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Ein Prozent der jährlich knapp 700.000 Neugeborenen in Deutschland ist durch eine künstliche Befruchtung entstanden - das sind immerhin 7.000 Babys. Manchmal kann der Weg zum Wunschkind sehr viel Kraft kosten.

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Unerfüllter Kinderwunsch: Moderne Medizin kann helfen

Ein Prozent der jährlich knapp 700.000 Neugeborenen in Deutschland ist durch eine künstliche Befruchtung entstanden - das sind immerhin 7.000 Babys. Manchmal kann der Weg zum Wunschkind sehr viel Kraft kosten.

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Von
  • Christina Haas

Maike Fischer im Sommer 2019. Die 36-Jährige aus dem mittelfränkischen Mörlach unterzieht sich einer Hormontherapie, unterstützt und steuert damit Eizellreifung und Eisprung mit Medikamenten. Ihr größter Wunsch ist es, noch einmal schwanger zu werden. "Ich hoffe natürlich, dass es klappt“, sagt Maike. Gleichzeitig wissen sie und ihr Mann Jens um das große Glück, das sie mit Ole haben. Ihr gemeinsamer Sohn ist zu dem Zeitpunkt vier Jahre alt und spielt im Sandkasten. Maike und Jens holen ihr Fotoalbum heraus, zeigen das erste Ultraschallbild von Ole. Die Schwangerschaft wäre ohne künstliche Befruchtung nicht möglich gewesen.

2011 erkrankte Maike Fischers Mann Jens an Krebs. Die Ärzte rieten ihm Samenzellen einzufrieren. Denn durch die Chemotherapie droht Unfruchtbarkeit. Das Paar heiratete und stellte sich auf einen mühsamen Weg des Kinderkriegens ein. "Wir haben es vorher auch gehört, dass es bei den ersten drei Malen irgendwann klappen kann“, erzählt Jens. Doch es kam anders. Maike wurde gleich beim ersten Mal schwanger.

Sorgen und Ängste miteinander teilen

Jetzt soll Ole ein Geschwisterchen bekommen. Papas Krebs ist besiegt. Maike Fischer ist wieder in Behandlung am Kinderwunschzentrum der Universitätsklinik Würzburg. Das Paar ist sich unsicher, da in der Familie auch Vorerkrankungen aufgetreten sind. "Ich glaube, das Wichtigste ist einfach alle Sorgen und Ängste miteinander zu teilen. Also ganz offen über jeden Schritt zu sprechen."

Der Weg ins Kinderwunschzentrum

Durch die Hormonbehandlung produziert der weibliche Körper nicht nur eine Eizelle, wie im normalen Zyklus, sondern mehrere. Die Entnahme erfolgt unter Narkose. Alle geeigneten Eizellen werden im Labor unter dem Mikroskop mit Sperma befruchtet. Sobald sich nach drei Tagen ein Achtzellembryo entwickelt hat, kann der Transfer stattfinden. Laut Embryonenschutzgesetz, dürfen der Frau ein bis drei befruchtete Eizellen eingesetzt werden - durch die Scheide in die Gebärmutterhöhle.

"Da ist so viel Liebe dabei!"

Viele Freunde von Maike und Jens konnten den Schritt zu einer künstlichen Befruchtung nicht nachvollziehen. Das Paar musste sich Sätze anhören, wie: "Da ist ja gar keine Liebe direkt dabei." Maike ist immer noch bestürzt und gleichzeitig enttäuscht, wie jemand so etwas behaupten kann und bestätigt: "Da ist so viel Liebe dabei!" Genau aus diesem Grund wollen sie und ihr Mann das Thema nicht länger verschweigen, offen darüber reden und anderen Mut machen. Außerdem war es für Maike oft nicht einfach, Hormonbehandlung und spontane Klinikbesuche mit ihrem Arbeitsalltag als Agrarwissenschaftlerin zu vereinbaren.

Erstes Deutsche Baby durch künstliche Befruchtung

Dr. Laura Lotz ist Oberärztin an der Frauenklinik in Erlangen und erlebt tagtäglich, dass der Weg zum Wunschkind manchmal sehr viel Kraft kosten kann. "Im Vergleich zu den Anfängen der künstlichen Befruchtung, gehen die meisten Paare mittlerweile deutlich offener mit der Thematik des unerfüllten Kinderwunsches um", sagt Dr. Laura Lotz. Sie arbeitet an einem geschichtsträchtigen Ort: 1982 kam an der Universitätsklinik Erlangen das erste deutsche Baby durch In-vitro-Fertilisation – also "Befruchtung im Glas" zur Welt. Erlangen war damit Vorreiter, mit dem sechsten Baby, das durch künstliche Befruchtung geboren wurde.

Fruchtbarkeit nimmt ab 30. Lebensjahr ab

Zehn bis fünfzehn Prozent aller Paare in Deutschland sind von einer ungewollten Kinderlosigkeit betroffen. Die Faktoren sind vielfältig und können sowohl bei der Frau als auch beim Mann liegen. Gestörte Spermienproduktion durch Entzündungen, hormonelle Störungen, aber auch Lebensstilfaktoren oder Umwelteinflüsse sind einige der vielfältigen Faktoren. Übermäßiger Alkoholkonsum, Rauchen, Über- oder Untergewicht wirken sich beispielsweise negativ auf die Fruchtbarkeit aus. "Ein wichtiger Faktor, den viele Paare unterschätzen, ist das fortgeschrittene Alter der Frauen", sagt Dr. Lotz. Die Fruchtbarkeit nehme bereits ab dem dreißigsten Lebensjahr ab und nicht erst mit vierzig Jahren, wie viele denken.

Die Erfolgsrate einer künstlichen Befruchtung liegt zwischen 30 und vierzig Prozent. Bei verheirateten Paaren übernimmt die Krankenkasse in der Regel die Hälfte der Kosten von drei Versuchen. Für die Patienten macht das im Schnitt einen Eigenanteil von rund 1.500 Euro pro Therapie.

Wunsch und Wirklichkeit

Zurück zu Maike und Jens. Der Versuch, ein zweites Baby auf dem Weg der künstlichen Befruchtung zu bekommen, ist dieses Mal alles andere als einfach. Fünf erfolglose künstliche Befruchtungen sind nicht spurlos an Maike vorbeigegangen. "Es kostet einfach auch viel Kraft, einerseits natürlich körperlich, andererseits emotional ganz stark, eben mit den Hochs und Tiefs die dazugehören", sagt Maike. Das Paar hat noch Spermien eingefroren, doch das Projekt "Kinderwunsch" liegt derzeit erst einmal auf Eis und die junge Familie genießt ihr Glück, das sie bis hierher erfahren durften.

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