BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR / Eckhard Querner
Bildrechte: BR / Eckhard Querner

Haupteingang neues LMU-Klinikum Innenstadt.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Bildergalerie

Umzug der Münchner Frauenklinik aus der Maistraße

Zehntausende Kinder sind in der Universitäts-Frauenklinik in der Münchner Maistraße in den vergangenen 100 Jahren zur Welt gekommen. Jetzt ziehen Ärzte, Pflegekräfte, Hebammen und Patientinnen um in einen hochmodernen Neubau für 110 Millionen Euro.

Per Mail sharen
Von
  • Eckhart Querner
  • Christian Wölfel

Die traditionsreiche Münchner Frauenklinik mit ihren hohen Decken, den runden Fensterbögen, stilvollen Lampen und dem lauschigen Innenhof ist weit über 100 Jahre alt. 1916 wurde sie als "Königliche Universitätsfrauenklinik und Hebammenschule" eingeweiht. Aber jetzt zieht die Klinik um, denn heute wurde der Neubau des Innenstadtklinikums offiziell eröffnet.

Ende einer Ära

Hebamme Berit Friedrichsohn sieht dem Ortswechsel mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen. Sie hat in der geschichtsträchtigen Frauenklinik ihre Ausbildung gemacht, weiß aber auch die Vorteile einer modernen Patientenversorgung zu schätzen: "Die Frauenklinik an der Maistraße ist natürlich schon ein besonderer Ort mit sehr viel Geschichte, aber auf der anderen Seite natürlich auch ein über 100 Jahre altes Haus, das merkt man natürlich schon", erzählt sie. "Viele funktionale Dinge und Wege sind einfach für die heutige Zeit nicht mehr praktisch für eine Level-1-Klinik in der Geburtshilfe." Ihr Fazit: "Es ist einfach auch an der Zeit, neue moderne Räumlichkeiten zu haben."

Kurze Wege im selben Haus

Zunächst zieht die Geburtshilfe in das neue Klinikum, das nur 300 Meter entfernt mitten im Münchner Klinikviertel errichtet wurde. Eine Woche später folgen dann Chirurgen, Internisten und die Intensivstationen. Der Umzug erfolgt aus insgesamt fünf verschiedenen Standorten der Ludwig-Maximilians-Universität und ist überfällig. Längst ist in der Medizin immer stärker interdisziplinäres Arbeiten, also das fachübergreifendes Zusammenarbeiten angesagt. Das neue 200-Betten-Haus werde diesem Anspruch gerecht, verspricht Prof. Markus Lerch, ärztlicher Direktor des LMU-Klinikums München.

Denn auf einer Etage befänden sich nun ganz viele Fachgebiete direkt nebeneinander, freut er sich: "Wenn der Patient also nicht nur einen Arzt, sondern vielleicht den Rat von einem zweiten Arzt braucht, sind das hier ganz kurze Wege zu den Untersuchungen, ganz kurze Wege zu den Kollegen aus den zwölf unterschiedlichen Fachdisziplinen, die wir hier in dem Haus vertreten haben."

Zugangstor zu herausragender Hochschulmedizin

Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler, der heute Vormittag die Eröffnung der neuen Klinik zusammen mit Ministerpräsident Markus Söder übernahm, lobt das neue Innenstadtklinikum: "Die neue Klinik ist ein ganz wichtiges Zugangstor zu herausragender Hochschulmedizin im Zentrum Münchens. Weltweit steht das LMU Klinikum für eine exzellente medizinische Versorgung, Forschung und Lehre." Das hohe Niveau sei der Anspruch der Staatsregierung auch für die Zukunft und der Neubau der Klinik schaffe dafür die infrastrukturellen Rahmenbedingungen.

Zeitplan konnte nicht eingehalten werden

Der Klinikumzug ist für die betroffenen Ärzte und Pflegekräfte allerdings eine riesige Herausforderung. Nicht nur wegen der Corona-Pandemie gab es Bauverzögerungen, der Umzug musste sogar verschoben werden. So haben unvorhergesehene Bauarbeiten und spät gelieferte Medizinschränke den Zeitplan auf der Intensivstation durcheinander gebracht. Leiterin Ulrike Ebenhöch hat noch eine weitere Herausforderung zu bestehen. Aus zwei Intensivstationen an zwei verschiedenen Standorten wird nun eine: Ebenhöch muss jetzt zwei große Teams zusammenführen, und das bei neuen Geräten, neuen Wegen und neuen Arbeitsabläufen.

Spezialfahrzeuge transportieren Frühgeborene

Irena Schwarzer hält alle Fäden zusammen bei den Umzügen. Die studierte Ärztin ist oberste Umzugsmanagerin und hat die Hauptverantwortung dafür, dass jeder Arzt, jede Pflegekraft und alle anderen Mitarbeiter wissen, wo sie am Tag des Umzugs hinmüssen. Und auch für die Wöchnerinnen wird es aufregend: Zusammen mit ihren neugeborenen Babys werden sie mit Rettungswagen ins neue Klinikum transportiert. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Frühgeborenen. Weil ihr Umzug äußerste Behutsamkeit erfordert, werden sie in Inkubatoren mit Spezialfahrzeugen der Münchner Feuerwehr in das neue Haus gefahren.

Bauteile für Klinikum steckten im Suezkanal fest

Schwarzer hat sich mit ihrem Organisationsteam mehr als ein halbes Jahr auf die zwei Umzugstage vorbereitet. Nicht nur die Pandemie haben ihr dabei manchen Strich durch die Rechnung gemacht. Manche Geräte und Bauteile, auf die die Uni-Klinik dringend warten, waren auf Containerschiffen im Suezkanal steckengeblieben. "Es gab in der letzten Zeit einige Probleme, die die Lieferketten wahnsinnig lang gemacht haben. Und zusätzlich gab es jetzt noch das Problem mit dem Suezkanal. Einzelne Bestandteile haben durch die Suezkanal-Blockade noch längere Wartezeiten verursacht und uns wahnsinnig Zeit gekostet."

Nichts darf schief gehen bei der Geburt

Hebamme Berit Friedrichsohn freut sich auf ihre Arbeit im neuen Gebäude an der Ziemssen-/Ecke Nussbaumstraße. Die 24-Jährige ist sich sicher, dass die Abläufe klappen werden. Schließlich hat sie mit ihren Kolleginnen mehrfach Simulationstrainings absolviert, um die neuen Geräte und Räumlichkeiten kennenzulernen. Schließlich darf auch im neuen LMU-Klinikum bei keiner Geburt etwas schiefgehen.

© BR

Einräumen der neuen Intensivstation.

© BR

Außenansicht des neuen LMU-Klinikums in der Münchner Innenstadt.

© BR

Ärtzlicher Direktor Prof. Markus Lerch.

© BR

Neueste medizinische Ausstattung.

© BR

Haupteingang neues LMU-Klinikum Innenstadt.

"Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!