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Unterwegs im Landtagswahlkampf: FDP | BR24

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Martin Hagen will die bayerische FDP zurück in den Landtag führen.

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Unterwegs im Landtagswahlkampf: FDP

Nach fünf Jahren Pause will die FDP am 14. Oktober zurück in den bayerischen Landtag. Angeführt werden die Liberalen im Wahlkampf von einem jungen Spitzenkandidaten - der am liebsten auch gleich in die Regierung möchte.

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Martin Hagen kommt voll beladen durch die Tür einer Gastwirtschaft in Taufkirchen. Der Spitzenkandidat der FDP in Bayern rollt erst mal ein übergroßes Wahlplakat mit seinem Konterfei aus und stellt es auf. Hagen setzt sich ans Kopfende eines großen Tisches, er will über Bayerns Zukunfts diskutieren.

Die meisten hier scheinen sich zu kennen, Peter Schilowsky ist fast schon eine Ausnahme: Er ist kein FDP-Mitglied: "Ich komme hierher, um zu hören, welche Argumente die anbieten gegenüber dem Bollwerk von AfD, CSU, Grünen und dergleichen."

Hagen und die "drei T"

Genau solche Menschen will Martin Hagen erreichen. Eine seiner Stärken: Ideen schlagwortartig zusammenzufassen. "Wir wollen ja Bayern voranbringen und die Themen, die uns dafür wichtig sind, sind die drei T, wie ich sie nenne: Talent, Technologie und Toleranz. Also eine gute Bildungspolitik, eine Politik, die die Chancen neuer Technologien nutzt, Digitalisierung und eine Politik einer offenen liberalen toleranten Gesellschaft."

Die FDP "weiblicher machen"

Ortswechsel. Im Innenhof des Maßmann-Wohnheims, einem selbstverwalteten Studentenwohnheim in München, holen sich junge und ältere Menschen gerade Getränke von der Garten-Bar. Studenten und andere Interessierte können an diesem Abend mit den Kandidaten verschiedener Parteien diskutieren.

Sabrina Böcking, 32 Jahre alt, sitzt eingeklemmt zwischen anderen Politikern auf einer alten Couch am Rand des Innenhofs. Sie gehört dem Bürgerrechtsflügel der FDP an, als Frau ist sie in ihrer Partei in der Minderheit: "Es ist uns ein Anliegen, die Partei weiblicher zu machen. Das würde es bei manchen Anliegen auch leichter machen, dass man da ein bisschen ernster genommen wird", sagt sie. Größtenteils sei es aber kein Problem, sich in der FDP als Frau durchzusetzen und ernst genommen zu werden - "wenn man das wirklich will".

"Der soziale Aspekt fehlt"

Böcking ist Rechtsanwältin und Steuerberaterin. Man sieht ihr an, dass das linksalternative Studentenwohnheim, in dem sie an diesem Abend sprechen soll, nicht ganz ihre Welt ist. Und auch die meisten der Anwesenden können mit der FDP nicht viel anfangen:

"Kann man wählen, wenn man genügend Geld hat, denke ich. Aber für mich kommt das nicht in Frage, weil mir da der soziale Aspekt etwas fehlt", sagt eine Besucherin. Und ein Mann fügt hinzu: "Ich seh das auch eher so, dass die FDP für Wähler der oberen Mittelschicht sind oder für Selbstständige." Die FDP habe keine klare Linie, man verstehe nicht wirklich, wofür sie stehe – das sagen Besucher hier im Innenhof immer wieder.

Positionen an den Mann bringen

Sabrina Böcking kann das zum Teil nachvollziehen: "Es ist nicht so, dass wir keine klaren Linien haben, sondern dass wir eher mal Probleme haben, die klaren Linien auch kommunikativ an den Mann zu bringen", erklärt Böcking und fügt hinzu: "Die einen sagen: möglichst keine Migration, alle Ausländer raus. Die anderen sagen: alle rein, weil offene Grenzen und so. Und wir sind halt auf einer mittleren Position."

Es sei wahnsinnig schwierig, dies den Leuten in ein, zwei oder drei Sätzen zu erklären. "Und das ist - glaube ich - das, woran wir kranken."

Schwieriger Spagat

Zurück nach Taufkirchen. Dort ist FDP-Spitzenkandidat Martin Hagen gerade so richtig Fahrt gekommen: "Lehrermangel, das zeigt ein bisschen die unterschiedliche Prioritätensetzung von CSU und FDP." Hagen spricht über frühkindliche Bildung, über einen Rechtsanspruch auf die Ganztagsschule. Er versucht den Spagat, will sich von der CSU abgrenzen, obwohl die FDP gerne zusammen mit den Christsozialen regieren würde.

Altlast aus dem Bund

Und dann ist ja da auch noch die Altlast aus dem Bund: Die Jamaika-Koalition, die am Ende an der FDP gescheitert war. "Das Thema Jamaika spielt immer noch eine Rolle bei den Leuten. Wir machen klar, dass wir in Bayern bereit sind, Verantwortung zu übernehmen."

Vor allem die Jungen am Tisch sind sichtlich begeistert von dem Mittdreißiger, der basisdemokratisch gewählt worden ist - als erster Spitzenkandidat der Bayern-FDP. Es ist nicht zu übersehen: Es hat einen Generationenwechsel gegeben in der bayerischen FDP, nach der Wahl in Bayern 2008, als die Partei aus dem Landtag geflogen ist.

Autor
  • Lisa Weiß
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