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Bildrechte: BR/ Frank Breitenstein

Trotz Corona-Pandemie ist die Spendenbereitschaft in der Bevölkerung bislang weitgehend ungebrochen. Zwar wollen 2020 fast ein Viertel der Deutschen laut einer Umfrage weniger spenden. Doch in Unterfranken sieht die Realität derzeit anders aus.

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Unterfränkische Hilfswerke mit Spenden zufrieden

Trotz Corona-Pandemie ist die Spendenbereitschaft in der Bevölkerung bislang weitgehend ungebrochen. Zwar wollen laut einer Umfrage 2020 fast ein Viertel der Deutschen weniger spenden. Doch in Unterfranken sieht die Realität weitgehend anders aus.

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Von
  • Frank Breitenstein

Gerade vor Weihnachten erhöht sich die Spendenbereitschaft der Deutschen. Allein bei der BR-Benefizaktion Sternstunden 2019 wurden Spenden in Höhe von über acht Millionen Euro gesammelt. Aber wie sieht es in diesem von der Corona-Pandemie geprägten Jahr aus? Laut einer aktuellen Umfrage im Auftrag der gemeinnützigen Phineo AG will fast ein Viertel der Deutschen in diesem Jahr weniger an soziale und gemeinnützige Organisationen spenden. In Unterfranken allerdings sind die Hilfsorganisationen bislang zufrieden.

Mehr Aufgaben durch Corona

Die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) etwa konnte in diesem Jahr mit Spenden in Höhe von mehr als elf Millionen Euro Gutes tun. Der Tätigkeitsbereich des international agierenden medizinischen Hilfswerks mit Sitz in Würzburg hat sich laut Geschäftsführer Burkard Kömm durch Corona deutlich erweitert.

Seit Beginn der Pandemie kamen die Mitarbeiter aufgrund ihrer vielfältigen Kontakte weltweit auch bei der Versorgung mit Schutzausrüstung zum Einsatz. Mittlerweile leiste das DAHW aber auch elementare Nothilfe zum Überleben, so Kömm. Denn viele Menschen in den armen Ländern des Südens verdingten sich als Tagelöhner, deren Arbeit wegen der Ausgangssperren oft unmöglich geworden ist. Die Menschen bräuchten nun schlicht etwas zu essen.

Weniger Spender, höhere Einzelspenden

Ebenfalls erfreut zeigt sich der Würzburger Diözesan-Caritasverband. Hier sei das Spendenaufkommen über die Jahre zwar leicht zurückgegangen. Auch die Anzahl der Spendenden sei rückläufig. Dafür stiegen jedoch die Spendensummen deutlich an, sagt Sebastian Schoknecht, Sprecher der Würzburger Caritas. Von einem Einfluss der Pandemie merke man wenig. Eine abschließende Bilanz könne man aber erst im Januar ziehen, da die Advents- und Weihnachtszeit traditionell ein hohes Spendenaufkommen mit sich bringe. Auch die Missionsbenediktiner in Münsterschwarzach stellen einen Trend zu höheren Einzelspenden fest. Besonders Corona-Projekte in den armen Ländern des Südens riefen viel Solidarität hervor.

Keine Einschränkungen bei der Würzburger Tafel

Aufatmen können auch die ehrenamtlichen Helfer der Würzburger Tafel. Ihr Engagement findet auch in Corona-Zeiten uneingeschränkte Unterstützung. Und zwar sowohl was die Lebensmittelspenden der Supermarktketten angeht als auch hinsichtlich der Geldzuwendungen. Corona habe daran zum Glück nichts geändert, sagt Vereinsvorsitzender Andreas Mensing.

Man sei froh über die zuverlässigen und regelmäßigen Spenden, die etwa für Anschaffung und Unterhalt der Tafel-Transporter nötig seien. Erfreulich sei auch die tatkräftige Hilfe der Ehrenamtlichen, die zum Großteil der Risikogruppe angehören. Nach anfänglicher Verunsicherung arbeiten sie nun mit Maske und Abstand.

Nicht alle Organisationen trotzen Corona

Es gibt allerdings auch "Corona-Verlierer". Das sind nach einer Studie des Deutschen Zentral-Instituts für soziale Fragen (DZI) vor allem kleinere Hilfsvereine mit einem Spendenaufkommen unter einer Million Euro im Jahr. Bei über einem Drittel dieser Einrichtungen waren die Spenden demnach in den ersten acht Monaten des Jahres rückläufig.

Spendenrückgang beim Würzburger Tierheim

So muss etwa das Würzburger Tierheim mit einem Spendenrückgang von 40 Prozent zurechtkommen, bedauert Tierpfleger Maxim Lochim. Das sei ganz klar auf die Pandemie zurückzuführen. Denn viele Spenden sammelt der Tierschutzverein als Träger des Tierheims am Tag der offenen Tür. Der musste genauso ausfallen wie viele Sommerfeste, die ihren Erlös spenden würden. Das Geld benötigt der Verein dringend, um derzeit etwa 200 Tiere zu ernähren und tierärztlich zu versorgen. Nun hofft der Verein auf seinen traditionellen Christbaumverkauf am 3. Adventswochenende.

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