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Unterfränkische Landwirte unter "Wasserstress" | BR24

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Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) hat eine neue Wasserstrategie für Bayern vorgestellt. Doch was bedeutet dieses neue Programm für das trockene Unterfranken?

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Unterfränkische Landwirte unter "Wasserstress"

"Wasserzukunft Bayern 2050" – so heißt die neue Wasserstrategie für den Freistaat, die Umweltminister Glauber vorgestellt hat. Im Fokus sollen die fränkischen Regionen stehen, in denen vor allem Landwirte und Winzer mit Trockenheit zu kämpfen haben.

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Von
  • Alisa Wienand

Die Ernte des Chinakohls in Prichsenstadt im Landkreis Kitzingen ist in vollem Gange. Doch in diesem Jahr können die Erntehelfer nicht alle Kohlköpfe ernten. Landwirt Roland Zieracker bückt sich und begutachtet seine Pflanzen. Während der eine Kohl einen prallen Kopf gebildet hat, ist bei einem anderen direkt daneben überhaupt keiner zu erkennen. "Der ist nicht reif, der kann nicht geerntet werden", sagt er. Knapp 20 Prozent der Kohlköpfe bleibt auf dem Acker liegen. Schuld an der unterschiedlichen Entwicklung des Chinakohls ist die Trockenheit.

Drei Gießkannen pro Quadratmeter im Jahr

Die beiden Landwirte Roland Zieracker und Florian Wolf, die den Spargel- und Beerenhof in Prichsenstadt betreiben, müssen ihre Pflanzen schon seit Jahren sparsam bewässern. Das Wasser, das ihnen zur Verfügung steht, ist knapp. Bewässern können die beiden Landwirte ihre Felder nur mit Grundwasser. Das entnehmen sie ihren sechs Brunnen, die zehn bis 20 Meter in die Tiefe reichen. Maximal 40.000 Kubikmeter dürfen das im Jahr sein – für 130 Hektar Ackerfläche.

"Das sind drei 10-Liter-Gießkannen pro Quadratmeter im Jahr", sagt Zieracker. Eigentlich bräuchten sie mehr als doppelt so viel, um Erdbeeren, Spargel, Chinakohl und Süßkartoffeln ausreichend zu bewässern. Was am meisten unter dem knappen Wasser leidet, ist der Spargel. Für ihn ist in den letzten Jahren überhaupt kein Wasser übriggeblieben.

"Unsere Böden sind trocken wie Knäckebrot"

Dass die unterfränkischen Landwirte mit Wassermangel kämpfen, ist nicht neu. "Wir sehen, dass unsere Landwirte enorm unter Wasserstress stehen", sagte der Bayerische Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler). In einer Regierungserklärung hat er vergangene Woche sein Programm "Wasserzukunft Bayern 2050" vorgestellt. Darin geht es um Konzepte zur Speicherung, zur Verteilung und zum Schutz des Wassers. Laut Umweltministerium soll die Strategie die Trink- und Brauchwasserversorgung, die Landwirtschaft, die Städte sowie die Landschaften, Wälder und Gewässer in den Blick nehmen. Eine Milliarde Euro soll in das Programm fließen.

Fränkische Regionen sollen im Fokus stehen

"Jedes Jahr gibt es ein Fünftel weniger Grundwasserbildung. Unsere Böden sind trocken wie Knäckebrot!", sagte Glauber und kündigte an: "Wir müssen in der Landwirtschaft und bei Baumaßnahmen dafür sorgen, dass Wasser im Boden bleibt." Glauber sprach von einer trockenheitsangepassten Landwirtschaft, bei der die Bewässerung die Ausnahme bleiben müsse. In Pilotprojekten sollen deshalb intelligente Bewässerungskonzepte erprobt werden, die der Landwirtschaft weiterhelfen – inklusive neuer Technik und Infrastruktur. Laut Umweltministerium sollen die trockenen fränkischen Regionen bei der Wasserstrategie im Fokus stehen. Denn in Franken sei der Trockenheitsstatus "derselbe wie in Italien und Spanien".

Opposition kritisiert Wasserstrategie

Laut Glauber sei die Strategie "Wasserzukunft Bayern 2050" ein Generationenprojekt. Ein Programm, das auf 30 Jahre angelegt ist. Kritik dazu kommt aus der Opposition. Einige Stimmen werfen dem Umweltminister vor, dass konkrete Maßnahmen fehlen würden. Auch dem Würzburger Landtagsabgeordneten Volkmar Halbleib (SPD) reicht das Programm nicht aus: "Ich befürchte, dass viele Projekte sehr langsam anlaufen. Die Zeit drängt und wir müssen jetzt unmittelbar Konzepte umsetzen. In der Region Mainfranken brauchen wir dringend konkrete Maßnahmen." Auch auf Nachfrage des Bayerischen Rundfunks hat das Umweltministerium nur ein allgemeines Statement gegeben.

Unterfränkische Landwirte planen Sammelbecken für Regenwasser

Dabei bräuchten Landwirte wie Roland Zieracker und Florian Wolf aus Prichsenstadt schnelle und konkrete Maßnahmen. Deshalb nehmen sie ihr Wasserproblem nun selbst in die Hand und planen ein großes Becken, in dem sie das wenige Regenwasser, das im Landkreis Kitzingen fällt, sammeln können. Um das Wasser aus dem Becken auf das Ackerland zu verteilen, müssen sie eine komplett neue Infrastruktur erschließen. Die Umsetzung ist teuer, der bürokratische Aufwand hoch. Was sie sich von der neuen Wasserstrategie des Umweltministers erhoffen: Dass solche Vorhaben, die das Grundwasser entlasten würden, bald einfacher umzusetzen sind.

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