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Unbefristeter Streik bei Voith: "Wir schreiben schwarze Zahlen" | BR24

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Bei dem Maschinenbauer Voith Turbo in Sonthofen - dem größten Arbeitgeber der Stadt - sind heute die Mitarbeiter in einen unbefristeten Streik getreten. Die Beschäftigten wollen damit die geplante Standortschließung verhindern.

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Unbefristeter Streik bei Voith: "Wir schreiben schwarze Zahlen"

Bei dem Maschinenbauer Voith Turbo in Sonthofen - dem größten Arbeitgeber der Stadt - sind heute die Mitarbeiter in einen unbefristeten Streik getreten. Die Beschäftigten wollen damit die geplante Standortschließung verhindern.

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Mit Trillerpfeifen, in roten IG-Metall-T-Shirts und mit großen Gewerkschafts-Fahnen verließen die Mitarbeiter Punkt 10 Uhr das Voith-Werk in Sonthofen. Die meisten der rund 500 Beschäftigten legen laut der Betriebsratsvorsitzenden Birgit Dolde die Arbeit auf unbestimmte Zeit nieder. Mit dem Streik wollen sie die Werksschließung im letzten Moment noch abwenden. "Wir haben sechs Monate versucht zu reden, es gab ein Alternativkonzept. Und das ist für uns die letzte Möglichkeit zu sagen: Wir wehren uns gegen diese Schließungspläne", so Birgit Dolde.

Voith will Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern

Vor einem halben Jahr hat die Voith-Konzernleitung mit Sitz im württembergischen Heidenheim das Aus für den Traditionsstandort Sonthofen bis Ende 2020 verkündet. Das Unternehmen will die Produktion von Spezialgetrieben in seinen größeren Werken konzentrieren, um nach eigenen Angaben seine Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit langfristig zu sichern.

"Wir schreiben schwarze Zahlen"

Für Mitarbeiter wie Birgit Dolde ist die Schließung des Standorts Sonthofen nicht nachvollziehbar: "Die erste Begründung war, dieser Standort ist nicht wirtschaftlich. Das wurde widerlegt. Wir schreiben schwarze Zahlen. Die Begründung, dass wir Strukturkosten sparen müssen – da sind wir uns sicher, dass diese Schließung nichts spart. Wir sind uns auch sicher, dass unser Produkt an einem anderen Standort nicht funktionieren wird und unser Produkt mit stirbt. Das sind alles Gründe, dass wir sagen: Können wir absolut nicht nachvollziehen."

Voith hält an Schließung fest

Voith will an der Schließung festhalten: "Wir sind davon überzeugt, dass die von der IG Metall Allgäu initiierte Arbeitsniederlegung für die Mitarbeiter in Sonthofen zu keinem Ergebnis führen wird. Wir setzen auf den Dialog mit dem Gesamtbetriebsrat, um gute und einvernehmliche Lösungen für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an allen betroffenen Standorten zu finden“, so Mathias Mörtl, Mitglied der Geschäftsleitung von Voith Turbo.

Die beteiligten Parteien würden wie geplant im Rahmen des Einigungsstellenverfahrens über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan für das gesamte Produktionsnetzwerk von Voith Turbo in Deutschland verhandeln. Gemeinsames Ziel der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite sei es, zeitnah Planungssicherheit für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schaffen und ihnen konkrete Zukunftsperspektiven aufzuzeigen. Das Gremium wird spätestens am 4. Mai 2020 erstmals tagen.

"Konstruktiver Austausch"

"Das Einigungsstellenverfahren ist das richtige Forum zur Verhandlung und Vereinbarung geeigneter Maßnahmen für Voith Turbo deutschlandweit, aber auch und besonders für den Standort Sonthofen. Der Austausch mit dem Gesamtbetriebsrat ist konstruktiv und wir rechnen zeitnah mit konkreten Ergebnissen", erklärt Mörtl.

Wie lange der Streik in Sonthofen dauern wird, ist unklar. Laut der Betriebsratsvorsitzenden könnten die Mitarbeiter notfalls monatelang im Ausstand bleiben. Das Voith-Werk ist der größte Arbeitgeber in der Oberallgäuer Stadt.

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Unbefristeter Streik bei Voith