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Wegen der hohen Zahl an Infektionen mit dem Corona-Virus spitzt sich die Lage an vielen Kliniken zu. Wie ist die Situation am Universitätsklinikum Würzburg? Mitarbeitende der Infektionsstation berichten aus ihrem Arbeitsalltag.

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Uniklinik Würzburg: Mitarbeiter und ihre Arbeit in Corona-Zeiten

Wegen der hohen Zahl an Infektionen mit dem Corona-Virus spitzt sich die Lage an vielen Krankenhäusern zu. Wie ist die Situation am Universitätsklinikum in Würzburg? Mitarbeitende der dortigen Infektionsstation berichten aus ihrem Arbeitsalltag.

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Von
  • Jochen Wobser

Ein Gang der Würzburger Universitätsklinik, Jürgen Geiger ist auf dem Weg zur Infektionsstation. Gleich ist Schichtbeginn für den Krankenpfleger. Noch trägt er Lederjacke, Pulli und Jeans. Auf Station wird er sich die Schutzkleidung anziehen - Maske, Augenschutz und Virenschutzkittel - und die wird er auch heute geschätzte 150 Mal wechseln. "Jedes Mal, bevor wir in das Zimmer eines Covid-Patienten gehen, ziehen wir uns komplett um", erzählt Geiger. "Das ist absolut notwendig, aber es kostet auch viel Zeit."

Schutzanzüge erschweren Pflege der Covid-Patienten

Jürgen Geiger ist der Stationsleiter. Sein Team pflegt Patienten mit Hepatitis, Tuberkulose oder HIV. Und derzeit acht Covid-Patienten. Sie sind in einem strikt getrennten Bereich untergebracht. Pro Schicht müssen die Mitarbeitenden in einem Bereich bleiben. "Da sind Überlappungen und gegenseitige Unterstützung nicht möglich", sagt Geiger. "Mein Team ist professionell und belastbar. Aber ich habe schon auch gemerkt, dass es an die Grenzen geht."

Gerade im Covid-Bereich sei die Pflege der Patienten, der älteste ist 90 Jahre alt, sehr aufwändig. Ihre Körperpflege und das Umlagern sei gerade in Schutzausrüstung sehr anstrengend. "Da schwitzt man am ganzen Körper in dem Anzug, das ist wirklich belastend."

Pflegepersonal muss Prioritäten setzen

Dennoch beurteilt Jürgen Geiger die Situation auf der Würzburger Infektionsstation verglichen zum Frühjahr als weniger dramatisch - zumindest bisher. "Im Frühjahr waren hier auf der Station alle 20 Betten mit Covid-Patienten belegt", erzählt er. Trotzdem müsse das Personal auch jetzt damit zurechtkommen, nicht alle Herausforderungen meistern zu können. Man müsse Prioritäten setzen. Da bleibe für Patienten außerhalb des Covid-Bereichs manchmal weniger Zeit.

Schicksale von Patienten berühren auch das Personal

Als "aktuell machbar" beurteilt Oberärztin Petra Schulze die Lage auf der Infektionsstation des Uniklinikums. Zwar gebe es immer wieder auch schwere Verläufe, bei denen die Patienten auf die Intensivstation zur Beatmung verlegt werden müssen. Diese Schicksale gingen einem "dann auch persönlich sehr nah", so die Oberärztin. Aber zumindest in den vergangenen Wochen habe sich der Großteil der Covid-Patienten wieder erholt.

Uniklinik Würzburg: angespannte Lage in der Intensivmedizin

Die Lage in der Intensivmedizin der Würzburger Uniklinik bezeichnet der Ärztliche Direktor Georg Ertl als "angespannt". Vor allem die Personalsituation sei "sehr eng" und eine ständige Herausforderung. Aber der Klinikleiter sagt auch: "In ernsthaften Nöten sind wir derzeit noch nicht." Man habe zuletzt auch Patienten aus besonders belasteten Kliniken übernehmen können, etwa aus Augsburg.

Derzeit liegen 11 Covid-Patienten auf der Intensivstation des Uniklinikums. Auf maximal 160 Intensivbetten könnte das UKW seine Kapazität aufstocken, dann müsste aber der Großteil des Personals aus anderen Bereichen wie der Operativen Medizin abgezogen werden. Davon sei die Würzburger Uniklinik noch entfernt, so Ertl - auch wenn der OP-Betrieb bereits leicht eingeschränkt verlaufe und einige verschiebbare Operationen nach hinten verlegt worden seien.

Verteilung der Patienten soll für Entlastung sorgen

Aber wie geht es weiter? Sinken die Infektionszahlen? Oder kommt ein neuer Schub nach den Weihnachtstagen mit den vorübergehenden Lockerungen der Kontaktbeschränkungen? Professor Ertl hält wenig davon, über mögliche Folgen des Weihnachtsfestes zu spekulieren.

Für ihn geht es jetzt darum, ein Konzept voranzutreiben, wie Covid-Patienten auf Kliniken verteilt werden. "Das war bislang noch nicht massiv notwendig, aber so könnte Entlastung für Kliniken und Mitarbeiter in Regionen geschaffen werden, wo die Infektionsszahlen besonders hoch sind". Man müsse sich jetzt für die nächsten Wochen und Monate wappnen, so Ertl. "Denn Corona wird uns sicher noch bis zum Frühsommer begleiten."

Appell: Regeln auch an Weihnachten beachten

Die Entwicklung des Infektionsgeschehens haben auch Oberärztin Petra Schulze und Stationsleiter Martin Geiger immer im Blick. "Mal schauen, was kommt", sagt Jürgen Geiger. "Aber müssen und werden damit umgehen".

Petra Schulze beschleicht im Hinblick auf das Weihnachtsfest "ein zwiespältiges Gefühl". Die Oberärztin hofft, dass die Menschen auch an Weihnachten ihre Kontakte auf den engsten Familienkreis beschränken und aufeinander achten. "Immer noch gilt der Appell: Man sollte bitte nichts riskieren!"

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