vom Land. Das Image der veralteten, männlichen Landpartei stimme aber schon lange nicht mehr, sagt ihr Spitzenkandidat Hubert Aiwanger. Im Gegenteil. Städtisch und jung soll das neue Motto sein - ohne dabei natürlich die Stammwähler vom Land zu vergrämen.

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BR-Reporterin Regina Kirschner im Gespräch mit Aiwanger.

Wahlkampfschlager kostenfreie Kita

Ohne die Unterschriftenliste zur "kostenfreien Kita" geht Hubert Aiwanger daher momentan quasi nirgends mehr hin. Auch beim Infostand in der Landshuter Innenstadt hat er sie dabei. Schließlich hält er die kostenfreie Kinderbetreuung für eines der ganz großen Wahlkampfthemen und macht sie sogar zur Koalitionsbedingung.

"Ich bin überzeugt, dass das Thema mehrheitsfähig ist und dass die CSU einlenken muss", sagt Aiwanger. Denn viele hätten Betroffene in der Familie - eine Tochter oder Schwiegertochter, die 500 Euro im Monat für die Kita zahlen müsse.

Großer Zuspruch

Auch Ulla - ihren Nachnamen möchte sie nicht nennen - aus Tiefenbach bei Landshut unterschreibt für die kostenfreie Kita: "Ich finde es ein Unding, dass Bayern was weiß ich wie viele Milliarden nach Berlin pumpt. Dort gibt es kostenfreie Kitaplätze. Bei uns nicht", ärgert sie sich. Ähnliches ist beim Wahlkampf in Landshut immer wieder zu hören.

Aiwanger selbst wirkt am Stand wie aufgezogen, läuft von hier nach da und verteilt ununterbrochen Kugelschreiber. Ob ihn die Hoffnung auf einen Platz auf der Regierungsbank antreibt?

Hoffnung auf Koalition mit der CSU

Bei den aktuellen Umfragen kommt die CSU nur noch auf 35 Prozent. Die Freien Wähler können sich mit elf Prozent zwar über ein leichtes Plus freuen, für ein Zweierbündnis würde das aber nicht reichen.

Trotzdem sieht Aiwanger die Partei auf einem guten Weg. "Wir wollen mitregieren, aber es kann ja sein, dass es nicht reicht für uns mit der CSU. Wir drängen uns nicht auf", sagt Aiwanger. "Ich glaube aber, dass es reicht - und die CSU wird dann eher mit uns regieren als mit den anderen."

Streitthema Asylpolitik

Die sonstigen Themen am Infostand in Landshut: bezahlbarer Wohnraum und vor allem die Asylpolitik. Viele zeigen sich enttäuscht, fordern striktere Abschiebungen oder ein besseres Konzept für die Integration.

"Da sind einige gekommen, viele frühere CSU-Wähler, die mit ihrer Partei nicht mehr zufrieden sind, auch SPD-Wähler, die sagen: Die SPD wollen sie nicht mehr wählen und die AfD auch nicht", berichtet Aiwanger und fügt hinzu: "Jetzt wählen sie uns. Also passt doch."

Wütende Protestwähler

Wahlkampfhelferin Barbara Luginger sieht das nicht so entspannt. Die Stimmung sei aufgeladen, warnt die 36-jährige Mutter. Das bekomme sie an den Stammtischen mit - daheim in Essenbach, wo die Familie ein Wirtshaus betreibt: "Die Leute sind aggressiv, grantig, richtig wütend, wie das gerade abläuft." Es werde viele Protestwähler geben - und davor habe sie Angst. "Da kann man nicht mehr argumentieren. Nur Streitgespräche führen."

Ihre Hoffnung für die nächste Legislaturperiode: eine gute, ehrliche Politik, die den Bürgern die Wut nimmt und sie wieder für Argumente zugänglich macht.

Neues Gesicht in Oberfranken

In Coburg gehen die Freien Wähler mit einer ganz jungen Direktkandidatin an den Start. Maria Preißler ist 20 Jahre alt und hat gerade erst ihre Ausbildung zur Zahnarzthelferin abgeschlossen. Im Wahlkampf will sie sich als neues Gesicht präsentieren. Als eine, die eine ehrliche und andere Politik macht.

Marco Steiner glaubt, dass das funktioniert. "Es braucht ein alternatives Angebot. Nicht nur für junge Leute", sagt er. Steiner ist Bürgermeister in Rödental und hat Preißler zur Kandidatur ermuntert. "Ich habe viel Rückmeldung bekommen von Älteren, die gesagt haben: Genau, wir brauchen etwas Neues. Deswegen glaube ich sehr wohl, dass es für Maria Chancen auf ein gutes Stimmenergebnis gibt."

Mehr junge Wähler für Politik interessieren

Mit einem ihrer ersten Wahlkampfauftritte ist Maria Preißler zumindest zufrieden. Eine Stunde lang saß sie auf der sogenannten bunten Couch im Coburger Augustinum. Wer wollte, konnte sich zu ihr setzen und sie befragen. Die Themen reichten vom Parteiprogramm der Freien Wähler über die Familienpolitik bis hin zur Asylpolitik und der Frage nach der Ehrlichkeit in der Politik.

Ziel der Aktion, die vom Kreisjugendring veranstaltet wird, ist es, vor allem junge Leute für Politik zu begeistern. Aber natürlich dürfen auch ältere Wähler mitmachen. Für die 20-jährige Freie Wähler-Kandidatin Maria Preißler eine gute Chance, auf sich aufmerksam zu machen und für sich zu werben.