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Uniklinik Würzburg: Ärztlicher Direktor Ertl geht in Ruhestand | BR24

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Fünf Jahre lang hat Prof. Dr. Georg Ertl als Ärztlicher Direktor die Geschicke der Uniklinik Würzburg maßgeblich mitgestaltet. Nun endet seine Amtszeit und wir blicken auf seine Karriere zurück.

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Uniklinik Würzburg: Ärztlicher Direktor Ertl geht in Ruhestand

Fünf Jahre lang war er Ärztlicher Direktor des Uniklinikums Würzburg. Zum Jahresende 2020 geht Georg Ertl nun in den Ruhestand. In seiner Amtszeit stand er vor vielen Herausforderungen – vom Axtattentat 2016 bis zur Corona-Krise 2020. Ein Rückblick.

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Von
  • Carolin Hasenauer

Vom Ringen um die bauliche Zukunft des Uniklinikums Würzburg (UKW) bis zum Management der Corona-Pandemie: In seiner fünfjährigen Amtszeit als Ärztlicher Direktor der Uniklinik stand Prof. Dr. Georg Ertl vor vielen Herausforderungen. Der heute 70-Jährige war seit Januar 2016 Vorsitzender des vierköpfigen Vorstands und damit Chef von aktuell mehr als 7.000 Beschäftigten. Zum Jahresende 2020 geht Ertl nun in den Ruhestand.

Ertl treibt Baupläne der Würzburger Uniklinik voran

"Eines der umfangreichsten Themen in den vergangenen Jahren war sicher der Neubau der veralteten Kopfklinik", so Ertl in einer Mitteilung des UKW. Durch das dort zusätzlich geplante Zentrum Frauen-Mutter-Kind verdoppelten sich die zu erwartenden Kosten. "Das war politisch schwierig durchzusetzen. Neben einiger Geduld und Beharrlichkeit waren hierfür sehr viele Überzeugungsgespräche erforderlich", so Ertl.

Dann, im Juli 2020, kamen schließlich die Planungsaufträge für die ersten Bauabschnitte der beiden Klinikneubauten durch das bayerische Wissenschaftsministerium. "Aktuell stehen wir unmittelbar vor dem Architektenwettbewerb. Wenn ich Glück habe, erlebe ich noch, dass die ersten Gebäude auf dem Nordgelände in Betrieb gehen."

Axtattentat: Internationales Medieninteresse

Besonders einschneidend seien für Ertl die Umstände um das Axtattentat vom 18. Juli 2016 gewesen. Bei dem islamistisch motivierten Anschlag in einer Regionalbahn bei Würzburg wurde eine fünfköpfige Hongkonger Familienreisegruppe teilweise schwer verletzt. Vier der Opfer wurden am UKW behandelt. "Neu für uns war das enorme internationale Medieninteresse", erinnert sich Ertl. "In unserer Öffentlichkeitsarbeit ging es darum, den Balanceakt zwischen den Patientenrechten und dem Recht der Allgemeinheit auf Information zu meistern."

Hilfreich bei den vielen Interviews war für ihn nach eigenen Worten, dass er nicht nur ziemlich stressresistent ist, sondern als Wissenschaftler auch darin geübt, Themen in öffentlichen Auftritten zu vertreten. "Außerdem war es für mich sehr beruhigend zu wissen, dass ich mich bei der von der Öffentlichkeit sehr genau beobachteten medizinischen Behandlung der Opfer zu 100 Prozent auf die Ärzte des UKW verlassen konnte", so Ertl. Insgesamt habe er die Kooperation mit den Medien als sehr positiv erlebt, viel dazugelernt und gerade auch in der lokalen Presse "fantastische Partner" gefunden.

Herausforderung Corona-Pandemie

Die jüngste große Herausforderung für Ertl sei die seit diesem Frühjahr auch am UKW zu managende Covid-19-Pandemie. "Unser Job war und ist es, auch unter diesen erschwerten Bedingungen eine optimale Versorgung aller Patientinnen und Patienten zu gewährleisten", sagt Ertl. Zu den Höhepunkten der ersten Pandemiewelle habe der Direktor schätzungsweise 80 Prozent seiner Arbeitszeit den Problemen rund um Corona gewidmet. "Dadurch mussten andere Dinge, wie zum Beispiel die wissenschaftliche Arbeit, stagnieren – das war herb", sagt Ertl.

© BR/Jürgen Gläser

Fünf Jahre lang war er Ärztlicher Direktor des Uniklinikums Würzburg. Zum Jahresende 2020 geht Georg Ertl nun in den Ruhestand. In seiner Amtszeit stand er vor vielen Herausforderungen – vom Axtattentat 2016 bis zur Corona-Krise 2020. Ein Rückblick.

Gleichzeitig brachte die Krise aus seiner Sicht auch Chancen mit sich. So habe die Pandemie Impulse für eine in Teilbereichen noch bessere Organisation von Prozessen am UKW gegeben. "Außerdem haben wir gelernt, aus dem Stand Forschung zu machen, die innerhalb von Monaten beim Patienten ankommt", sagt Ertl. Dazu hätten sich die Unikliniken deutschlandweit zusammengeschlossen und einen bedeutenden Teil ihrer Ressourcen der Corona-Forschung zur Verfügung gestellt. "Durch dieses Engagement wird man innerhalb kürzester Zeit sehr viel mehr von Epidemien verstehen. An diesem Prozess beteiligt gewesen zu sein, hat mir auch Spaß gemacht."

Ertl macht als Seniorprofessor am DZHI weiter

Das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) wird auch in Zukunft eine bedeutende Rolle für ihn spielen. "Ich werde als Seniorprofessor dorthin zurückkehren, um meine Forschungsvorhaben weiterzutreiben und das Einwerben von Fördergeldern zu unterstützen", heißt es von Ertl. Außerdem bleibe er dem Gesundheitswesen als Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin verbunden. Worauf er sich in seinem Ruhestand außerdem freut, sind Sport und Kunst sowie nicht zuletzt Familie und Freunde.

Die Nachfolge als Ärztlicher Direktor des UKW wird zum 1. Januar 2021 Prof. Dr. Jens Maschmann antreten. Der Kinderarzt arbeitete zuletzt als Medizinischer Vorstand am Uniklinikum Jena.

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