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Bildrechte: BR/Frank Breitenstein

Was passiert mit kaputten Akkus von E-Autos? Für einen Lösungsansatz arbeitet der Autobauer VW mit der Firma URT aus Karlstadt (Lkr. Main-Spessart) zusammen.

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Unterfränkisches Unternehmen hilft VW beim Batterierecycling

Wer sich ein Elektroauto kauft, denkt erstmal nicht daran, es wieder zu verschrotten – die Autobauer schon. In Salzgitter stellt VW künftig nicht nur Auto-Batterien her, sondern recycelt sie auch dort. Die Pilotanlage dazu stammt aus Karlstadt.

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Von
  • Frank Breitenstein

VW muss Vertrauen zurück zu gewinnen, welches in der Dieselaffäre verloren gegangen ist. Deshalb hat sich der Weltkonzern entschlossen, das Batterierecycling nicht an Dritte zu vergeben, sondern selbst in die Hand zu nehmen. Die Pilotanlage dafür in Salzgitter soll ein erster Schritt in diese Richtung sein.

Recycling-Unternehmen aus Karlstadt

Gebaut wurde die Recycling-Anlage im Landkreis Main-Spessart. Das mittelständische Unternehmen Umwelt- und Recyclingtechnik GmbH (URT) produziert in Karlstadt seit rund 30 Jahren Schredder-Maschinen. Bei Anlagen zum Verschrotten von Kühlgeräten ist der Mittelständler, der 50 Leute beschäftigt, Marktführer. Mit der Zeit entwickelten sich immer kompliziertere High-Tech-Verfahren für die das Verschrotten.

Weil beim Zerkleinern von Geräten Schadstoffe freigesetzt werden, muss das Ganze hermetisch, also luftdicht verschlossen vonstattengehen. Man spricht von einem "inerten" Verfahren. Inert bedeutet "untätig, träge". In diesem Zustand müssen die austretenden Stoffe bleiben, damit keine chemischen Reaktionen erfolgen.

Batterien zerstören, um zu gewinnen

Auch beim Batterierecycling werden die Module zunächst geschreddert. Sie sind so groß wie Schuhkartons, wiegen aber mehr als zehn Kilo und sind äußerlich aus Aluminium. Rotierende Scherwellen zerschneiden die massiven Blöcke wie Butter. Dabei treten jedoch giftige Dämpfe aus, die abgesaugt und entsorgt werden müssen. Zudem darf nur wenig Sauerstoff in das geschlossene System gelangen, um die Brandgefahr zu minimieren. Bei der Analyse dieser Emissionen unterstützt das Unternehmen aktuell die niedersächsische Uni Clausthal-Zellerfeld, die in der Werkshalle einen Messstand aufgebaut hat.

In der Versuchsanlage in Karlstadt hört man nur ein gedämpftes Krächzen, während am anderen Ende ein schwarzes Granulat herausfällt: So sieht dann eine gehäckselte Autobatterie aus. Doch das ist erst der Anfang. Die eigentliche Rückgewinnung der wertvollen Rohstoffe beginnt erst. Als nächstes destilliert die Anlage im Vakuumkessel die Elektrolytflüssigkeit aus dem Granulat heraus. Verschiedene Sortiervorgänge schließen sich an, die zum Beispiel Alu, Kupfer und Kunststoff heraussieben.

"Schwarze Masse" enthält wesentliche Inhaltsstoffe

Am Ende bleibt eine "Schwarze Masse" übrig. In ihr stecken die wesentlichen Inhaltstoffe wie Nickel, Mangan und Kobalt. Ohne sie funktioniert – bis jetzt jedenfalls – keine Autobatterie. Aber die Ressourcen sind weltweit knapp. Außerdem werden sie teilweise unter Einsatz von Kinderarbeit gewonnen und hinterlassen beim Abbau Umweltschäden. Das macht die Wiederverwertung so wichtig, nicht zuletzt ist sie auch billiger.

Wiederverwertung von Akkus aus Handys oder E-Bikes?

URT in Karlstadt arbeitet auch an neuen Konzepten für weitere Auftraggeber. Aktuell geht es um die Wiederverwertung von kleineren Akkus wie denen von Handys, Heimwerkergeräten oder E-Bikes. Sie alle haben unterschiedliche Inhaltsstoffe und brauchen individuelle Konzepte für Materialtrennung und Einhaltung der Grenzwerte bei der Schadstoff-Emission. Da ist auf lange Sicht noch einiges zu tun für das Unternehmen aus Karlstadt, das nach eigener Aussage weltweit mit höchstens zwei ernstzunehmenden Konkurrenzfirmen rechnet.

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