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Ein Seeadler wird seziert
© BR/Bernd Struwe-Juhl

Autoren

Julia Schlegel
Matthias Lauer
© BR/Bernd Struwe-Juhl

Ein Seeadler wird seziert

Wir staunen: Wenn ein Adler über den Gipfeln kreist, wenn wir große Vögel wie Reiher oder Uhu beobachten können, ist das ein majestätisches Schauspiel. Nur Tatsache ist auch, dass solche Großvögel häufig gezielt getötet werden. Und zwar an Stellen, an denen sie im Weg sind. Zum Beispiel dort, wo Windkraftanlagen gebaut werden sollen, und die geschützten Vögel ein "Planungshindernis" darstellen könnten. Oder da, wo sie Fische wegfressen.

Vogelschutzwarte ermittelt Todesursache

In Verdachtsfällen wird die Vogelschutzwarte in Garmisch-Partenkirchen aktiv. Pro Jahr behandeln die Vogelexperten an die 40 – 50 Verdachtsfälle bayernweit zu getöteten Großvögeln, bei denen sie die Todesursache ermitteln. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Ein Beispiel: Ein Spaziergänger hatte einen großen toten Vogel an einem Bahndamm gemeldet. Die Fachleute der Vogelschutzwarte rückten aus. Tatsächlich war es ein Seeadler. Fast schon eine Seltenheit.

"An Seeadlern haben wir nur einen ganz kleinen Bestand in Bayern. Wir sind ja noch nicht mal bei 25 Brutpaaren. Wir haben 20 Paare vielleicht. Da ist jeder Vogel kostbar." Hans-Joachim Fünfstück, Leiter der Vogelschutzwarte Garmisch-Partenkirchen

Offenbar hatte der Seeadler eine Kollision mit einem Zug – was eher ungewöhnlich ist. Also nahmen die Experten den Vogel in einer Tüte zur Obduktion mit.

Toter Vogel: Nur auf den ersten Blick ein Unfall

Vielleicht hat der Vogel irgendwo einem Fischer oder Fischzüchter den Fang weggefressen. Könnte sein, dass er angeschossen und so verletzt war, dass er dem Zug nicht mehr ausweichen konnte. Dass auf Großvögel geschossen wird, passiert häufiger. Deshalb werden die toten Kadaver immer erst einmal geröntgt, weil so Munition im Körper sichtbar wird.

Erst kürzlich hatte die Vogelschutzwarte den Fall, dass ein toter Habicht so unter einem Strommasten drapiert wurde, als sei es ein Stromunfall gewesen, ganz offensichtlich um die tatsächliche Todesursache zu vertuschen. Beim Röntgen stellte sich nämlich heraus, dass der Habicht erschossen wurde. Beim Seeadler dagegen wurden keine Kugeln im Körper gefunden.

Nach dem Röntgen werden die Vögel seziert

Die Vögel werden noch aufgeschnitten und verschiedene Körperteile untersucht. Denn eine weitere Todesursache ist häufig Vergiftung. Entweder werden ganz gezielt Giftköder gegen die Großvögel ausgelegt. Oft ist es aber auch Schädlingsgift, häufig auch verbotenes, das zum Beispiel gegen Ratten oder Mäuse eingesetzt wird. Das Gift kommt dann in die Nahrungskette und schädigt die Vögel. An der Vogelschutzwarte geht es deshalb schon ein bisschen zu wie bei der Obduktion im Fernsehkrimi, findet Hans-Joachim Fünfstück:

Spaß macht die Arbeit schon irgendwie, weil man ja ein bisschen detektivisch unterwegs sein muss. Aber irgendwie ist es auch deprimierend, wenn man dann erfährt, dass der Vogel vergiftet oder erschossen wurde. Hans-Joachim Fünfstück, Leiter der Vogelschutzwarte Garmisch-Partenkirchen

Letztendlich haben sie dann auch im "Fall Seeadler" im Magen und in der Leber verbotenes Rattengift gefunden. Durch die starke Vergiftung war der Vogel vermutlich reaktionsunfähig, so dass er dem Zug nicht mehr ausweichen konnte. Schwierig natürlich in so einem Fall den "Täter" zu finden. Andererseits gibt es durchaus Fälle, in denen die Vogelmörder gestellt und dann auch zu empfindlichen Strafen verurteilt wurden.

Ein Seeadler wird seziert

Ein Seeadler wird seziert