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Unpünktlich und unzuverlässig: Die größten Probleme der Bahn | BR24

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Mit der Bahnreform vor 25 Jahren sollte für die Fahrgäste vieles besser werden. Daraus wurde nichts. Der Verkehr auf der Schiene hat zwar kräftig zugelegt, genau das aber wird der Bahn jetzt zum Verhängnis.

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Unpünktlich und unzuverlässig: Die größten Probleme der Bahn

Mit der Bahnreform vor 25 Jahren sollte für die Fahrgäste vieles besser werden. Daraus wurde nichts. Der Verkehr auf der Schiene hat zwar gerade auch in Bayern kräftig zugelegt, genau das aber wird der Bahn jetzt zum Verhängnis.

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Unpünktlich, unzuverlässig, überschuldet: 25 Jahre nach der Bahnreform durchfährt der Bahnkonzern eine tiefe Krise. Und deshalb ist es kein Zufall, dass gerade jetzt die Politik mit aller Gewalt die Weichen neu stellen will:

"Die Pünktlichkeit muss besser werden, und die Qualität für den Kunden muss besser werden." Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, CSU

Allein im Januar lud der Bundesverkehrsminister die Spitze der Deutschen Bahn dreimal ins Ministerium zum Rapport. Doch die Probleme sind strukturell und werden sich so nicht lösen lassen.

Bahn-Problem 1: Die unvollendete Bahnreform

Blicken wir 25 Jahre zurück: Es war ein Meilenstein, der die Wiedervereinigung auch auf den Gleisen vollendete. Bundesbahn und Reichsbahn wurden zudem von einer riesigen Schuldenlast befreit. Den Neustart kommentierte der damalige Bahnchef Heinz Dürr so: "Wir wollen mehr Verkehr auf die Schiene bringen. Wir wollen den Haushalt entlasten, den Steuerzahler. Und wir wollen bessere Angebote für unsere Kunden machen."

Entstanden aber ist ein Zwitter. Einerseits ist die Deutsche Bahn dem Gemeinwohl verpflichtet, gleichzeitig aber soll das Unternehmen, dessen Aktien zu 100 Prozent der Bund hält - Gewinne schreiben. Keiner kann beantworten, wie das gehen soll.

Bahn-Problem 2: Immer mehr Pendler

Innerhalb der vergangenen Jahre hat sich München zur Pendlerhauptstadt Deutschlands entwickelt. 2016 kamen 355.000 Menschen zur Arbeit von außerhalb der Stadtgrenze. Und das jeden Tag. Das sind rund 20 Prozent mehr als noch im Jahr 2000.

Und viele kommen mit der Bahn. In ganz Bayern pendeln heute 1,3 Millionen Passagiere an jedem Werktag mit dem Zug, 70 Prozent mehr als vor der Bahnreform.

Bahn-Problem 3: Die Infrastruktur

Das Schienennetz ist die Aufgabe der DB Netz. Die bekommt ihr Geld vom Bund: Ein viergleisiger Ausbau wie zwischen München und Augsburg ist die Ausnahme und nicht die Regel. Dazu kommt: Rund die Hälfte der Strecken in Bayern ist nicht einmal elektrifiziert.

Der Plan, die DB AG an die Börse zu bringen, ging mittelfristig auf Kosten der Substanz, egal ob bei Schienen, Brücken, Weichen oder Stellwerken. Der Bund kam dringend notwendigen Sanierungsmaßnahmen nicht nach. DB Netz, die Tochter der Deutschen Bahn, war jahrelang unterfinanziert.

Das räumt auch Klaus-Dieter Josel ein. Er ist Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn in Bayern:

"Wir haben damals nicht diesen Modernisierungsschub durchführen können. Wir haben Nachholbedarf." Klaus-Dieter Josel, Deutsche Bahn in Bayern

Neben der Schienenmaut, die die Verkehrsunternehmen bezahlen, pumpt der Bund nun seit zehn Jahren Milliarden in das Bestandsnetz, um es zumindest erhalten zu können. Doch die Altlasten wiegen nach wie vor schwer.

Bahn-Problem 4: Zu wenig Personal

Rund 350.000 Beschäftigte hatte die Bahn vor der Reform. Mittlerweile wurde die Zahl der Mitarbeiter fast halbiert. Und nun fehlt es an allem. An Lokführern, Technikern und Servicepersonal. Kurz vor dem Treffen mit Bundesverkehrsminister Scheuer versprach Bahnchef Richard Lutz deshalb, die geplanten Rekordinvestitionen um zusätzlich eine Milliarde Euro aufzustocken und mehr Mitarbeiter einzustellen.

"Wir stellen 2019 erneut auf Rekordniveau ein, nämlich 22.000 Mitarbeiter. Vor allem stocken wir auf bei Lokführern und in den Werkstätten." Bahnchef Richard Lutz

Doch das dürfte gar nicht so einfach werden. Denn diese Menschen sind anderswo auch gesucht.

Bahn-Problem 5: Im Zweifel für das Auto

Das System Bahn zieht im Zweifel den Kürzeren: Zwei Zahlen machen das deutlich. In den vergangenen 25 Jahren ist das gesamte Straßennetz von 640.000 auf rund 900.000 Kilometer angewachsen, also um rund 40 Prozent. Wohingegen das Schienennetz um 20 Prozent zurückgebaut wurde.

Da helfen auch ein paar spektakuläre Neubauten wie die Schnellfahrstrecke von München über Nürnberg und Erfurt nach Berlin nicht. Und so sagt Winfried Karg vom Fahrgastverband Pro Bahn in Bayern:

"Deutschland war lange eindeutig Autoland." Winfried Karg, Fahrgastverband Pro Bahn

Inzwischen sei bei der Mehrheit der Bevölkerung und auch in der Politik quer durch die Parteien zwar angekommen, dass es da kein "Weiter so" geben könne, doch dafür müsste mehr Geld ins System. In Deutschland fließen pro Kopf und Jahr gerade einmal 69 Euro ins Schienennetz, in Österreich mehr als das Doppelte und in der Schweiz das Fünffache. Und dort sind die Züge pünktlich.