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Unabhängig vom Weltmarkt: Bio-Bauer vermarktet Produkte selbst | BR24

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Mit den Kühen machen die Milchbauer ihr Geschäft, männliche Kälber werden deshalb meist zu Spottpreisen und mit langen Transportwegen ins Ausland verkauft. Da wollen einige Landwirte aber nicht mehr mitmachen ...

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Unabhängig vom Weltmarkt: Bio-Bauer vermarktet Produkte selbst

Derzeit sind die Preise, die Bauern für Fleisch bekommen, extrem niedrig. Ein Bauer aus der Oberpfalz hat sein Geschäft bewusst nicht auf den internationalen Handel ausgerichtet. Das erweist sich jetzt als ein gutes Konzept.

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Von
  • Anne-Lena Schug

Viele Schweinehalter in Bayern konkurrieren mit Schweinehaltern auf der ganzen Welt. Michael Beer aus Bernhardswald im Landkreis Regensburg hingegen sagt, er sei nur von den Regensburgern abhängig. Denn er liefert sein Fleisch vom Schwein und Rind nicht bei großen Schlachtkonzernen ab, sondern vermarktet es in der Region. Sein Geschäft hat dadurch auch während Corona keinen Einbruch erlebt. Viele andere Schweinehalter stecken unterdessen in einer Krise, zahlen derzeit sogar drauf.

40 bis 80 Euro Verlust pro Schwein

Ein Rechenbeispiel: Die Kosten für die Aufzucht betragen rund 160 Euro pro Schwein. Konventionelle Schweinehalter bekommen derzeit aber nur rund 80 bis 120 Euro pro Tier. Für den Preisverfall gibt es mehrere Gründe: In der Corona-Krise haben große Schlachthöfe ihre Kapazitäten heruntergefahren. Zusätzlich wird die Lage durch den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest verschärft - in vielen Ländern gelten inzwischen Einfuhrverbote für deutsches Schweinefleisch. Und: Die Gastronomie ist geschlossen und kauft demzufolge auch kein Fleisch mehr ein.

Beer setzt auf Direktvermarktung

Beer setzt schon lange auf Direktvermarktung. Seine beiden Verkaufswagen stehen auf verschiedenen Wochenmärkten in und um Regensburg. Außerdem werden sein Fleisch und seine Wurst, die in der eigenen Hofmetzgerei hergestellt werden, in zwei Edeka-Märkten im Landkreis verkauft.

Beer geht auch selbst gerne auf den Markt und mag den direkten Austausch mit den Kunden. Natürlich kommt es dabei auch zu Diskussionen, zum Beispiel über die Kastration bei Ebern. Beer nutzt diese Gespräche, um die Kunden über seine Arbeit als Landwirt aufzuklären. Über die Jahre hat sich Beer einen festen Kundenstamm aufgebaut. Die Kunden kaufen bei ihm ein, weil sie Bio-Fleisch aus der Region kaufen und seine Art der Tierhaltung unterstützen wollen.

Schweine haben Auslauf

Beers Rinder sind im Sommer auf der Weide. Aber auch seine Schweine dürfen an die frische Luft und wühlen im Stroh. Das ist nicht selbstverständlich, sondern die Ausnahme. Und diese Art der Haltung kostet. "Wenn die Leute billig kaufen, dann muss der Bauer billig produzieren. Wenn für Lebensmittel Geld ausgegeben wird, dann können wir eine ganz andere Landwirtschaft betreiben", so Beer.

Bio-Fleisch rund viermal teurer als Discounter-Fleisch

Bei der Preisgestaltung orientiert er sich zum Beispiel an den Preisen, die der Bio-Verband Naturland den Bauern zahlt. Er will eine Balance aus fairem Einkommen und auch, dass sich die Kunden das Fleisch leisten können. "Ich will nicht der Direktvermarkter für die Promis sein. Aber ich will auch meine Angestellten gut bezahlen, nicht nur Mindestlohn", sagt Michael Beer, der acht Festangestellte und neun 450-Euro-Kräfte beschäftigt.

Rund viermal mehr zahlen die Kunden hier im Vergleich zum Discounter. Und trotzdem ist die Nachfrage in den letzten Monaten - wohl auch bedingt durch Corona gestiegen. Vielleicht, weil die Kunden sich in der Corona-Pandemie etwas Gutes tun wollen. Vielleicht, weil sie lieber draußen auf einem Markt einkaufen als im Supermarkt - oder weil sie einfach wieder mehr Regionales wollen.

Hofschlachtung statt langer Transportwege

Beers Rinder und Schweine werden im eigenen Schlachthaus auf der Nordseite des Hofes geschlachtet. Die Tiere laufen vom Stall in einem Treibewagen bis zum Schlachthaus.

Schlachttage am Hof sind Montag und Donnerstag. Außerdem werden Tiere anderer Bauern von drei festangestellten Metzgern verarbeitet. Beer produziert zudem Milch und Getreide. In der Woche kommt er schon mal auf 80 Arbeitsstunden. Sich um die Schweine und Rinder kümmern, Melken, Verkauf, Ackerbau, Büro, Personalführung, Vermarktung - als Direktvermarkter muss Beer breit aufgestellt sein - dafür kann er seine Preise selbst gestalten, ist unabhängiger vom Weltmarkt und die gesamte Wertschöpfung bleibt in der Region.

© Beerhof

Im Sommer hält Beer seine Rinder auf der Weide

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Beers Verkaufswagen stehen auf Wochenmärkten in und um Regensburg.

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Produkte vom Schwein und Rind werden in seiner Hofmetzgerei von drei festangestellten Metzgern hergestellt.

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Die Mastschweine dürfen an die frische Luft und wühlen im Stroh.

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In diesem Treibewagen laufen die Tiere vom Stall bis zum Schlachthaus.

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Bildrechte: Beerhof

Derzeit sind die Preise, die Bauern für Fleisch bekommen, extrem niedrig. Ein Bauer aus der Oberpfalz hat sein Geschäft bewusst nicht auf den internationalen Handel ausgerichtet. Das erweist sich jetzt als ein gutes Konzept.

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