Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Unterstützung für den Osterhasen: Mehr Langohren in Bayern | BR24

© BR

Zur Zeit ist wieder Hasenzählung des Jagdverbandes. Das heißt, bayernweit sind Jäger nachts auf Feldwegen unterwegs – auf der Suche nach Hasen. Das Ergebnis: Es scheint wieder mehr Feldhasen zu geben.

1
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Unterstützung für den Osterhasen: Mehr Langohren in Bayern

Eine schöne Meldung zu Ostern: Es scheint wieder mehr Hasen zu geben in Bayern. Das melden Jagdverband und Naturschützer. Es ist dem trockenen Wetter 2018 zu verdanken. Doch was ist dran am Hasenboom und was ist zu tun, dass er nachhaltig wird?

1
Per Mail sharen
Teilen

Wer in diesen Tagen Autos langsam über Feldwege fahren sieht, mit Scheinwerfern auf Felder und Wiesen gerichtet, der ist möglicherweise Zeuge der Hasenzählung des Bayerischen Jagdverbandes. Im Frühjahr und Herbst machen das die Jäger in den Referenzgebieten und zwar mit der Autoscheinwerfermethode, berichtet Regina Gerecht vom Jagdverband. Das Licht macht die Hasen sichtbar - oder wenigstens die Reflexion ihrer Augen.

Hasen an der Reflektion der Augen erkennen

Auch von anderen Tieren reflektieren die Augen, sagt Regina Gerecht, Referentin für das Wildtiermonitoring, aber "der Hase leuchtet eher weiß, andere eher grünlich oder rot." Entscheidend sei auch die Silhouette oder die Bewegung: "Ein Hase bewegt sich anders wenn er hoppelt als ein Reh, außerdem ist er viel kleiner."

Im letzten Jahr ist es den Hasen anscheinend besonders gut gegangen - jedenfalls in den Gebieten, wo gezählt worden ist, sagt die Referentin.

"Bayernweit haben wir durchschnittlich letzten Herbst 27 Hasen auf 100 Hektar gezählt, im Bundesdurchschnitt wären elf Hasen auf 100 Hektar normal." Regina Gerecht, Referentin für Wildmonitoring

Geht es Hasen in Bayern besonders gut?

Auch der Jagdverband weiß nicht, ob es den Hasen in Bayern einfach viel besser geht oder, ob nur dort gezählt worden ist, wo viele Hasen sind. Es gibt nämlich Jäger, die sich sehr für Hasen engagieren. Sie säen Hasenkräuter und bejagen die Fressfeinde der Hasen wie Füchse, indem sie Fallen aufstellen oder mehr Füchse schießen.

Insgesamt gibt es noch viele weiße Flecken auf der Hasenkarte - vor allem dort, wo gar nicht gezählt worden ist. Der Jagdverband wirbt daher auch fürs Hasenzählen. Bei der Produktion des Films "Wissen, wie der Hase läuft" war Gertrud Helm überrascht: Es waren sechs bis acht Hasen pro Feld und insgesamt etwa 80 Tiere an einem einzigen Morgen, die dem Team vor die Linse hoppelten.

2018 war ein Hasenjahr

Während die Landwirtschaft unter der Dürre gelitten hat, war die Trockenheit im vergangen Jahr für die Hasen gerade richtig. Das schöne Frühjahr hat den Hasen gut getan, weil bereits der erste Wurf durchgekommen ist, sagt Gertrud Helm: "Der Killer für die Hasen ist, wenn es ein nass-kaltes Frühjahr ist. Da werden die kleinen Hasen unterkühlt und sterben ganz schnell. Im letzten Jahr war das ganz gut, schon das Frühjahr und dann der warme Sommer, der war ideal für die Hasen."

Beim Bund Naturschutz sieht man Anlass zu vorsichtiger Hoffnung für die Hasen und lobt die Zählaktion der Jäger. So könnten vom Volksbegehren für mehr Artenvielfalt nicht nur die Bienen, sondern auch die Feldhasen profitieren, sagt Martin Hänsel vom Bund Naturschutz.

"Den Hasen fehlt bei uns, was ihren Lebensraum ausmacht: eine strukturierte reichhaltige Landschaft, mit Hecken, mit Feldgehölzen, die einen Verbund über unsere Felder herstellen. Gleichzeitig brauchen die Hasen ein Gebüsch, in dem sie sich verstecken können und vielfältige Blühflächen, denn dort wachsen Kräuter und Sträucher, die sie brauchen." Martin Hänsel, Bund Naturschutz

Besondere Verantwortung liegt bei Hundebesitzern

Weil Hasen so empfindlich sind, brauchen sie abwechslungsreiches Futter, damit sie gesund bleiben und damit die kleinen Häschen durchkommen, sagt Gertrud Helm. Denn gerade die kleinen Hasen brauchen eine fette und inhaltsreiche Muttermilch. Wenn eine Häsin beispielsweise nur Weizenkeime fressen kann, bedeutet das Mangelernährung für die kleinen Häschen, die dann nur langsam wachsen und so deutlich länger Fressfeinden ausgesetzt bleiben.

Es braucht also viele Maßnahmen, wenn es wirklich wieder deutlich mehr Hasen geben soll und Rücksichtnahme. Das wird deutlich in Regionen, wo es ganz wenige Hasen gibt, zum Beispiel in Ballungsräumen wie in München und dem Umland. Erholungssuchende würden hier mit ihren Hunden ins Umland drücken, so dass die Hasen oft nicht mehr zur Ruhe kommen, berichtet Martin Hänsel.

So gelte das Sprichwort: "Viele Hunde sind des Hasen Tod". Wo die Hasen permanent aufgescheucht werden und gleichzeitig schlechte Lebensräume haben, so dass sie sich nicht nicht verstecken können, da verschwinden sie einfach.

Feldhasen stehen auf der Roten Liste

Momentan gibt es zwar etwas mehr Hasen, aber längst nicht überall in Bayern - und von der Roten Liste sind die Feldhasen ebenfalls noch lange nicht verschwunden. Darum ist Gertrud Helm vom Jagdverband skeptisch und sieht auch im Volksbegehren kein Allheilmittel für gesunde und wachsende Hasenbestände. Denn längst nicht alle Maßnahmen des Ökolandbaus sind wirklich hasenfreundlich:

"Der Ökofeldbauer darf keinen Pflanzenschutz einsetzen, also fährt er mit dem Striegel drüber: Aus den Eiern von Rebhuhn und Fasan wird Rührei und die kleinen Hasen werden tot gestriegelt. Man muss also nicht nur pauschal Forderungen stellen, sondern überlegen, was hilft den Tieren wirklich? " Gertrud Helm

Freiwillige Hasen-Zähler in Schwaben und der Oberpfalz gesucht

Es kommt also vor allem auf die Bewirtschaftung und auf einen Umbau der Landschaft an, damit es Hasen, Schmetterlingen, vielen Vögeln, Insekten und Niederwild langfristig besser geht. Da sind sich Jagdverband und Bund Naturschutz einig.

Die Hasenzählung ist übrigens eine freiwillige Sache. So kommt es, dass die Hasenkarte für Bayern in vielen Regionen noch weiße Flecken aufweist. In der Oberpfalz, in Schwaben und am Alpenrand werden Zähler gesucht, die müssen nicht unbedingt Jäger sein. Informationen dazu gibt es beim Bayerischen Jagdverband.