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Ungelöste Fälle in Bayern: Mord verjährt nicht | BR24

© David Ebener/dpa

2001 verschwand in Oberfranken die damals neunjährige Peggy spurlos. Bis heute ist der Fall nicht aufgeklärt.

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    Ungelöste Fälle in Bayern: Mord verjährt nicht

    Ob Peggy, Maria Baumer oder Monika Frischholz - viele spektakuläre Kriminalfälle werfen auch nach Jahren noch Fragen auf. Es gibt immer wieder neue Erkenntnisse, nicht zuletzt durch neue Technik. Die Ermittler bleiben dran.

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    Immer wieder rollt die Kripo alte ungeklärte Mordfälle auf - sogenannte Cold Cases. Durch neue Verfahren erhöht sich die Aufklärungsquote. Doch es gibt auch weiterhin genug Fälle, die schon seit Jahren oder gar Jahrzehnten die Ermittler beschäftigen. Darunter sind auch die ungelösten Kriminalfälle Monika Frischholz, Maria Baumer oder Peggy.

    Vor 42 Jahren verschwunden: Kripo Weiden ermittelt weiter im Fall Monika Frischholz

    Im Fall der vor 42 Jahren in Flossenbürg verschwundenen Monika Frischholz prüft die Kripo Weiden neue Hinweise. Nach Angaben der Polizei gibt es neue Informationen zum Verschwinden der damals Zwölfjährigen. Die bereits im Dezember gegründete "Ermittlungsgruppe Froschau" ist demnach mit 50 Personen im Kontakt, die sich zu dem Fall äußern. Einige hätten bereits früher ausgesagt, andere wurden zum ersten Mal befragt.

    Die neuen Erkenntnisse motivierten die Ermittler, intensiv an dem Fall weiterzuarbeiten, so der Leiter der Ermittlungsgruppe. Die Staatsanwaltschaft Weiden zeigt sich ebenfalls optimistisch, den Fall aufzuklären. Ein Gerücht will die Polizei aber entkräften: Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass sich die Leiche der Zwölfjährigen in einem Flossenbürger Steinbruch befinde.

    Die Polizei bittet um Hinweise. Das Bayerische Landeskriminalamt hat eine Belohnung von 10.000 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Aufklärung der Tat führen können.

    © BR

    Monika Frischholz verschwand 1976 in Flossenbürg. Sie war damals 12 Jahre alt.

    Pilzsucher fanden skelettierte Leichenteile – Maria Baumer

    Im Mai 2012 verschwand Maria Baumer. 16 Monate nach ihrem Verschwinden fanden Pilzsucher das Skelett der 26-Jährigen in einem Wald bei Bernhardswald (Landkreis Regensburg). Bis heute ist ungeklärt, wer die Frau umgebracht hat. Zunächst verdächtigte die Polizei den Verlobten der Frau. Er saß vorübergehend in Untersuchungshaft, wurde aber im November 2013 wieder freigelassen. Erst im Januar 2018 wurden die Ermittlungen gegen den Mann dann endgültig eingestellt.

    Allerdings ist der Fall für die Polizei nicht abgeschlossen. Wenn sich neue Hinweise ergäben, würde er wieder aufgerollt, sagte Dietmar Winterberg vom Polizeipräsidium Oberpfalz dem BR. Von Zeit zu Zeit nehme man sich so einen Fall wieder vor. Schon aufgrund von DNA-Analyse-Methoden, die es damals noch nicht gab, bestehe die Möglichkeit, solche Fälle doch noch zu lösen, so Winterberg weiter. Die Arbeit an einem sogenannten Cold Case bedeute für die Polizei vor allem akribisches Aktenstudium.

    Ursula Herrmann: Zweifel an Schuld des Verurteilen

    1981 wurde Ursula Herrmann aus Eching am Ammersee entführt. Man fand die Zehnjährige später erstickt in einer vergrabenen Holzkiste. Verurteilt wurde für die Tat 2010 Werner M., aber nicht wegen Mordes, sondern wegen erpresserischen Menschenraubs mit Todesfolge. Es war ein Indizienprozess. Einen direkten Beweis gegen ihn gab es nicht, er selbst bestreitet die Tat.

    Der Bruder von Ursula Herrmann hat auf eigene Faust recherchiert und der Staatsanwaltschaft Augsburg Indizien vorgelegt. Sie lassen auf eine junge Tätergruppe schließen. Spuren führen zu Schülern eines Privat-Internats. Michael Herrmann will, dass in dem Fall neu ermittelt wird.

    2001 verschwand Peggy K. aus Lichtenberg

    Im Jahr 2001 ist die damals neunjährige Peggy K. aus Lichtenberg im Landkreis Hof spurlos verschwunden. 2004 wurde der geistig behinderte Gastwirtssohn Ulvi K. als ihr Mörder verurteilt. In einem aufwändigen Wiederaufnahmeverfahren wurde er zehn Jahre später freigesprochen. Im Juli 2016 fand ein Pilzsammler in einem Waldstück an der bayerisch-thüringischen Grenze die sterblichen Überreste von Peggy. Im Oktober des gleichen Jahres vermuten Polizei und Staatsanwalt einen Zusammenhang mit dem NSU. Bei den Knochen von Peggy wurde DNA von Uwe Böhnhardt gefunden.

    Ein halbes Jahr später räumen die Ermittler ein, dass ihnen eine Panne passiert ist. Bei der Spurensicherung wurde das gleiche Werkzeug verwendet wie in Böhnhardts ausgebranntem Wohnwagen. 2018 ist Manuel S. ins Zentrum der Ermittlungen der Soko Peggy gerückt. Bei den Knochen von Peggy wurden Torf und Farbreste von Renovierungsarbeiten gefunden, die auf ihn hindeuteten. Im September hat er gestanden, dass er das tote Mädchen an einer Bushaltestelle in Lichtenberg von einem anderen Mann übernommen hat. Er soll noch versucht haben, sie wiederzubeleben. Dann soll er die Leiche in einem Waldstück an der bayerisch-thüringischen Grenze abgelegt haben.

    Aktuell wird gegen die Ermittler selbst ermittelt

    Weil kein dringender Tatverdacht gegen ihn bestand, blieb er auf freiem Fuß. Im Dezember hat er sein Teilgeständnis widerrufen. Mitte Dezember wurde ein Haftbefehl wegen Mordes gegen ihn erlassen. Am Nachmittag des Heiligen Abends wurde er wieder freigelassen. Die Ermittler konnten ihm den dringenden Tatverdacht wegen Mordes nicht nachweisen. Die Ermittlungen der 30-köpfigen Soko Peggy gehen weiter.

    Derzeit wird allerdings gegen die Ermittler selbst ermittelt. Sie hatten mehreren Menschen in Lichtenberg Tonaufnahmen von einem Gespräch zwischen Ulvi K. und seinem Vater aus dem Jahr 2002 vorgespielt, die offenbar heimlich aufgenommen worden waren. Darin soll Ulvi gesagt haben, dass er und Manuel S. dabei gewesen seien, als Peggy im Mai 2001 ums Leben gekommen sei. Die Staatsanwaltschaft Würzburg ermittelt wegen des Verdachts einer Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes. Die Staatsanwaltschaft prüft außerdem, ob eine Verletzung des Dienstgeheimnisses und der Geheimhaltungspflicht vorliege.

    DNA-Analyse lässt alte ungelöste Kriminalfälle wieder aufleben

    © David Ebener / dpa

    Die Ermittlungen der 30-köpfigen Soko Peggy gehen weiter. Derzeit wird allerdings gegen die Ermittler selbst ermittelt.

    Der große Sprung im sogenannten Cold-Case-Management kam durch die DNA-Analyse. Heute reichen bereits ein Haar mit Wurzel oder eine Zigarettenkippe, um einen Täter zu überführen. Früher brauchte man noch größere Blutmengen. Hinzu kommen neue Verfahrenstechniken, wie psychologische Erkenntnisse von Profilern; und zuletzt können manche Spuren technisch erst heute festgestellt werden. In Augsburg landen sie auf dem Schreibtisch von Kripo-Kommissar Helmut Sporer:

    "Heute sind Dinge möglich, die vor 25 Jahren undenkbar waren. Und im Bereich DNA, da kenne ich die Anfänge der 90er-Jahre, da war es noch ein sehr seltenes Beweismittel, und heute ist es das Hauptbeweismittel, also unser tägliches Brot für Kriminalbeamte." Kripo-Kommissar Sporer

    Viele aufgeklärte Fälle durch DNA-Analysedatei

    Seit 20 Jahren gibt es die DNA-Analyse als kriminalistisches Werkzeug. Seither wurde in Wiesbaden beim Bundeskriminalamt eine DNA-Analysedatei eingerichtet. Mit Hilfe dieser Datei konnten allein in Bayern mehrere Tausend Delikte geklärt werden.

    Dennoch gibt es weiterhin unzählige ungelöste Kriminalfälle. Allein in München sind es seit 1960 254 ungeklärte Todesfälle. Darunter auch der Fall Michaela Eisch, die am 17. Mai 1985 im Alter von nur acht Jahren in München ermordet wurde. Nachträglich habe man hier eine DNA-Spur sichern können, sagt der Münchner Polizeisprecher Werner Kraus:

    "Dann hat es hier eine Massen-DNA-Untersuchung vor einigen Jahren gegeben, leider konnte der Täter jedoch nicht ermittelt werden. Beim Isarmord handelt es sich noch nicht um einen 'ausermittelten' Fall. Hier werden immer noch Ermittlungen durchgeführt, die Beamten sind jedoch weniger geworden. Erst wenn der Fall total 'ausermittelt' ist, wird der Fall vorerst zu den Akten gelegt, wobei ja Mord nicht verjährt und somit der Fall immer wieder aufgegriffen werden kann." Polizeisprecher Kraus

    So auch der Mordfall in München an einer Verkäuferin im Jahr 1985. Exakt 25 Jahre später konnte durch eine neue technische Methode eine Handflächenspur neu zugeordnet werden. Der Täter lebte mittlerweile in Nordrhein-Westfalen und legte beim Eintreffen der Münchner Mordkommission an seinem Wohnort auch sogleich ein Teilgeständnis ab. Durch die bessere Aufklärungsrate schwinden mittlerweile die ungeklärten Mordfälle, und so gibt es immer weniger Altfälle, die von der Polizei nochmals neu aufgerollt werden müssen.

    Sendung

    B5 Bayern

    Von
    • Daniel Knopp
    • Sebastian Wintermeier
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