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Universität Regensburg
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Autoren

Andreas Wenleder
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Universität Regensburg

Gerade in den Bibliotheken von Universitäten arbeiten viele Studenten, um sich ihr Budget aufzubessern. In Regensburg gibt es nun aber Ärger: Viele studentische Bibliotheksmitarbeiter müssen zum Jahresende gehen. In einer teuren Stadt wie Regensburg ein Problem.

Externer Wachdienst ersetzt Studentenjobs

Nach Angaben von Studentenvertretern sind 80 bis 100 Studenten betroffen. Ihnen wurde vergangene Woche mitgeteilt, dass ihre Verträge als Hilfskräfte an der Universitätsbibliothek zum Jahresende auslaufen. Das kritisiert die Studierendensprecherin Christiane Fuchs:

"Wir sollen künftig durch den Wachdienst ersetzt werden. Der soll jetzt auch noch während der Randöffnungszeiten auf die Lesesäle aufpassen. Damit fallen unsere Arbeitsplätze weg und werden an ein externes Unternehmen ausgelagert." Christiane Fuchs, Studierendensprecherin

Forderung der Bezahlung nach Tarifvertrag statt Mindestlohn

Bei dem Streit zwischen Studenten und Uni geht es ums Geld: Bisher waren hier zahlreiche Studenten als wissenschaftliche Hilfskräfte angestellt. Für ihre Arbeit bekamen sie den Mindestlohn. Dass Bibliotheksaushilfen als wissenschaftliche Hilfskräfte angestellt werden, ist zwar an vielen bayerischen Universitäten üblich, aber rechtlich problematisch.

Da die Bibliothekshelfer nicht wissenschaftlich arbeiten, gilt für sie eigentlich ein Tarifvertrag. Eine Gruppe um Christiane Fuchs hat sich deshalb eine deutlich bessere Bezahlung erkämpft. Vom Mindestlohn stieg der Stundenlohn auf über zwölf Euro.

Planstellen und Geld fehlen für die Anstellung von Studenten

Billige studentische Hilfskräfte darf die Bibliothek nach der Kritik der Studenten nun nicht mehr anstellen. Um aber alle bisher dort arbeitenden Studenten nach den Regeln des gültigen Tarifvertrags anzustellen, fehlen der Universität die dafür notwendigen Planstellen und Geld. Das sei momentan nicht möglich, wie Bibliotheksdirektor André Schüller-Zwierlein sagt:

"In der jetzigen Gesamtsituation ist es für uns nicht möglich, alle Studierenden nach Tarifvertrag zu beschäftigen. Da wir aber die Öffnungszeiten für alle Studenten sichern müssen, ist unsere einzige Option einen Wachdienst zu beschäftigen." André Schüller-Zwierlein, Bibliotheksdirektor

Er würde gerne weiter auf Studenten setzen, deshalb sei der Einsatz des Wachdienstes nur eine vorübergehende Maßnahme, sagt Schüller-Zwierlein.

Bezahlung von studentischen Hilfskräften: Kein typisches Regensburger Problem

Denn zumindest in diesem Punkt sind sich Uni und Studenten einig: Die Jobs auf dem Campus sind wichtig für die Studierenden, gerade in einer teuren Stadt wie Regensburg. "Es sind einfach Jobs, die man gut mit seinem Studium vereinbaren kann. Hier in Regensburg ist - glaube ich - jeder froh, wenn er noch ein nettes Zubrot hat. Viele haben deshalb damit geplant, dass sie eine Verlängerung ihres Vertrags bekommen", sagt Christiane Fuchs.

Eine Lösung der Situation scheint derzeit nicht in Sicht. Viel wahrscheinlicher ist, dass bald auch andere Universitäten vor ähnlichen Problemen stehen. Denn nicht nur in Regensburg arbeiten Studenten als Hilfskräfte in der Universitätsbibliothek.

Rückenwind von der Politik

Die studentischen Bibliotheksmitarbeiter bekommen in ihrer Forderung Zuspruch von der Politik: Eva-Maria Schreiber, Bundestagsabgeordnete der Linken für Regensburg, fordert die Universität Regensburg auf, die studentischen Hilfskräfte weiter zu beschäftigen und nach Tarif zu bezahlen. Das Vorgehen der Uni, jahrelang Tarifflucht betrieben zu haben und jetzt – nach der Aufdeckung dieser Praktik – Studenten nicht weiter zu beschäftigen, sei skandalös, so Schreiber. "Unter einer Entlassung würden auch alle anderen Studierenden leiden, da vermutlich mit weniger Personal die Öffnungszeiten der Unibibliothek so nicht weiter aufrechterhalten werden können", so Schreiber wörtlich.

Auch von der Regensburger SPD-Landtagsabgeordneten, Margit Wild gibt es Unterstützung: Sie fordert ein höheres Budget für Universitäten, die als öffentliche Einrichtungen eine Vorbildfunktion zu erfüllen hätten.