Ein Schweinekopf vor dem Wohnhaus eines unterfränkischen Bürgermeisters
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Ein Schweinekopf vor dem Wohnhaus eines unterfränkischen Bürgermeisters

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Unbekannte legen Schweineköpfe vor Häuser von Bürgermeistern

Vor den Häusern eines unterfränkischen Bürgermeisters und seines Stellvertreters haben Unbekannte Schweineköpfe abgelegt. Die Hintergründe sind unklar, die Kripo ermittelt. Der Bürgermeister zeigte sich schockiert – und erfährt viel Solidarität.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus Mainfranken am .

"Das ist kein dummer Streich. Das geht nicht spurlos an meiner Familie vorbei." Der erste Bürgermeister einer kleinen Gemeinde im Landkreis Rhön-Grabfeld zeigte sich im Gespräch mit BR24 entsetzt. Unbekannte haben in der Nacht von Donnerstag auf Freitag einen Schweinekopf – in zwei Hälften geteilt – vor seiner Haustüre abgelegt.

Auch vor der Türe seines Stellvertreters war ein Schweinekopf drapiert – aufgespießt auf dem Gartenzaun. Die Kripo Schweinfurt ermittelt und bittet um Zeugenhinweise.

Hintergründe der Tat sind unklar

Da es sich um Taten gegen Mandatsträger – wie hier Kommunalpolitiker – handelt, ermitteln speziell geschulte Beamte, heißt es. Über die Hintergründe der Taten ließe sich nur mutmaßen, sagt der Bürgermeister. Es gebe zwar aktuelle Themen in der Gemeinde, die viele Bürger beschäftigen und als Kommunalpolitiker müsse man sich natürlich ein dickes Fell zulegen. "Aber bei keinem Thema gibt es eine Berechtigung, dass es so eskaliert", so der Bürgermeister weiter. Er gehe davon aus, dass eine Mitbürgerin oder ein Mitbürger der 850-Einwohner-Gemeinde die Schweineköpfe verteilt habe.

Bürgermeister-Kollegen zeigen Solidarität

Zwar möchte der ehrenamtliche Bürgermeister der Situation nicht so viel Raum geben. Trotzdem sei es ihm wichtig, darüber zu sprechen: "Ich finde das sehr bedenklich, wenn so etwas passiert. Ist dann überhaupt noch jemand bereit, ein Amt in der Kommunalpolitik zu übernehmen?" Seit dem Vorfall erlebe er eine "unglaubliche Solidarität" von anderen Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern.

Innenministerium: Angriffe auf die Demokratie

Auch anderswo in Bayern sind in den vergangenen Jahren immer wieder Politiker zum Ziel von Bedrohungen und Attacken geworden. So hatte vor wenigen Jahren eine Politikerin einer kleinen Gemeinde in Niederbayern tote Mäuse per Post geschickt bekommen. Des Weiteren gab es in jüngster Vergangenheit Schmierereien an dem Privathaus eines Politikers und zahlreiche Hassbotschaften, die online verschickt wurden. Auch körperliche Angriffe auf Politiker fanden statt – zuletzt war ein fränkischer Kommunalpolitiker attackiert und verletzt worden.

Im Mai 2022 betonte das bayerische Innenministerium auf Anfrage: "Angriffe auf Amts- und Mandatsträger sind immer auch Angriffe auf die Demokratie. Es darf nicht toleriert werden, dass sich Bürgerinnen und Bürger aus Angst vor Anfeindungen und Hetze nicht oder nicht mehr für öffentliche Ämter zur Verfügung stellen, beziehungsweise in der Ausübung ihres Mandats eingeschränkt werden."

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