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In Bayreuth können Brotaufstrich-Fans ihre selbst gemachten Aufstriche austauschen. Das Foodsharingprojekt "Aufstrichzirkel" besteht aus Teams, die sich wöchentlich ihre Kreationen vorbeibringen.

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Bayreuther teilen Brotaufstriche und sparen dabei Müll

Auf dem Campus der Uni Bayreuth steht gelegentlich eine Kühlbox mit Gläsern, auf denen zum Beispiel "Hase trifft Tahin" steht. Dahinter steckt ein Tauschprojekt, das gegen Lebensmittelverschwendung kämpft: der sogenannte Aufstrichzirkel.

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Von
  • Anja Bischof

Stefanie Propp verrührt mit einem dicken Holzlöffel gekochte und pürierte Karotten mit eingeweichten Sonnenblumenkernen. Mit der Konsistenz und der orangenen Farbe des Brotaufstrichs ist die Studentin zufrieden. Sie gibt noch ein wenig Zitronensaft und ein paar Esslöffel Sesam-Mus, auch Tahin genannt, hinzu, außerdem Salz und Pfeffer. Dann füllt sie den Aufstrich in fünf mit kochendem Wasser sterilisierte Gläser.

Bayreuther Aufstrichzirkel: Jede Woche eine andere Kreation

Für ihr Engagement im Bayreuther Umweltschutzverein "Die Summer e.V." wurde Stefanie Propp erst vor wenigen Tagen mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik ausgezeichnet. Seit mehreren Jahren macht Propp auch beim Aufstrichzirkel mit. Drei davon gibt es derzeit in Bayreuth. Das Prinzip ist simpel, verlangt aber, dass sich jedes Mitglied an die Termine hält. Ein Zirkel besteht aus fünf Teams. Das können einzelne Personen sein – so wie Stefanie Propp – eine Familie oder eine WG. Jede Woche ist ein anderes Team mit der Zubereitung dran und beliefert die anderen an einem bestimmten Tag mit einem Gläschen selbst gemachtem Brotaufstrich.

Website soll Organisation bekannter machen

Die Idee des Aufstrichzirkels begeistert auch den Oliver Wittek. Die Spezialität des Lebensmittelchemikers, der an der Uni Bayreuth arbeitet: süße Aufstriche wie beispielsweise Rhabarbermarmelade mit ganzen Pistazien. Gemeinsam mit Stefanie Propp hat er eine Website über die Zirkler entwickelt. Dort steht alles über das Konzept und es gibt Rezepte und Tipps für die hygienische Zubereitung. "Außerdem können sich Aufstrichzirkel von überall über diese Seite organisieren", sagt Wittek und klickt auf eine Landkarte. Viele kleine Fähnchen zeigen an, wo es bereits Aufstrichzirkel gibt. "Es werden immer mehr", freut sich Stefanie Propp.

Mit Genuss gegen Lebensmittelverschwendung

Das Konzept Aufstrichzirkel gibt es schon lange. Stefanie Propp und Oliver Wittek haben es sich zur Aufgabe gemacht, es bekannter zu machen oder anzuregen, selbst einen Zirkel zu gründen. Auf der neuen Website wollen sie in Zukunft Workshops zur Herstellung von Aufstrichen anbieten. Doch Genuss ist nur ein Aspekt beim Aufstrichzirkel.

"Es geht uns auch darum, die Lebensmittelverschwendung einzudämmen. Wir wollen zeigen, wie man Lebensmittel haltbar machen kann, damit weniger in der Tonne landen." Oliver Wittek, Mitglied eines Aufstrichzirkels

Regionale oder saisonale Zutaten: Mitglieder bestimmen selbst

Jeder Aufstrichzirkel legt seine eigenen Regeln fest. Zum Beispiel, ob ein Aufstrich vegan oder vegetarisch sein soll, ob gewisse Dinge wegen Allergien ausgeschlossen werden, oder ob nur saisonale und regionale Bioprodukte verwendet werden sollen. Bei Stefanie Propps Zirkel kommen nur pflanzliche Produkte ins Glas. Die Zutatenliste notiert jeder auf dem Etikett und gibt seinem Aufstrich einen witzigen Namen.

Uni Bayreuth als Aufstrich-Umschlagplatz

"Hase trifft Tahin" schreibt Stefanie Propp in Schönschrift auf ihre Aufkleber, packt die noch warmen Gläschen in den Rucksack und fährt zur Uni. Es ist Mittwoch. Bis 12 Uhr sollen die Aufstrichgläser in einer isolierten Box auf dem Campus stehen. Dort holen die anderen Teams aus Stefanies Zirkel ihre Portionen ab. Die Box ist mit einem Fahrradschloss gesichert, dessen Code nur die Mitglieder des Aufstrichzirkels kennen. "Man kann die Gläser auch persönlich zu den anderen Teams bringen oder einen Kühlschrank im Büro nutzen", erklärt Stefanie Propp, während sie an den Zahlenrädchen dreht.

Jede Woche eine Überraschung

In den kommenden vier Wochen darf sie sich jeden Mittwoch ein Glas aus der Box nehmen. "Es ist immer spannend, was drin sein wird", sagt Stefanie Propp. Oliver Wittek ergänzt: "Wenn kreative Köpfe unter den Teams sind, haut es einen manchmal aus den Latschen, weil die Aufstriche so lecker sind."

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Karotte, Sonnenblumenkerne und ein paar Gewürze: Stefanie Propp präsentiert ihren Brotaufstrich.

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