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Wahlkampfkugelschreiber "Die Linke"
© BR/Fabian Stoffers

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Eleonore Birkenstock
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Wahlkampfkugelschreiber "Die Linke"

In der Fußgängerzone in Fürth, an einem heißen Spätsommertag haben die Linken drei rote Sonnenschirme aufgestellt. Dazu Stehtische mit Parteiwerbung. Heute ist Bernd Riexinger, neben Katja Kipping einer der beiden Parteivorsitzenden, nach Fürth gekommen. Wahlkampfhilfe aus Berlin – mit einer Kampfansage Richtung CSU.

"Wenn Sie alle dafür sorgen, dass die CSU in Bayern verliert, wird das Kapitel Seehofer abgeschlossen weil, die CSU mag alles, aber keine Wahlverlierer. Deswegen sorgen wir doch dafür, dass die CSU die Wahl verliert und die Linke in den Landtag kommt." Bernd Riexinger, Parteivorsitzender

Fahrradfahrer bleiben stehen, einige setzen sich in den Schatten und beobachten einige Meter entfernt den Wahlkampf. Etwa 30 Männer und Frauen hören zu. Die meisten sind im Alter vierzig aufwärts, doch auch Studenten sind dabei, auch junge Familien mit Kinderwagen. Es sind wenige, dafür sehr wohlwollende Zuschauer.

Das sagen die Passanten

"Ich wähl seit 2000 PDS jetzt die Linke" Passant
"Für mich die Partei, die annähernd für soziale Gerechtigkeit kämpft. Nicht wie bei anderen Parteien, die sich das auf die Fahnen schreiben, aber eben wirklich was machen wollen. Wenn sie reinkommen, dann können sie sich auch beweisen." Passant

Umfragewerte machen Hoffnung

Bei der Landtagswahl 2013 haben es die Linken in Bayern auf 2,1 Prozent gebracht. Was ihnen Rückenwind im aktuellen Wahlkampf verschafft, sind die Umfragewerte: dem Bayerntrend des Bayerischen Rundfunks zufolge liegen sie bei 5 Prozent. Dazu noch die Zahlen von der Bundestagswahl vor einem Jahr: Da bekam die Linke 6,1 Prozent der Zweitstimmen im Freistaat. Stark ist die Partei im linksalternativen Großstadtmilieu, zum Beispiel im Nürnberger Stadtteil Gostenhof. Aber ob das für den ganzen Freistaat reicht? Der Parteivorsitzende Bernd Riexinger zeigt sich optimistisch: Man merke, dass das gut Zuspruch gebe. Mindestens so stark wie bei der Bundestagswahl. Die Veranstaltungen, die er gerade gemacht habe, seien gut besucht. Sie fühlten sich im Aufwind.

Linke sieht großes Wählerpotential

Potential an Wählern sieht die Linke im Freistaat auch in den Zehntausenden, die gegen das Polizeiaufgabengesetz oder die Polarisierung in der Asylpolitik auf die Straße gegangen sind. Und will mit Themen wie höhere Löhne, mehr Wohnraum, mehr Bildung, kostenfreien Nahverkehr oder bessere Pflege Wähler für sich gewinnen.

Zusammen mit anderen wie der Gewerkschaft Verdi, dem Marburger Bund, der SPD und den Grünen sammelt die Linke Unterschriften für das Volksbegehren "Stoppt den Pflegenotstand an Bayerns Krankenhäusern". An diesem Vormittag haben sie sich in Nürnberg mit Stehtisch und Krankenbett aufgestellt.

Mit dabei: 'Politveteran' Harald Weinberg

Mit am Stand für das Volksbegehren ist auch Harald Weinberg, Bundestagsabgeordneter der Linken aus Nürnberg. Der 61-Jährige bezeichnet sich selbst als Politveteran. Vor elf Jahren war Weinberg nach dem Zusammenschluss von Linke.PDS und WASG bayerischer Landessprecher. Und war für den Landtagswahlkampf 2008 verantwortlich. Damals kam die Linke in Bayern auf 4,4 Prozent. Dieses Mal sieht Harald Weinberg die Partei im Freistaat besser aufgestellt als vor zehn Jahren.

"Wir hatten richtig Schwierigkeiten, in einzelnen Stimmkreisen, in Oberbayern, in Niederbayern überhaupt die Kandidaten hinzubekommen. Das ist diesmal einwandfrei gegangen. ... Wir sind flächendeckend jetzt präsent. Und es sind auch sehr, sehr viele neue junge Leute dabei, die sehr, sehr engagiert sind. Harald Weinberg, Bundestagsabgeordneter der Linken

Eine von diesen neuen jungen Parteimitgliedern ist Debora Pihan, Krankenschwester auf der Intensivstation. Die 33-Jährige ist vor drei Jahren in die Linke eingetreten, auch, weil sie was gegen den Rechtsruck im Land tun wollte. Pihan steht nun auf Platz zwei auf der Wahlkreisliste der Linken in Mittelfranken, immer wieder sieht man Plakate mit ihrem lächelnden Gesicht in Nürnberg. Es gebe eine realistische Chance, dass die Linke dieses Jahr in den Landtag einzieht, sagt sie.

"Ich denke, das ist noch einmal ein guter Aufschwung für die letzten Wochen für den Wahlkampf. Dass man auch den Leuten zeigt, eure Stimme ist nicht verloren. Wir können die 5 Prozent knacken. Das wär einfach genial, wenn wir dann eben als linke Opposition im Landtag wären." Debora Pihan

Ob es die Linke in Bayern in den Landtag schafft, wird auch von der Bundespolitik abhängen – und was in Berlin passiert. Es könnte für die Linke auf jeden Fall knapp werden.