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Uniklinik Erlangen hofft auf mehr Pflegefachkräfte | BR24

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Am ersten März ist das Fachkräfteeinwanderungsgesetz in Kraft getreten. Deutschland will so dem Fachkräftemangel begegnen, der sich in immer mehr Branchen ausbreitet.

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Uniklinik Erlangen hofft auf mehr Pflegefachkräfte

Am ersten März ist das Fachkräfteeinwanderungsgesetz in Kraft getreten. Deutschland will so dem Fachkräftemangel begegnen, der sich in immer mehr Branchen ausbreitet. Aber die größte Hürde für ausländische Fachkräfte in Deutschland bleibt bestehen.

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Von
  • Tanja Oppelt

Kristine Leigh Marbella fühlt sich wohl in Erlangen. Seit zweieinhalb Jahren arbeitet die 31-jährige Krankenschwester an der Uniklinik in Erlangen. Die Patienten seien viel höflicher als in ihrem Heimatland, den Philippinen, sagt sie. Ihre Heimat hat sie aus zwei Gründen verlassen: schlechte Bezahlung und schlechte Arbeitsbedingungen. "Auf den Philippinen haben wir 90 Patienten und drei Pflegekräfte. Das geht nicht. Das ist keine Pflege mehr", erzählt Kristine Leigh Marbella.

Pflegefachkräfte von den Philippinen

Deutschland hatte bereits vor dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz mit den Philippinen ein bilaterales Abkommen über die Anwerbung von Pflegefachkräften. Das Abkommen soll den Zuzug nach Deutschland kontrollieren, so dass nicht in der Folge auf den Philippinen ein Pflegenotstand ausbricht. An den Arbeitsbedingungen vor Ort kann es freilich nichts ändern.

Fachkräfte sollen jetzt leichter einwandern können

Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz soll es ausländischen Fachkräften künftig leichter machen, nach Deutschland zu kommen. Bilaterale Abkommen zwischen Regierungen sind jetzt keine Voraussetzung mehr. Für die Arbeitssuche erhalten die Fachkräfte aus dem Ausland automatisch ein Visum für sechs Monate. Haben sie bis dahin eine Arbeitsstelle gefunden, können sie bleiben. Die Voraussetzungen: Sie müssen einen Berufsabschluss und Deutschkenntnisse vorweisen.

Uniklinik Erlangen braucht ausländische Pflegefachkräfte

Für die Uniklinik Erlangen sind die ausländischen Pflegefachkräfte schon jetzt eine wichtige Ergänzung bei der Personalsuche. Reiner Schrüfer, Pflegedirektor Uniklinik Erlangen, berichtet, dass es an seinem Haus noch keinen Pflegenotstand gebe. "Es ist aber so, dass wir manche Stellen nicht unmittelbar besetzen können, sondern dass wir drei, vier, fünf Monate brauchen, bis wir diese Stellen wieder mit Fachpersonal besetzen können", sagt Schrüfer.

Mehr Mitarbeiter durch das Fachkräfteeinwanderungsgesetz

An der Erlanger Uniklinik arbeiten aktuell 60 Pflegefachkräfte aus Drittstaaten, also aus dem Nicht-EU-Ausland. Durch das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz sollen es bald mehr werden. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung müssten jedes Jahr mindestens 260.000 Zuwanderer nach Deutschland kommen, um den demographisch bedingten Rückgang an Arbeitskräften aufzufangen. Das werde durch das neue Gesetz allein nicht gelingen, ist sich die Bundesagentur für Arbeit sicher.

"Die Bundesregierung geht von ca. 25.000 Menschen pro Jahr aus, die durch das Fachkräfteeinwanderungsgesetz zusätzlich zu uns kommen. Das wird in den ersten Jahren sehr sportlich sein. Die Leute müssen erst im Ausland Deutsch lernen. Deswegen haben wir die Erfahrung, dass es ein bis eineinhalb Jahre dauert, bis wir einen Menschen als Fachkraft hier empfangen können. Deshalb werden wir frühestens 2021 oder 2022 steigende Zahlen sehen." Daniel Terzenbach, Vorstand Bundesagentur für Arbeit

Deutschland müsse auch das inländische Arbeitskräftepotenzial mobilisieren, sagt Terzenbach, und sich bemühen, für internationale Fachkräfte attraktiver zu werden. Pflegedirektor Reiner Schrüfer von der Uniklinik Erlangen hofft, dass durch das Fachkräfteeinwanderungsgesetz die Anwerbung aus dem Ausland einfacher und verlässlicher wird.

Größte Hürde: Anerkennung des ausländischen Berufsabschlusses

Die größte Hürde aber - die Anerkennung des ausländischen Berufsabschlusses in Deutschland - bleibt trotz Fachkräfteeinwanderungsgesetz bestehen. Zwar gibt es seit einigen Wochen die Zentrale Servicestelle Berufsanerkennung, aber die kann nur beraten und unterstützen. Die eigentliche Anerkennung bleibt bei den Gesundheitsberufen Ländersache und ist weiter nicht einheitlich geregelt in Deutschland.