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Ohne konstante Versorgung mit Erdgas ist eine Produktion in einer Ziegelei oder Glashütte nicht denkbar.

Bildrechte: BR/ Christian Riedl
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"Surreale Situation" - Unternehmer über Gas- und Rohstoffpreise

Die Preise an der Tankstelle sind förmlich explodiert - die Abhängigkeit von Gasimporten aus Russland sorgt für Unruhe. Vor allem bei Unternehmen, die sehr viel Gas brauchen. Der Inhaber einer Ziegelei im niederbayerischen Schwarzach ist entsetzt.

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Christian RiedlChristian RiedlBR24  RedaktionBR24 Redaktion
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Volle Auftragsbücher, tiefe Sorgenfalten. So lässt sich die Situation vieler Unternehmer in Niederbayern beschreiben. Vor allem die Preisexplosion bei Gas- und Strom macht jede Planung schwer. Dazu kommt: Ohne konstante Versorgung mit Erdgas ist eine Produktion in einer Ziegelei oder Glashütte nicht denkbar.

Ohne Gaslieferung keine Produktion

In der Ziegelei Venus in Schwarzach im Landkreis Straubing-Bogen laufen die Bänder und Roboter pausenlos. Das Lager ist so gut wie leer, die Nachfrage nach Tonziegeln aufgrund der boomenden Braubranche riesig. In den Brennöfen der Ziegelei herrschen Temperaturen von rund 1.000 Grad. Geheizt wird mit Erdgas. Das kauft Firmenchef Max Venus über Händler an der Börse. Noch hat er mit ausreichender Menge zu einigermaßen akzeptablen Preise vorgesorgt.

Aber: Aktuell haben die Gaspreise um mehr als 1.000 Prozent zugelegt. Wo Max Venus bisher mit rund 500.000 Euro Kosten pro Jahr kalkuliert hat, müsste er aktuell mit fünf Millionen kalkulieren. Undenkbar für den Unternehmer. Dazu kommt die die Verunsicherung, ob nicht doch noch ein Gas-Embargo droht. "Dann ist Schluss! Das würde für meine rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Idealfall Kurzarbeit bedeuten und für das Unternehmen eine ungewisse Zukunft. Eine ruhige Minute hat man eigentlich nicht mehr, alles ist zurzeit völlig unberechenbar."

Keine Alternative zu Erdgas

Im Herbst plant Max Venus eine große Feier. Das Unternehmen feiert sein 200. Jubiläum. Ob seine Vorgänger im Familienunternehmen ähnliche Sorgen hatten? Nicht nur der Energiemarkt scheint derzeit komplett aus den Fugen geraten zu sein. Auch andere Rohstoffe sind entweder extrem teuer geworden oder kaum zu bekommen. Und Alternativen zum Erdgas gibt es zumindest derzeit nicht: "Heizöl wäre theoretisch denkbar. Praktisch aber aufgrund unserer Ofenausrüstung nicht machbar und mit Blick auf die Preise auch nicht sinnvoll."

Mitarbeiter sorgen sich

Auch die Zwiesel Kristallglas AG zählt zu den sogenannten energieintensiven Unternehmen. In den Schmelzwannen herrschen rund 1.400 Grad, befeuert werden die Glasöfen mit Erdgas. Die Produktion sowohl in der Fließbandfertigung als auch in der Manufaktur ist komplett ausgelastet. Trotzdem: "Die Unsicherheit ist überall zu spüren. Das ist aktuell nicht einfach für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter", gibt Andreas Fath zu bedenken. Er leitet den Bereich Rohstoffeinkauf in dem Unternehmen.

Insgesamt haben die Preise auf dem Markt im Vergleich zum Vorjahr um rund 500 Prozent angezogen, erklärt Fath: "Wir mussten unsere Preise schon anheben. Und wenn's so weitergeht, werden wir wohl um eine weitere Erhöhung nicht 'rumkommen", sagt er. Unendlich könne aber die Preisspirale nicht gedreht werden. Schließlich handelt es sich bei Glas um einen Luxusartikel, die Kunden werden wohl nicht jeden Preis dafür bezahlen.

Volle Auftragsbücher, trotzdem Zukunftssorgen

Volle Auftragsbücher und gleichzeitig die Gefahr, dass die Produktion Unternehmen in die Zahlungsunfähigkeit treibt. Denn wenn die Rohstoffpreise weiter so hoch bleiben und die Herstellungskosten nicht mehr auf die Verkaufspreise umgelegt werden können, droht, dass die Produktion eingestellt werden müsste. "Alles was man bisher planen konnte, ist weggefallen", klagt Ziegelhersteller Max Venus. So musste er in den vergangenen Wochen die Lagerbestände erheblich aufbauen. Weil er nicht weiß, wann er welche Rohstoffe zu welchem Preis wiederbekommt. Das bindet Kapital, und es entsteht ein "Hamster-Effekt" - dadurch geraten schließlich die Rohstoffmärkte weiter unter Druck: "Letztlich sind alle Sicherheiten, die wir bisher immer hatten, weg", sagt Max Venus. Er hofft jetzt, dass sich die Situation auf den Märkten rasch beruhigt. Schließlich sind die Auftragsbücher voll.

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