BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR24
Bildrechte: BR24

Das ehemalige Verwaltungsgebäude von Siemens in Erlangen ist der Universität Erlangen-Nürnberg übergeben worden. Nach umfangreichen Sanierungsmaßnahmen soll in drei Jahren unter anderem die philosophische Fakultät einziehen.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Uni Erlangen-Nürnberg übernimmt den Himbeerpalast

28.000 Quadratmeter groß ist der sogenannte Himbeerpalast, die ehemalige Hauptverwaltung von Siemens in Erlangen. In wenigen Jahren sollen dort die Geisteswissenschaftler der Uni Erlangen-Nürnberg einziehen. Vorher wartet aber jede Menge Arbeit.

Per Mail sharen
Von
  • Franz Engeser

Die Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg hat den wegen seiner rötlichen Farbe sogenannten Himbeerpalast in Erlangen übernommen. Das ehemalige Verwaltungsgebäude von Siemens soll in den nächsten Jahren zum Geisteswissenschaftlichen Zentrum der Hochschule ausgebaut werden.

Dafür sind zunächst umfangreiche Sanierungs- und Umbaumaßnahmen nötig. Unter anderem ist neben dem denkmalgeschützten Gebäude ein Bibliotheksneubau geplant. Mehr als 100 Millionen Euro sind für diese Maßnahmen veranschlagt. Nach dem Umbau soll ab 2023 ein Großteil der Geisteswissenschaften der FAU im Himbeerpalast angesiedelt werden. Im Zuge dessen ist auch eine Neugestaltung der Philosophischen Fakultät und des Fachbereichs Theologie geplant.

"Der 'Himbeerpalast' bietet hervorragende Räumlichkeiten für die Studentinnen und Studenten. Das ehemalige Siemens-Verwaltungsgebäude zählt als traditionsreicher Ort bis heute zu den markantesten Gebäuden der Stadt und wird in Zukunft mit Lernen und Spitzenforschung zu neuem Leben erweckt." Joachim Herrmann, bayerischer Innenminister

Neues Hörsaalzentrum neben dem Himbeerpalast

Nach dem Umbau kommt der Himbeerpalast auf eine Gesamtfläche von 28.000 Quadratmetern. Das entspricht rund vier Fußallfeldern. Er bietet somit Platz für mehr als 7.000 Studierende sowie 1.000 Mitarbeiter der FAU. Unter anderem sollen dort auch das neue Sprachenzentrum, eine Cafeteria, ein zentrales Servicezentrum für alle Studierenden der FAU sowie das Zentrum für Lehrerinnen- und Lehrerausbildung eingerichtet werden. In weiterem Zug soll direkt nebenan ein neues Hörsaalzentrum entstehen. Dort sollen auch die übrigen Institute der Philosophischen Fakultät unterkommen und gemeinsam mit dem Himbeerpalast das neue geisteswissenschaftliche Zentrum Erlangens bilden.

"[Im Himbeerpalast] errichten wir ein neues geisteswissenschaftliches Zentrum für zukunftsweisende Forschung und Lehre." Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) bei der Übergabe

Universität Erlangen-Nürnberg begeistert

Für die Universität ist die Übernahme des Himbeerpalasts ein wichtiger Schritt, sagte FAU-Präsident Joachim Hornegger. Das Geisteswissenschaftliche Zentrum mache zusammen mit den Investitionen in die Technische und die Naturwissenschaftliche Fakultät Erlangen zu einem attraktiven Ziel für Studierende und wissenschaftliche Spitzenkräfte aus der ganzen Welt. Erlangens Oberbürgermeister Florian Janik (SPD) freut sich bereits jetzt auf ein "junges, quirliges Quartier" rund um das altehrwürdige Gebäude.

"Siemens hat im Himbeerpalast Geschichte geschrieben und ich wünsche den Studentinnen und Studenten, dass sie sich von dem Geist dieses Gebäudes inspirieren lassen werden." Prof. Dr. Ralf P. Thomas, Siemens AG
© Siemens AG
Bildrechte: Siemens AG

Im Lauf der Jahre wurde Erlangen immer mehr zur "Siemens-Stadt"

Inventar des Himbeerpalasts versteigert

Der Himbeerpalast ist in den vergangenen Monaten komplett leergeräumt worden. Die Siemensianer, die bisher im Himbeerpalast gearbeitet haben, sind derweil im benachbarten Siemens-Hochhaus untergekommen und werden in den nächsten Jahren auf den Siemens Campus Erlangen umziehen. Alle Einrichtungsgegenstände des Himbeerpalasts sind in einer der größten Büromöbel-Auktionen Deutschlands versteigert worden.

Bau des Himbeerpalasts: eine technische Meisterleistung

Der Spatenstich für den Himbeerpalast erfolgte im Jahr 1948, nachdem Siemens zentrale Unternehmensbestandteile von Berlin nach Westdeutschland verlagern wollte. Nach fünf Jahren Bauzeit, verteilt über mehrere Bauabschnitte, wurde im Jahr 1953 das Haus feierlich eingeweiht. Denkwürdig ist immer noch die "Hausverrollung": Auf dem Grundstück des Himbeerpalasts stand zuvor ein Doppelwohnhaus. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Wohnraum allerdings Mangelware, weswegen ein Abriss nicht infrage kam. Deswegen wurde das mehr als 600 Tonnen schwere Gebäude angehoben, auf Schienen gestellt und Stück für Stück zu seinem 130 Meter entfernten neuen Standort geschoben. Während der sechs Wochen dauernden Aktion war sogar die Bauleitung in den Doppelhaus untergebracht. Dafür wurde extra ein mobiler Licht- und Telefonanschluss verlegt. 1991 wurde der Himbeerpalast schließlich als erster Nachkriegsbau Erlangens in die Denkmalliste des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege aufgenommen.

© Siemens AG
Bildrechte: Siemens AG

Ein Wohnhaus musste dem Himbeerpalast weichen – und wurde kurzerhand verschoben.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!