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Unterwegs im bayerischen Wahlkampf: AfD | BR24

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Unterwegs im Wahlkampf: AfD

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Unterwegs im bayerischen Wahlkampf: AfD

Während FDP und Linke um den Einzug in den bayerischen Landtag bangen müssen, kann die AfD angesichts zweistelliger Umfrageergebnisse fest damit rechnen. Einen Spitzenkandidaten hat die Partei nicht, sondern in jedem Bezirk einen Listenführer.

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Freitagnachmittag, Deggendorf in Niederbayern: Am Wahlkampfstand der AfD hält Katrin Ebner-Steiner einen Packen Flyer in der Hand. Nur wenige Passanten nehmen das Programm für die Landtagwahl 2018 aus den Händen der AfD-Kandidatin entgegen. Bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr kam die Alternative für Deutschland in Deggendorf auf 19 Prozent der Zweitstimmen – den höchsten AfD-Wert aller bayerischen Wahlkreise.

"Wir stehen für einen harten Kurs in der Asylpolitik, und das verlangen die Menschen hier in unserem Land. Und deswegen wählen sie AfD", sagt Ebner-Steiner. Niederbayern, das war bis vor wenigen Jahren sicheres CSU-Land. Seit dem Flüchtlingssommer 2015 hat sich etwas verändert.

Enttäuscht von der CSU

Manche, die in der CSU ihre politische Heimat hatten, seien zur AfD übergelaufen, sagt Ebner-Steiner. "Die waren Konservative, und ich fühlte mich vertreten von der CSU. Aber das ist vorbei." Sie sei sehr enttäuscht von der CSU. Deswegen sei sie auch in die Politik gegangen und habe sich für die AfD entschieden.

Wer den Erfolg der AfD in Niederbayern verstehen will, er kommt an Katrin Ebner-Steiner nicht vorbei. Die 40-jährige Bilanzbuchhalterin setzt sich für die Interessen der Landwirte ein, kritisiert die Flüchtlingspolitik und zeigt in der Öffentlichkeit immer zwei Seiten: die milde-freundliche und die strenge, je nach Situation. Die Mutter von vier Kindern ist Merkel-Gegnerin. In einem Moment noch spricht sie von der Wichtigkeit der Kirchen, in einem anderen bezeichnet sie sich als Freundin von Björn Höcke.

Kritik an Merkel

Der politische Gillamoos im Landkreis Kehlheim in Niederbayern. Beim traditionellen Schlagabtausch auf dem Volksfest setzt Ebner-Steiner auf die harte Seite: "Würden die Gebrüder Grimm noch leben, hätten sie ein Märchen gedichtet. Darin wäre Merkel die Rabenmutter, die die deutschen Kinder mit dem Giftapfel lockt und zur Strecke bringt."

Besonders die Kritik an Merkel bringt ihr Beifall. Sie ist Listenführerin in Niederbayern, Vizevorsitzende des AfD-Landesverbands und könnte im neuen Landtag Fraktionsvorsitzende werden, auch wenn sie darüber nicht spekulieren will.

Von der CSU über die Freien Wähler zur AfD

Einen Spitzenkandidaten hat die AfD in Bayern nicht. Jeder Listenführer kämpft in seinem Wahlkreis für sich und seine Leute. In Oberbayern ist es Franz Bergmüller. Jahrzehntelang war der 53-jährige Gastronom bei der CSU, ist mit dem Rauchverbot aus der Partei ausgetreten und zu den Freien Wählern. Seit 2013 ist er bei der AfD. Seine parteiinternen Gegner haben seine Mitgliedschaft angezweifelt. Nun hat ein Berliner Amtsgericht den Streit zu seinen Gunsten beendet.

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AfD-Kandidat Franz Bermüller

In seinem Gasthof im Landkreis Rosenheim hängen Bilder aus seiner CSU-Vergangenheit: "Das ist eigentlich alles aus meiner Jugendzeit. Damals mit Franz Josef Strauß. Oben mit Edmund Stoiber, mit der Frau Strauß. Und da mit dem Ministerpräsidenten Dr. Beckstein." In seinem Wahlkampf setzt der 53-Jährige vor allem auf nüchterne Wirtschaftsthemen.

Die AfD und der Islam

Zurück am Wahlkampfstand von Kathrin Ebner-Steiner: Zwei junge Flüchtlinge aus Syrien und Albanien wollen wissen, weshalb die AfD in Deggendorf mit einem Plakat wirbt, auf dem steht: "Der Islam gehört nicht zu Bayern." Sie wollten arbeiten, Geld verdienen – und "gut für Deutschland bauen", berichten sie.

Ebner-Steiner sagt zu dem Slogan: "Damit sind aber nicht die Muslime gemeint. Es ist gemeint, dass der Islam historisch nicht zu Deutschland und zu Bayern gehört. Und das ist ja auch so, denn bei uns ist einfach das Christentum verwurzelt."

Widrigkeiten im bayerischen Wahlkampf

Nach einem kurzen freundlichen Small Talk ziehen die Flüchtlinge sichtlich beeindruckt weiter – da war sie wieder, die freundliche Seite.

Gleichzeitig beklagt die AfD Widrigkeiten im bayerischen Wahlkampf: Immer wieder muss sich die Partei wie zum Beispiel in München in öffentliche Räumlichkeiten hineinklagen. Trotz der Demonstrationen und Schlagzeilen – die AfD steht kurz davor, am 14. Oktober auch in Bayern in den Landtag einzuziehen.

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Autor
  • Johannes Reichart
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