BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Bahnübergänge: Mehr Sicherheit braucht Zeit | BR24

© BR

In der letzten Zeit hat es mehrere Unfälle an unbeschrankten Bahnübergängen gegeben. Die Hälfte aller Bahnübergänge in Bayern ist unbeschrankt. Welche Regeln gelten eigentlich an diesen Übergängen?

21
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Bahnübergänge: Mehr Sicherheit braucht Zeit

Zuletzt gab es mehrere Unfälle an unbeschrankten Bahnübergängen in Bayern. Dabei reduziert die Deutsche Bahn seit Jahren diese Risikostellen. Schneller soll es eigentlich auch mit einer Gesetzesänderung gehen - doch bis die greift, dürfte es dauern.

21
Per Mail sharen

Ein zerbeulter Transporter, die Seitentür hängt noch am Regionalzug: So sah es Mitte Juli an einem unbeschrankten Bahnübergang in Ruhstorf bei Passau aus. Der Fahrer des Transporters hatte offenbar ein Warnsignal nicht beachtet und war auf die Schienen gefahren, wo der Zug den Wagen erfasste.

In Ruhstorf war es nicht der erste Unfall an einem solchen Übergang. Von den insgesamt 18 Bahnübergängen im Gemeindegebiet sind bis auf drei alle unbeschrankt. Seit Jahren wünschen sich viele in Ruhstorf deshalb mehr Sicherheit. Doch bislang waren dem Grenzen gesetzt.

"So ein Umbau ist sehr kostenintensiv", sagt der erste Bürgermeister Andreas Jakob. "Wir mussten manchmal Kompromisse eingehen, weil wir die Haushaltsmittel nicht hatten."

© BR

Unbeschrankte Bahnübergänge sind Risikostellen. Die Bahn möchte sie umbauen. Oft scheitert dies an den Kosten oder Grundstücken, die nicht abgegeben werden. Auch eine Gesetzesänderung bringt noch nicht den gewünschten Effekt.

Hälfte der Bahnübergänge in Bayern unbeschrankt

Wie dem Ruhstorfer Bürgermeister geht es vielen in Bayern. So kommt es, dass laut Deutscher Bahn von den insgesamt 3.131 Bahnübergängen in Bayern (Stand 2018) nur etwa die Hälfte "technisch gesichert" ist. An 1.631 gibt es hingegen keine Schranke.

Dabei arbeitet die Bahn seit Jahren daran, die Zahl der Übergänge ohne Schranken genauso zu reduzieren wie deren Gesamtzahl. 2014 gab es noch insgesamt 3.454 Bahnübergänge im Freistaat.

Ersparnis für Gemeinden pro Projekt: Hundertausende Euros

In Zukunft soll es schneller gehen, so die Hoffnung einiger, seit im März eine Gesetzesänderung in Kraft trat. Diese regelt die Finanzierung bei Arbeiten an Übergängen – und entlastet die Gemeinden: Bislang teilten sich Bund, Bahn und Kommunen die Kosten in der Regel zu je einem Drittel. Mit der Gesetzesänderung übernehmen nun Bund, Bahn – und die Länder.

Bei einem Umbau über eine Million Euro können die Gemeinden so beispielsweise gut 300.000 Euro sparen und trotzdem von der verbesserten Infrastruktur entlang der Schiene profitieren. "Ich sehe da durchaus Anlass für neue Anträge und gehe davon aus, dass das viele Gemeinden machen", sagt der Ruhstorfer Bürgermeister Andreas Jakob.

Manche Gemeinden kennen Gesetzesänderung noch gar nicht

Ganz so schnell dürfte sich in der Praxis allerdings noch nichts ändern, wie eine BR-Stichprobe zeigt. Manche Gemeinden kennen die finanzielle Erleichterung noch gar nicht. Andere wiederum beginnen jetzt erst mit der Planung, welche Projekte sie eventuell angehen wollen.

Wichtig für bereits laufende Projekte: Entscheidend ist der 12. März 2020, der Stichtag des Gesetzes. Baukosten, die bis dahin angefallen sind, muss eine Gemeinde noch selbst tragen – alles danach nicht mehr.

Leichtere Finanzierung kann nicht alle Probleme lösen

Mit der Finanzierung alleine ist es bei solchen Projekten jedoch längst nicht getan. Denn ein Umbau braucht oft neue Anlagen und diese mehr Platz. Und wenn sogar ein kleiner Bahnübergang zugunsten anderer ganz geschlossen werden soll, kann das auch neue Straßen nötig machen.

Solchen Schritten müssen dann mitunter aber auch die Anwohner zustimmen – oder sogar bereit sein, einen Teil eines Grundstücks dafür abzugeben. "Deswegen sind wir nach wie vor natürlich auf die Kooperation und die Mithilfe der Kommunen angewiesen", sagt Michael Schmidt, Bahnsprecher in Bayern.

Manche Gemeinden: Fast alle Bahnübergänge ohne Schranken

Auch Johannes Lohwasser kennt die Krux mit den Grundstücken. Er ist erster Bürgermeister in Fischbachau im Landkreis Miesbach mit neun Bahnübergängen, wovon acht keine Schranke haben. "Ein Wander- oder Forstweg kann für den Eigentümer wichtig sein, selbst wenn er kaum öffentlich genutzt wird", sagt Lohwasser.

Dieses Dilemma bleibt trotz leichterer Finanzierung: Nur wenn sich alle einigen, geht etwas voran. Andernfalls bleibt alles beim Alten: die Bahnübergänge offen – und manche auch weiterhin ohne Schranken.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!