BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

Uni-Projekt – Recycling von alten Medikamenten | BR24

© BR

Mit Hilfe aufwendiger Verfahren können die Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg abgelaufene Medikamente für andere Zwecke nutzen. Die Arzneimittel erhalten sie von Apotheken und Wertstoffhöfen.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Uni-Projekt – Recycling von alten Medikamenten

Apotheken müssen Arzneimittel nicht mehr zurücknehmen, im Raum Erlangen machen sie es - für die Forschung. Dort forscht die Arbeitsgruppe Altarzneimittel daran, wie Wirkstoffe aus Säften und Tabletten gelöst und wiederverwertet werden können.

Per Mail sharen
Teilen

Schmerzmittel, Antibiotika, Blutdrucksenker: Im Chemie-Labor der Uni Erlangen stapeln sich die Medikamente. Zum Teil angefangene Blister, auch ganze Packungen oder Saftfläschchen. Laboranten sortieren die abgelaufenen Medikamente, ordnen sie nach Wirkstoffen. Diese Arzneimittel kommen nicht wie üblich in die Verbrennung, sondern werden wiederverwertet, erklärt die Doktorandin und Apothekerin Anna Roggenhofer.

"Im Rahmen von unserem Forschungsprojekt gelangen wir an etwa 500 verschiedene Arzneistoffe. Von diesen 500 können wir etwa 100 verwerten und entwickeln im Labor dazu Extraktionsmethoden, um die Wirkstoffe dann rein zu isolieren." Anna Roggenhofer, Apothkerin, Universität Erlangen-Nürnberg

Tüten voller Medikamente

Die Arzneimittel kommen von Wertstoffhöfen und mehreren Apotheken in Erlangen. Dort können die Kunden ihre abgelaufenen Medikamente kostenlos abgeben, wie etwa in der Kolibri-Apotheke bei Andrina Friedmann.

„Die kommen wirklich mit einer riesen Tüte, sagen, sie haben ihren Medikamentenschrank ausgemistet und geben das dann uns zurück.“ Andrina Friedmann, Apothekerin und Filialleiterin

Auch der Zweckverband Abfallwirtschaft in Erlangen unterstützt die Studie. Denn Medikamente werden nach wie vor oft falsch entsorgt, erklärt die Leiterin Silke Knörlein.Falsch sei auf jeden Fall, irgendwelche Tropfen oder Tabletten ins Klo zu spülen, so Knörlein. Besser sei es zu sammeln, in der Apotheke oder direkt am Wertstoffhof die Arzneimittel zurückzugeben. Dort werden sie dann auch für die Universität gesammelt, so die Leiterin des Zweckverbands für Abfallwirtschaft.

Aufwändige Verfahren – neue Verwendung

Die Uni hat am Chemikum dafür einen speziellen Sammelcontainer für Medikamente aufgestellt. Nach der Sortierung werden im Uni-Labor in mehreren aufwändigen Verfahren die Wirkstoffe aus den Tabletten und Säften gelöst. Nicht für neue Arzneimittel, das ist nach der Medikamentenverordnung auch gar nicht zulässig. Die Chemikalien werden für Tests für Resistenzen oder Unverträglichkeiten aufgearbeitet, in der Arbeitsgruppe Altarzneimittel von Professor Markus Heinrich.

„Über so ein Verwertungskonzept ist es natürlich viel attraktiver für den Bürger, Arzneimittel in der Apotheke zurückzugeben, als sie dort nur abzugeben, damit sie verbrannt werden. Und über dieses Zusammenspiel aus Umwelt, aus Wertschöpfung, aus Vermeidung von Abfall in einer anderen Weise, erhoffen wir uns da zukünftig einen großen Effekt.“ Prof. Markus Heinrich, Pharmazeutische Chemie FAU Erlangen-Nürnberg

Nicht nur nachhaltig – auch wirtschaftlich interessant

Für einige Wirkstoffe rechnet sich dieses Verfahren, und ist für die Uni günstiger, als wenn sie beim Chemikalienhändler gekauft werden müssten. Was in Erlangen funktioniert, soll nun auch im größeren Rahmen geschehen, hofft Professor Heinrich.

„Wir würden das gerne als sogenannte Modellregion etablieren. Den Großraum Erlangen, Fürth, Nürnberg, Forchheim mit einem Konzept, dass soweit bundesweit einzigartig wäre, dass eben Altarzneimittel nicht nur gesammelt werden, sondern auch die Wirkstoffe wiedergeholt und dann für Forschungszwecke wieder eingesetzt werden.“ Prof. Markus Heinrich, Pharmazeutische Chemie FAU Erlangen-Nürnberg

Was in Erlangen klappt, das könnte dann auch bayernweit oder sogar bundesweit funktionieren. Denn so landet dann nur noch ein Teil der teuren Medikamente am Ende in der Müllverbrennung.

© dpa/pa, Christin Klose

Eine Frau hält Tablettenblister in der Hand