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Schwere Vorwürfe: Niemand hilft nach tödlichem Unfall auf A9 | BR24

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Nach einem schweren Verkehrsunfall sind in der Nacht zu Donnerstag auf der A9 bei Naila zwei Menschen gestorben. Ein Journalist leistete Erste Hilfe und erhebt schwere Vorwürfe gegen weitere Verkehrsteilnehmer.

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  • Artikel mit Video-Inhalten

Schwere Vorwürfe: Niemand hilft nach tödlichem Unfall auf A9

Rund 40 Menschen sollen auf der A9 bei Naila an einem schweren Unfall vorbeigefahren sein, ohne zu helfen. Mindestens ein Verletzter kämpfte da noch um sein Leben. Am Morgen danach erhebt ein Ersthelfer schwere Vorwürfe. Die Polizei ermittelt.

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Nach einem schweren Verkehrsunfall sind in der Nacht zu Donnerstag auf der A9 bei Naila zwei Menschen gestorben. Ein Journalist, der zufällig an der Unfallstelle vorbeigekommen war, leistete Erste Hilfe und erhebt nun schwere Vorwürfe gegen weitere Verkehrsteilnehmer.

Video zeigt: Viele Autos sind auf dem Weg zum Unfallort

Auf Videoaufzeichnungen, die der Mann mit Hilfe einer sogenannten Dashcam unter der Fahrt gemacht hatte, ist zu sehen, wie mehrere Fahrzeuge an dem verunglückten Auto vorbeikommen. Das Video zeigt weiter, wie der Mann das auf der Gegenfahrbahn in der Mittelleitplanke liegende Fahrzeug erkennt und später bei der Unfallstelle ankommt. Das Video liegt dem BR in Ausschnitten vor.

Er sei bei der nächsten Autobahnausfahrt abgefahren und den Verunglückten zur Hilfe geeilt. Das sagt der Mann, der für die Nachrichtenagentur News5 arbeitet, in einem weiteren Video, das er am Morgen nach dem Unfall ins Internet stellte. Insgesamt habe er bis zur Unfallstelle rund vier Kilometer zurücklegen müssen und sei dennoch der erste Helfer vor Ort gewesen.

40 Fahrzeuge sollen an den Schwerverletzten vorbeigefahren sein

Rund 40 Fahrzeuge habe er später auf seinen Videoaufzeichnungen gezählt, die bis zu seinem Eintreffen an der Unfallstelle vorbeigefahren seien, ohne anzuhalten. Tatsächlich zeigt das Video mehrere Fahrzeuge, die in Richtung des verunglückten Autos unterwegs sind. Auf den Bildern ist auch zu erkennen, wie der Wagen des Journalisten an der Unfallstelle zum Stehen kommt. Weitere Fahrzeuge sind dort zu dem Zeitpunkt nicht zu erkennen. In dem zweiten Video beschreibt der Mann am Morgen danach, wie er den Notruf absetzte und dem zu diesem Zeitpunkt noch lebenden, aber schwer verletzten Beifahrer des Autos bis zum Eintreffen der Feuerwehr den Kopf hielt. Erst nach seinem Eintreffen hätten weitere Verkehrsteilnehmer gehalten und geholfen.

Unterlassene Hilfeleistung: Polizei will Videomaterial sichten

Die Polizei sagte auf Nachfrage des BR, bei der Leitstelle seien wegen des Unfalls einige Notrufe eingegangen. Ob der Journalist tatsächlich der erste Helfer vor Ort war, müsste noch geklärt werden. Das Videomaterial liege der Polizei jetzt aber vor. Sie wolle prüfen, ob sich ein Fahrer der unterlassenen Hilfeleistung schuldig gemacht habe. Anne Höfer, Sprecherin des Polizeipräsidiums Oberfranken, sagte auf BR-Nachfrage, dass immer wieder festzustellen sei, dass Menschen nicht bereit seien, anderen in einem Notfall zu helfen. Im Falle einer unterlassenen Hilfeleistung müsse geklärt werden, welches Eingreifen dem Helfer zuzumuten gewesen wäre. Das Absetzen eines Notrufs sei aber Pflicht.

Auto kollidiert mit Lastwagen und kracht in Leitplanke

Das verunglückte Fahrzeug war in der Nacht auf Donnerstag zwischen den Anschlussstellen Naila und Berg (Lkr. Hof) in die Mittelleitplanke gekracht, nachdem es auf regennasser Fahrbahn leicht mit dem Heck eines Lastwagens kollidiert war. Der 27 Jahre alte Fahrer und sein 22 Jahre alter Beifahrer wurden in dem Auto eingeklemmt. Der Fahrer starb noch an der Unfallstelle, der Beifahrer erlag später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.