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Uniklinikum Würzburg enttäuscht über Entscheidung zu Organspende | BR24

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Am Uniklinikum Würzburg ist die Enttäuschung über die Entscheidung des Bundestags zur Organspende groß.

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    Uniklinikum Würzburg enttäuscht über Entscheidung zu Organspende

    In Deutschland wird auch in Zukunft nur derjenige zum Organspender, der sich aktiv dafür entschieden hat. Am Uniklinikum Würzburg ist die Enttäuschung über diese Entscheidung groß. In Unterfranken warten derzeit 300 Patienten auf ein Spenderorgan.

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    Der Bundestag hat über die Organspende entschieden – und die sogenannte Widerspruchslösung abgelehnt. Demnach wäre jeder zum Organspender geworden, wenn er nicht widersprochen hätte. Stattdessen stimmten die Abgeordneten für die Zustimmungslösung, die eine Organentnahme nur möglich macht, wenn der Spender zu Lebzeiten ausdrücklich zugestimmt hat. Bürger sollen aber künftig mindestens alle zehn Jahre auf Organspenden angesprochen werden, beispielsweise wenn sie einen Personalausweis beantragen oder einen Arzt besuchen.

    Die Verantwortlichen des Transplantationszentrums der Uniklinik Würzburg zeigten sich enttäuscht über die Entscheidung gegen die Widerspruchslösung. "Die Widerspruchslösung wäre die Möglichkeit gewesen, die Bevölkerung dazu zu bewegen, einmal über dieses Thema nachzudenken. Diese Chance hat man verfehlt", sagte Kai Lopau, Leiter des Nieren-Transplantationsprogramms.

    300 Patienten warten in Unterfranken auf Spenderorgan

    Derzeit warten in Unterfranken rund 300 Patienten auf ein Spenderorgan. Am häufigsten benötigt werden Lebern und Nieren. Laut Ingo Klein, dem Leiter der Transplantationschirurgie an der Uniklinik, warten betroffene Patienten im Durchschnitt sechs Jahre lang auf eine Nierenimplantation. Das gelte jedoch nur für die über 65-Jährigen. Bei jüngeren Patienten könne die Wartezeit bis zu zehn Jahre betragen. "Das ist eine sehr lange Zeit und für die Betroffenen nicht einfach", berichtet Klein.

    Im vergangenen Jahr starben am Würzburger Uniklinikum sechs Menschen, die nicht rechtzeitig eine Spenderniere erhalten hatten. Auch bei Patienten, die eine Lebertransplantation benötigen, kommt die Hilfe oft zu spät: Ein Viertel aller Wartenden stirbt, bevor ein Spenderorgan gefunden ist.

    Ziel: Menschen über Organspende aufklären

    Ziel der Transplantationszentrum Würzburgs ist es jetzt, die Diskussion über die Thematik auf dem Laufenden zu halten. Es geht darum, "die Leute so gut es geht aufzuklären, damit sie sich aktiv für die Organspende entscheiden", sagt Anna Herzog, Leiterin des Transplantationszentrums. Dafür seien auch in diesem Jahr einige Veranstaltungen am Uniklinikum in Würzburg geplant.

    Zu wenige Organspender in Deutschland

    Die Zahl der jährlichen Organspender in Deutschland liegt nach aktuellen Angaben des Klinikums knapp unter zehn pro eine Millionen Einwohner. In Bayern waren es im letzten Jahr 136 Spender. Damit ist Deutschland auf dem zweitletzten Platz im europaweiten Ranking. In Österreich beispielsweise sind es rund 25 Spender auf eine Millionen Einwohner. In 21 von 28 Ländern in Europa gilt die Widerspruchsregelung.