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Beim Unkraut jäten

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    Unkraut im Garten vernichten, ohne Insekten zu schaden

    Welche Möglichkeiten gibt es, einen gepflegten Rasen, einen schönen Garten zu haben - ohne zu Unkrautvernichtern zu greifen. Gibt es Alternativen? Kann man mit "Unkraut" leben?

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    Von
    • Ursula Klement

    Der Gartler will Kohlrabi und Rittersporn, nicht Brennnessel und Giersch. Aber Tagpfauenauge und Hausrotschwanz will er auch. Deswegen sollte er bei der Unkrautbekämpfung mit Maß und Ziel vorgehen. Aber wie? Spritzen, hacken, zupfen oder wachsen lassen? Das Unkraut ist das Hauptthema im Hobbygarten. Nimmt es den Rosen und dem Kopfsalat doch Licht, Wasser und Nährstoffe weg. Die große Kunst ist, es zu zähmen und nicht alles zu vernichten. Denn Unkräuter - oder besser gesagt Beikräuter - bieten den Insekten und Vögeln meist mehr als Zier- und Gemüsepflanzen. 

    Was sagt der Gesetzgeber? 

    Was befestigte Flächen angeht, ist die Sache klar geregelt: Das Bundespflanzenschutzgesetz verbietet die Anwendung von chemischen Unkrautvernichtern auf befestigten Flächen und Kiesflächen. Es ist also verboten, Moos und Unkraut auf Garageneinfahrten, an Wegrändern und in Schottergärten mit Glyphosat und Co. auf den Leib zu rücken. Und dieses Verbot gilt nicht nur für Chemie aus dem Gartenmarkt, sondern auch für Chemie aus dem Küchenschrank. Wer Kochsalz, Natron, Essig oder Zitronensäure auf die gepflasterte Einfahrt oder den Stellplatz streut oder sprüht, dem droht ein Bußgeld. 

    Für Rasen und Beet gelten andere Regeln

    Auf Rasenflächen und Beeten dürfen chemische Pflanzenschutzmittel prinzipiell eingesetzt werden. Hier gibt es jede Menge zugelassener Präparate mit unterschiedlichen Wirkstoffen. Und nur diese zugelassenen Präparate dürfen zum Einsatz kommen. Salz und Essig gehören nicht dazu. Grundsätzlich haben Pflanzenschutzmittel gravierende Nachteile. Erstens durchwandert zumindest ein Teil von dem, was oben drauf gegossen wird, den Boden. Mancherorts können längst verbotene Unkrautvernichter noch Jahre später im Grundwasser nachgewiesen werden. Zweitens unterscheiden Pflanzenschutzmittel nicht zwischen Gut und Böse. Da kann es dann schon mal passieren, dass zeitgleich mit dem ungeliebten Gundermann auch die geliebte Funkie dahinscheidet. Und drittens ist die Wirkung zeitlich begrenzt. Unkrautvernichter im Rasendünger beseitigen zwar das Moos zwischen den Rasengräsern, nicht aber die Ursache für’s Vermoosen. Bleiben die Ausgangsbedingungen wie sie sind, wird das Moos mit Sicherheit wiederkehren.

    Alternativen zur Chemie

    Besser als jedes noch so als umweltfreundlich gepriesene chemische Produkt sind thermische oder mechanische Bekämpfungsmethoden. Das ist dank moderner Technik heute genauso bequem wie die Unkrautspritze. Abflamm-, Thermo- und Heißwassergeräte machen beblättertem Unkraut und Gräsern die Hölle heiß. Aber Vorsicht! Bei Abflammgeräten immer auf die Umgebung achten! Die Flamme aus der Gaskartusche hat nämlich schon so manche Hecke in Brand gesetzt. Außerdem wirkt Hitze nur oberflächlich und das lästige Grün wird wieder austreiben. Mit dem Fugenkratzer kommt man auch an die Wurzeln ran. Den Fugenkratzer gibt es zwar nicht mit Motor, aber immerhin rückenfreundlich mit langem Stiel. Es braucht freilich ein bisschen Übung, um im Stehen mit dem schmalen Kratzer die Fugen zu treffen. Wer vor allem mit Moos im Pflaster hadert, der kann zur elektrischen Fugenbürste greifen. Hier fegt eine rotierende Drahtbürste die Pflanzen aus den Ritzen. Drahtbürsten können die Steine verkratzen, also besser zuerst an einer unauffälligen Stelle testen oder gleich eine Nylonbürste verwenden. 

    Unkraut bekämpfen, aber mit Verstand

    Für befestigte Flächen kann sich ein Elektrogerät durchaus lohnen. Zwischen Stauden und Gemüse ist Handarbeit effizienter und nachhaltiger. Es gilt dem Unkraut immer wieder die Blätter zu rauben, denn das schwächt die Pflanze und hungert sie aus. Bei dieser Methode braucht man allerdings einen langen Atem, man muss dranbleiben. Aber es ist die Mühe wert. Im Gemüsebeet sind Ziehhacke oder Grubber das Werkzeug der Wahl. Nur hacken, nicht umgraben, sonst weckt man in tiefen Schichten schlafende Unkrautsamen aus ihrem Dornröschenschlaf. Das Hacken hat einen angenehmen Nebeneffekt: einmal Hacken ist zweimal Gießen. Im Staudenbeet wäre die Hacke fehl am Platz, hier zupfen die Finger. Die Hacke würde nämlich nicht nur das Unkraut, sondern auch die oberflächennahen Wurzeln der Stauden kappen. 

    Der richtige Zeitpunkt

    Dem Unkraut nicht lang beim Wachsen zuschauen, sondern zum Angriff blasen, sobald sich die ersten Blättchen zeigen. Unkrautzupfen funktioniert am besten nach Regen. Dann lösen sich die Wurzeln leichter aus dem feuchten Boden. Zur Hacke greift man lieber, wenn die Sonne scheint. Dann kann das abgetrennte Grünzeug an Ort und Stelle liegen bleiben und vertrocknen. Unkraut, das schon Samen angesetzt hat muss allerdings immer entfernt werden. Wer auf Nummer sicher gehen will, der hackt, lässt antrocknen und räumt das angetrocknete Grün anschließend ab. Aber nicht auf den Kompost geben, sondern in die Biotonne.

    Das Übel an der Wurzel packen 

    Die tiefe Pfahlwurzel des Löwenzahns holt man am besten mit dem Wurzelstecher aus der Erde. Giersch und Hahnenfuß schicken ihre Rhizome nicht nach unten, sondern quer durch den Garten. Hier lockert man den Boden entlang der Stränge und zieht die Wurzeln dann raus. Wo sich Unkräuter zwischen den Stängeln von Stauden verstecken, muss die Staude ausgegraben, ausgeputzt und am besten gleich noch geteilt werden.

    Vorbeugen ist besser als Jäten

    Unkrauthemmender Fugensand oder Steinmehl sorgen für lebensfeindliche Verhältnisse zwischen den Pflastersteinen und sollen das Aufkommen von unerwünschtem Grün verhindern. Sind die Fugen breit genug, lässt sich aus der Not auch eine Tugend machen. Indem man dem Unkraut zuvorkommt und die Zwischenräume mit trittfesten Kräutern begrünt. Saatgut dazu gibt’s im Handel.

    Unter Bäumen und auf anderen Freiflächen sorgen Bodendecker dafür, dass Unkräuter von vorneherein keine Chance haben. Mulchen schützt nicht nur den Boden vor dem Austrocknen, so eine Schicht aus Grasschnitt, Laub oder Rinde hindert auch Wildkräuter am Wachsen. 

    Finger weg von Unkrautfolie

    Unkrautfolien, Unkrautnetze oder -Vliese sind höchstens auf den ersten Blick eine Alternative. Denn sie verhindern den Unkrautbewuchs nur kurzfristig. Sobald sich eine flache Humusschicht auf der Oberfläche angesammelt hat, wachsen die ersten Pionierpflanzen wie Nachtkerze, Taube Trespe oder sogar Brennnesseln und Giersch. Dauerhaft sind dagegen die Schäden, die die Folien anrichten: Sie beeinträchtigen das Bodenleben und den Wasserhaushalt. Die Kunststoff-Fasern zerfallen und werden mit dem Wind verweht oder im Boden angereichert. So wird aus der Folie jede Menge Mikroplastik. Wer jemals versucht hat, die Folie wieder zu entfernen, merkt, dass von Arbeits-Erleichterung im Zusammenhang mit Unkrautfolie keine Rede sein kann. Außerdem sind die Folien-Enden, die an den Rändern des Beetes herausschauen alles andere als eine Augenweide. Dann doch lieber zugeschnittene Pappe oder mehrlagiges Zeitungspapier.

    Brennnesselkuchen und Schafgarben-Sirup

    Brennnesselkuchen mit angebratenen Kartoffelwürfelchen und Emmentaler, marinierte Gierschblättchen, Schafgarben-Rosenblüten-Sirup oder Knoblauchrauke-Löwenzahn-Senf: Nicht nur Insekten, auch Gartenbesitzer können Unkraut essen. Damit es auch wirklich ein Gaumenschmaus wird, braucht man gute Rezepte und meist junge Pflanzen. Gierschblätter zum Beispiel müssen unbedingt noch glänzen, sonst schmecken sie ledrig.

    Manche Unkräuter sind sogar heilsam: so wie die Samen der wilden Malve. Die sehen nicht nur aus wie Hustendragees, sondern wirken tatsächlich schleimlösend, wenn man sie zerkaut.  Aus Brennnesseln und Schachtelhalm kann man aber auch Pflanzennahrung herstellen, in dem man Dünge- und Stärkungsbrühen ansetzt. 

    Für den Pinselkäfer ist der Giersch eine Nutzpflanze

    35 Arten von Schmetterlingsraupen fressen Brennnesselblätter, manche mögen nichts anderes. Auch der Spitzwegerich, ein Unkraut im Rasen, bietet etlichen Schmetterlingsarten Raupenfutter. Der Pinselkäfer dagegen fliegt auf die Blüten vom Giersch. Taubenschwänzchen und Tatzenkäfer sind in unseren Breiten auf Labkräuter angewiesen. Ihr Nachwuchs kann von keiner anderen Pflanze leben. Die Taubenschwänzchen legen ihre Eier immer einzeln an die Blütenknospen. 

    Von den Schmetterlingen, Käfern und Fliegen wiederum leben Vögel, Igel und Eidechsen. Das Unkraut ist quasi der Grundstein für Artenvielfalt im Garten.  

    Unkräuter als Gartenberater

    Viele Unkräuter geben Aufschluss über den Zustand des Bodens und über mögliche Fehler des Gärtners. Brennnessel, Franzosenkraut und Löwenzahn beispielsweise mögen Stickstoff, wo einer von ihnen in Massen wächst, können Hornspäne und Blaukorn getrost im Beutel bleiben. Ackerschachtelhalm, Breitwegerich und Quecke zeigen Verdichtungen an und das kleine Habichtskraut, dass Wasser Mangelware ist. Es lohnt sich also das Unkraut im Garten beim Namen zu kennen. 

    Unkraut mit anderen Augen sehen

    An manchen Stellen im Garten sind Unkräuter ein Problem, an anderen sind sie nur nicht gern gesehen. Wo die Ackerwinde Johannisbeeren und Rosen die Luft abschnürt, muss sie weichen. Wo das Habichtskraut aus Ritzen und zwischen Steinen sprießt, wird es vor allem zur Geschmacksfrage. Der Eine empfindet es als ungepflegt, der Andere bewundert das tapfere Grün im tristen Betonpflaster-Grau. Unkrautzupfen kann lästig und nervtötend sein oder ein meditativer Ausgleich zur Schreibtischarbeit. Außerdem kann man übers Unkraut noch länger reden als übers Wetter. 

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