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Unterfränkische Dorfläden boomen in Zeiten von Corona | BR24

© BR/ Frank Breitenstein

Dorfläden schießen mittlerweile wie Pilze aus dem Boden, denn im ländlichen Raum wollen sich viele nicht damit abfinden, dass immer mehr Infrastruktur abwandert. Auch in Unterfranken boomen Dorfläden, gerade in Zeiten der Corona-Pandemie.

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Unterfränkische Dorfläden boomen in Zeiten von Corona

Dorfläden schießen mittlerweile wie Pilze aus dem Boden, denn im ländlichen Raum wollen sich viele nicht damit abfinden, dass immer mehr Infrastruktur abwandert. Auch in Unterfranken boomen Dorfläden, gerade in Zeiten der Corona-Pandemie.

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Hamsterkäufe? Aber doch nicht im Dorfladen! Hier kennt schließlich jeder jeden – und genau deshalb nehmen die Leute hier auch mehr Rücksicht aufeinander als im anonymen Discounter. Dichtes Gedränge und Schlangen vor den Kassen lassen sich hier vermeiden und man bekommt trotzdem alles Notwendige. Jetzt in Zeiten von Corona wissen viele erst richtig zu schätzen, was sie an den Dorfläden haben.

Ein RienEck für Rieneck

Das RienEck, ein kleiner aber feiner Vollsortimenter des gleichnamigen Städtchens unweit von Gemünden, ist so ein Beispiel. Bis März 2019 gab es hier noch den traditionellen Edeka. Jahrzehntelang als Familienbetrieb geführt, gaben die Inhaber altersbedingt schweren Herzens auf.

Dass es weiter ging, verdanken die 2000 Einwohner von Rieneck engagierten Mitbürgern, die den Laden vor zwei Jahren ehrenamtlich auf neue Füße stellten. 400 private Anteilseigner und fünf ehrenamtliche Geschäftsführer leiteten damals in die Wege, was sich aktuell während der Pandemie besonders bewährt. Denn das Rien-Eck ist gerade jetzt bei der Kundschaft äußerst beliebt.

Kunden schätzen vertraute Atmosphäre

Seit dem ersten Lockdown gehen die Geschäfte im Lädchen noch besser. Keine weiten Wege, keine riskanten Begegnungen. Das gibt Sicherheit, sagt Kunde Josef Walter. Er komme regelmäßig hier her zum Einkaufen. Er und seine Frau führen zwar auch schon mal zum Discounter in Gemünden. Aber der kleine Laden vor Ort sei ihm schon wichtig. Im Städtchen gebe es auch kaum Corona-Infizierte. Und die Rienecker hielten sich diszipliniert an Maskenpflicht und Abstand.

Dorfladen Rieneck mit deutlich mehr Umsatz

Solche Überlegungen tragen zum aktuellen Boom der kleinen Lädchen bei, lassen in unsicheren Zeiten auch bei Tante Emmas Erben die Kassen klingeln. Das Rien-Eck rechnet heuer mit rund einer Million Euro Brutto-Umsatz, schwärmt Gerhard Nickel von der ehrenamtlichen Geschäftsführung. Das sei zwischen 30 und 50 Prozent mehr als der Laden vor der Übernahme aufwies. Und damit eine solide Geschäftsgrundlage. Zwar müsse der Laden keinen Gewinn erwirtschaften. Aber die Gehälter der acht Mitarbeiterinnen sollte er schon decken. Und das tut er auch.

Dorfladen in Burgpreppach seit 2017

Allerdings müssen die Dorfläden auch was bieten. Denn die Konkurrenz schläft nicht. Das weiß man auch im beschaulichen Burgpreppach. Seit 2017 hat das Hassberge-Dorf sein Lädla. Und nie war es so wertvoll wie heute. Denn hier findet man alles für den täglichen Bedarf, auch ohne Auto, sagt Initiatorin Stefanie von Hugo. Ihre Familie erwarb das ehemals leerstehende Haus, renovierte es und brachte den Dorfladen auf den Weg. Sechs Angestellte organisieren den Verkauf, unterstützt von ehrenamtlichen Helfern des Heimat- und Kulturvereins.

Lieferservice in Zeiten der Pandemie

Auch in Burgpreppach wissen die Leute die Errungenschaft gerade in der aktuellen Pandemie-Zeit zu schätzen. Denn so ein Dorfladen ist eben nicht nur ein Geschäft, sondern auch ein sozialer Treffpunkt. Und wenn sich ältere oder kranke Mitbürger gerade nicht ins Lädla trauen, dann kommt das Lädla eben zu ihnen. Für den kostenlosen Lieferservice finden sich immer genügend Freiwillige im Dorf.

"Lass die Kohle im Dorf" auch nach Corona?

Ladenleiterin Sabine Appold-Barth glaubt, dass die Stärke des kleinen Lebensmittelladens nicht zuletzt in der Zusammenstellung des Sortiments besteht. Denn neben Alltäglichem bietet sie auch frische Produkte aus der Region und Bioware an. Schön wär’s natürlich, sagt die Ladenleiterin, wenn die Kundschaft sich auch nach Corona weiterhin zu Herzen nähme, was in grünen Lettern auf den im Lädla erhältlichen Stofftaschen zu lesen steht: lass die Kohle im Dorf!

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