BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Unsichtbare Gefahr in der Raumluft | BR24

© pa/dpa
Bildrechte: pa/dpa

Warnschild "Radioaktiv" (Symbolbild)

Per Mail sharen

    Unsichtbare Gefahr in der Raumluft

    Das radioaktive Edelgas Radon tritt in bestimmten Gebieten Bayerns in höheren Konzentrationen auf. Auch in Wohnhäusern und Büros. Das kann problematisch sein, weil Radon das Risiko für Lungenkrebs erhöht. Von Rudolf Erhard

    Per Mail sharen

    Es riecht nichts, es schlägt kein Geigerzähler an, und alles steht erst einmal auf null, als der Radonexperte Maximilian Bergmann mit seinem Messgerät das Haus der Derendorfs im niederbayerischen Hetzendorf bei Eggenfelden betritt. Sein erster Weg führt ihn in den Keller, denn das ist Hauptbereich, wo das radioaktive Gas auffällige Messergebnisse zeigen könnte. Radon dringt meist durch undichte Stellen im Keller aus dem Boden ins Haus.

    Mehr als 200 Becquerel?

    Sollten vor allem im Keller die Werte deutlich über 200 Becquerel pro Kubikmeter Raumluft ansteigen, empfiehlt Bergmann eine Radonabsaugung unter dem Kellerboden.

    Das kostet je nach Größe des Hauses und Zahl der undichten Stellen zwischen 1.000 und 2.000 Euro. Doch vorher muss sich der Radonexperte erst einmal Klarheit verschaffen. Die erste Grundanalyse kostet zwischen 150 und 200 Euro, weitergehende Langzeitmessungen rund das Doppelte.

    Stichwort "Radon"

    Es ist unsichtbar, geruchslos und riecht nicht: Radon, das natürlich vorkommende Edelgas. Radon entsteht im Boden durch radioaktiven Zerfall von natürlich vorkommendem Uran. Aus den Zerfallsprodukten von Radon wiederum bilden sich radioaktive Alphastrahlen, die bei hohen Konzentrationen in Innenräumen - vor allem bei Rauchern - Lungenkrebs befördern können.

    In Bayern tritt Radon in unterschiedlich hohen Konzentrationen besonders über Granitgestein auf. Vor allem im Fichtelgebirge und dem Bayerischen Wald, aber auch im Südosten Oberbayerns und in den Grenzregionen zu Österreich. Gewissheit über radonbelastete Wohnräume in gefährdeten Gebieten bringt aber nur eine Messung.

    Radon wird von Quellwasser aufgenommen und kann als Trinkkur oder im Rahmen einer Bäderkur verabreicht werden. Es soll zum Beispiel bei Asthma, Schuppenflechte, Wirbelsäulen- und Gelenkserkrankungen helfen. In Bayern ist Bad Steben in Oberfranken das bekannteste Heilbad mit natürlichem Radonvorkommen.

    LfU-Präsident: "Es kommt auf die Gebäude an"

    Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) in Augsburg steckt zurzeit mitten in den Vorarbeiten für ein sogenanntes Informationspaket zu Radon. Damit sollen Bürger, Fachleute, Baufirmen und Kommunen in Bayern jeweils speziell auf die im Februar 2018 in Kraft tretende neue nationale Richtlinie zum Schutz vor radioaktiven Radonstoffen vorbereitet werden.

    "Radon kommt überall vor. Deswegen ist Radon aber nicht überall ein Problem in den Häusern, sondern es kommt auf die Gebäude an, wie die gebaut sind, in welchem Zustand die sind. Deswegen müssen die Menschen informiert werden, damit sie selber nachschauen können, ob bei ihnen etwas zu tun ist." Claus Kumutat, Präsident des Landesamtes für Umwelt

    Regelmäßig lüften

    Der ab 2018 vorgeschriebene nationale Radongrenzwert werde aber keine flächendeckenden Messungen in Bayern oder einen verpflichtenden Radonpass für Gebäude nach sich ziehen, so Umweltamtspräsident Kumutat. Jeder Besitzer oder Verantwortliche eines Privat- oder Mietshauses müsse in seinem Gebäude die Radonwerte kontrollieren. Ein Radonpass, ähnlich den bestehenden Energieausweisen, nütze wenig, wenn nicht durch regelmäßiges kurzes Stoßlüften die wirksamste Gegenmaßnahme vor zu hoher Radonbelastung durchgeführt werde.