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Ungarische Pute, bayerisches Etikett - Kritik an Tiertransporten | BR24

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Teilweise fahren Puten über 500 Kilometer, bis sie aus Osteuropa an einen oberbayerischen Schlachthof gelangen. Ein qualvoller Transport, kritisiert die Soko Tierschutz – und am Ende kann auf dem Etikett des marinierten Fleischs "BY" stehen.

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Ungarische Pute, bayerisches Etikett - Kritik an Tiertransporten

Teilweise fahren Puten über 500 Kilometer, bis sie aus Osteuropa an einen oberbayerischen Schlachthof gelangen. Ein qualvoller Transport, kritisiert die Soko Tierschutz – und am Ende kann auf dem Etikett des marinierten Fleischs "BY" stehen.

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Ein großer Schlachthof im Landkreis Mühldorf bezieht Puten über weite Transportstrecken aus dem Ausland. Das zeigen Recherchen des Vereins Soko Tierschutz. Die Tiere stammen unter anderem aus Ungarn und Tschechien und sind teilweise über 500 Kilometer im Lkw-Anhänger unterwegs. Gerade in der Sommerhitze sei der Transport eine enorme Strapaze für die Tiere, viele überleben die Fahrt nicht, sagt Friedrich Mülln, der Vorsitzende der Soko Tierschutz.

Puten in Transporter geschleudert und getreten

Verdeckte Aufnahmen beim Beladen zeigen, wie Arbeiter die Puten mit voller Wucht in den Transporter schleudern. Auf anderen Videos ist zu sehen, wie sie Tiere mit dem Fuß in Käfige treten. Mastbetriebe hierzulande haben unter anderem aus immissionsschutzrechtlichen Gründen meist eine Größe von 10.000 bis 20.000 Tieren. In Osteuropa sind dagegen Unternehmen mit über 100.000 Tieren keine Seltenheit. Entsprechend günstiger lassen sich die Tiere großziehen, bedingt auch durch niedrigere Löhne in den jeweiligen Ländern.

Betrieb: Deutsches und Import-Fleisch getrennt deklariert

Der besagte Schlachthof im Landkreis Mühldorf teilte auf BR-Anfrage schriftlich mit, dass 90 Prozent der Puten aus deutschen Aufzuchtbetrieben stammen. Deutsches und importiertes Putenfleisch werde im Betrieb getrennt und als solches auch deklariert.

Mariniertes Fleisch: Aufzuchtsland muss nicht auf die Verpackung

Allerdings: Für den Verbraucher ist allein durch die Verpackung generell schwer ersichtlich, ob Fleisch aus Deutschland kommt. Denn die europäische Gesetzgebung lässt durch sogenannte "Veredelungsschritte" eine Lücke.

Wird das Fleisch beispielsweise mariniert, muss der Betrieb nicht mehr das Land der Aufzucht angeben. Auf der Packung findet sich dann etwa ein "BY" für Bayern.

Tiere oft entkräftet und verletzt

Extrem lange Transportfahrten sind grundsätzlich nicht illegal. Laut Tierschutzverordnung dürfen Puten zwölf Stunden ohne Zugang zu Futter und Wasser befördert werden, auch wenn die generelle Empfehlung eine maximale Dauer von acht Stunden vorsieht. Durch das Einfangen und den Stress beim Transport ist der Stoffwechsel der Tiere oft stark erhöht, sodass Notvorräte im Körper rasch aufgezehrt werden. Beim Verladen verletzen sich die Truthühner häufig und erleiden Knochenbrüche oder Blutungen.

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In den letzten Tagen wird vermehrt eine Verschärfung des Tierschutzes gefordert. Ein großes Problem bleibt aber: Für den Verbraucher ist oft nicht zu erkennen, woher das Fleisch überhaupt stammt.