Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Uni Würzburg: Venusfliegenfallen ignorieren zu leichte Beute | BR24

© picture-alliance/dpa

Venusfliegenfalle

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Uni Würzburg: Venusfliegenfallen ignorieren zu leichte Beute

Venusfliegenfallen nehmen die Berührungen von extrem leichten Tieren wahr, vermeiden aber Überaktivität. So schützen sie sich vor dem Verhungern. Würzburger Forscher haben die Pflanzen genauer untersucht und in ihrer Studie mit Ameisen gearbeitet.

Per Mail sharen

Venusfliegenfallen haben ihre Blätter zu Insektenfallen umgewandelt, die in Sekundenbruchteilen zuschnappen können. Ihre Beute nehmen die Pflanzen über Sinneshaare auf der Innenseite der Fallen wahr. Weil die Beutetiere unterschiedlich groß sind, die Venusfliegenfallen aber fast alles nehmen müssen, was sie bekommen können, haben sie Fallen in unterschiedlichen Größen ausgebildet.

Diese fallengrößenabhängige Berührungsempfindlichkeit der Sinneshaare ist für das Überleben der Pflanzen äußerst wichtig. Schließlich kostet es die Venusfliegenfallen deutlich mehr Energie, eine große Falle wieder zu öffnen als eine kleine. Wenn selbst leichte und nährstoffarme Beutetiere wie etwa wenige Gramm schwere Moskitos den Verschluss großer Fallen auslösen könnten, fiele die Kosten-Nutzen-Bilanz negativ aus und die Venusfliegenfalle würde im Extremfall langsam verhungern.

Forscher untersuchen Zuschnapp-Mechanismus der Venusfliegenfalle

Wissenschaftler der Universitäten Würzburg und Cambridge untersuchten, wie schwer ein Insekt sein muss, damit eine Falle überhaupt zuschnappt. Außerdem gingen sie der Frage nach, wie der Zuschnapp-Mechanismus reagiert. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Berührungssensoren der Fallen bereits mikroskopisch kleinen Druck in ein elektrisches Signal umwandeln und so das Zuschnappen auslösen. Sensoren sind hierbei die Sinneshaare.

"Aus der Oberseite jeder Fallenhälfte entspringen drei bis vier multizelluläre Haare, die insgesamt verwindungssteif sind, bis auf eine Einkerbung an der Basis. Wenn ein Insekt, angelockt von Duft, Farbe oder Nektar der Falle gegen das Sinneshaar stößt, gibt dieses im Bereich der nicht verstärkten Einkerbung nach. Dies führt dazu, dass die in diesem Bereich befindlichen Sinneszellen auf der einen Seite gedehnt und auf der anderen eingedrückt werden." Professor Rainer Hedrich

Falle schließt sich nicht gleich nach dem ersten Impuls

Werden die Sinneszellen dementsprechend verformt, reagieren in einem nächsten Schritt die Berührungssensoren und wandeln die mechanische Energie in elektrische um, ein Aktionspotential wird ausgelöst und breitet sich von der Basis des Sinneshaars schnell über die ganze Falle aus. Kommt es innerhalb kurzer Zeit zu einer zweiten Berührung, wiederholt sich dieser Prozess – und erst dann schnappt die Falle zu. In Versuchen mit Ameisen konnten die Wissenschaftler diesen Vorgang nun nachweisen. Ihre Ergebnisse haben sie jetzt in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Nature Plants" veröffentlicht.

© BR Fernsehen

Venusfliegenfalle