BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

Unser Land Extra: Landwirtschaft - Quo vadis? | BR24

© BR

Die Landwirtschaft muss sich verändern, wenn Umwelt, Tierschutz und Artenvielfalt gestärkt werden sollen. Doch die Bauern wollen nicht, dass dieser Wandel auf ihre Kosten geht. Beim Runden Tisch von "Unser Land" gab es heiße Diskussionen darum.

14
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Unser Land Extra: Landwirtschaft - Quo vadis?

Die Landwirtschaft muss sich verändern, wenn Umwelt, Tierschutz und Artenvielfalt gestärkt werden sollen. Doch die Bauern wollen nicht, dass dieser Wandel auf ihre Kosten geht. Beim Runden Tisch von "Unser Land" gab es heiße Diskussionen darum.

14
Per Mail sharen
Teilen

"Unser Land Extra" hat Politiker und Bauernvertreter an einen Tisch geholt, um darüber zu diskutieren, was sich in der Landwirtschaft verändern kann und welche Hilfen sie dabei von der Gesellschaft bekommen muss.

Kaniber: Reformen entschleunigen

Die Bauern müssen viele Herausforderungen schultern in diesen Zeiten, das sagte die Bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber zu Beginn der Diskussion im BR Fernsehen. Sie sprach die Bereiche Umwelt, Naturschutz und Tierwohl, aber auch den Klimaschutz an.

"Und das ist jetzt in Summe viel, was jetzt auf einmal auf unsere Bauern hereinprasselt: Das hält der stärkste Bauer nicht aus. Und deswegen braucht es eine Entschleunigung der Gesetzgebung, es kann nicht alles auf einmal passieren." Michaela Kaniber, Bayerische Landwirtschaftsministerin

Fischler: Es braucht einen großen Wurf

Dem widersprach der ehemalige EU-Agrarkommissar Franz Fischler. Seiner Meinung nach müsse man die Reformen nicht ent- sondern beschleunigen. Da müsse aber vor allen Dingen die Politik ihre Hausaufgaben machen und die habe einiges an Reformen verschlafen.

"Es ist nicht so sehr die Frage: Muss sich die Landwirtschaft ändern? Die Frage ist mehr: Wie muss sich die Politik und die Einstellung zur Landwirtschaft ändern, damit wieder Ruhe im Land herrscht. (…) Daher ist es höchste Zeit, dass man nicht nur an kleinen Schräubchen dreht, sondern es braucht einen großen Wurf." Franz Fischler, ehemaliger EU-Agrarkommissar

Höhere Mehrwertsteuer für besseres Tierwohl?

Politik ist immer auch eine Frage des Geldes. Einen Vorschlag, wie zum Beispiel das Tierwohl in der Landwirtschaft verbessert werden könnte, ist, die Mehrwertsteuer von derzeit 7 Prozent auf Fleisch- und Milchprodukte auf 19 Prozent zu erhöhen und damit die Lebensqualität der Tiere in der Landwirtschaft zu verbessern. Dem erteilte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber eine Absage: Zum einen dürfe die Mehrwertsteuer nicht zweckgebunden eingesetzt werden und zum anderen bestehe die Gefahr, dass die Preisspirale dann nach unten gehe, weil die Anbieter ihre Waren an den Kunden bringen wollen.

Heidl: Bauern könnten besseres Image haben

Dass viele Verbraucher auf die Landwirte nicht mehr so gut zu sprechen sind, liegt auch daran, dass die Menschen immer weniger Kontakt zur Landwirtschaft haben, sagte der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, Walter Heidl: Kaum jemand mehr habe einen Landwirt in der Verwandschaft. Er beklagt aber auch, dass die Bauern ständig neue und strengere Auflagen bekommen.

"Wir erleben, dass bei uns die Standards hochgeschraubt werden bei der Produktion und gleichzeitig - durch ein Mercosur-Freihandelsabkommen mit Südamerika - Produkte mit niedrigeren Standards bei uns in die Regale kommen. Und die machen dann ein Stück weit den Preis." Walter Heidl, Bauernverbandspräsident

Problem der intensiven Landwirtschaft

Auch Josef Schmid von der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft macht hier die Politik dafür verantwortlich. Schließlich habe die Politik die Landwirte dazu gedrängt und motiviert, die Produktion in ihren Betrieben zu intensivieren.

"Wenn dann aber die Nachteile erkennbar sind, dann kommt man mit Auflagen, anstatt dass man vorher schauen würde, dass die Landwirtschaft etwas weniger intensiv produzieren muss. Dann könnte man sich nämlich die meisten Auflagen sparen." Josef Schmid, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft

Wenn man zum Beispiel bei der Tierhaltung etwas zurückfahre, sei die Düngeverordnung zum größten hinfällig, so Schmid.

Dickow: Staatliche Förderung macht Lebensmittel erschwinglich

Sebastian Dickow von der Initiative "Land schafft Verbindung" ist dafür, dass die Bauern weiterhin einen Löwenanteil der staatlichen Zuschüsse pauschal nach der Größe ihrer Fläche bekommen. Die Forderung von Parteien und Verbänden, dass die Landwirtschaft für öffentliche Gelder auch öffentliche Leistungen erbringen müsse - also zum Beispiel Umweltschutz - konterte er damit, dass diese Förderung die Lebensmittel für den Verbraucher erschwinglich mache.

"Wir kriegen das Geld nicht aus Jux und Tollerei, sondern als Ausgleich, weil wir ja mit dem Weltmarkt und dem EU-Binnenmarkt konkurrieren müssen. Und wir haben hier die höchsten Standards. Da ist Sorge zu tragen, dass wir hier auch konkurrenzfähig sind." Sebastian Dickow, Initiative "Land schafft Verbindung"

Schneider: Förderung nicht mehr nur nach Fläche

Unser-Land-Redakteurin Christine Schneider (BR) ist der Überzeugung, dass es über kurz oder lang nicht mehr reicht, wenn Landwirte nur dafür Geld bekommen, dass sie auf ihren Flächen Lebensmittel produzieren.

"Ich bin sicher, der Tag wird kommen, wo diese Zahlungen pro Hektar nicht einfach an den Landwirt ausgegeben werden, sondern wo es daran gebunden sein wird, wie er den Acker bewirtschaftet, oder zum Beispiel auch, wie er seine Tiere hält." Christine Schneider, BR-Redakteurin von "Unser Land"
© BR24

Die Landwirte protestieren gegen die Vorschriften der Politik zu Pflanzenschutz und Dünger.