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Umweltgedanken und Corona wirken sich auf Korbflechter aus | BR24

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Im Januar beginnt in Oberfranken traditionell die Weidenernte. Daraus stellen Korbflechter kleine Kunstwerke her. Immer mehr Kunden setzen statt auf Massenware aus Kunststoff auf nachhaltige Rohstoffe.

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Umweltgedanken und Corona wirken sich auf Korbflechter aus

Oberfranken gilt als Korbmacher-Mekka. Zur Erntezeit für Weiden, die im Januar beginnt, haben die Flechter gerade viel zu tun obwohl sich Corona auch auf diese Branche auswirkt. Die Korbflechter profitieren aber auch vom Umdenken vieler Menschen.

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Von
  • Ursula Schmidt

Seit sieben Uhr in der Früh ist Augustin Friedrich in seiner Werkstatt in Altendorf bei Buttenheim im Landkreis Bamberg. Zusammen mit seiner Schwester und seiner Tochter flicht er Gebrauchskörbe jeglicher Art. Einen Tag lang biegen und flechten sie die Weidenruten, bis jeder der gelernten Korbflechter einen fertig hat. Denn die Auftragslage ist trotz Corona-Lockdown gut. Und dank der bereits begonnenen Weiden-Ernte geht auch der Nachschub an Arbeitsmaterialien nicht aus.

Nachhaltigkeit spielt immer größere Rolle

"Wir haben zu tun ohne Ende", erklärt Friedrich, der unter anderem Wäschekörbe und Einkaufskörbe herstellt. Für eine Ladenbaufirma müsse er 20 Regalkörbe bis Anfang Februar flechten. Seit 45 Jahren betreibt Friedrich bereits diese Handwerkskunst, deren reine Naturprodukte gefragt sind wie lange nicht mehr.

Der Trend gehe dahin, dass die Menschen wieder nachfragen, wo Produkte herkommen und wer sie herstellt. Ist der Weidenkorb einmal um den Globus geflogen oder kommt er hier aus der Region? Kenne ich den, der ihn gemacht hat? Diese Fragen seien vielen Menschen wieder wichtig, glaubt Manfred Rauh, Geschäftsführer des Zentrums für europäische Flechtkultur Lichtenfels. Nachhaltigkeit sei inzwischen ein Kaufkriterium für die Kundschaft. Der Plastikwahn scheint abzuflauen, so der Branchenfachmann weiter.

Corona zwingt Korbflechter zum Marketing

Doch wie fast überall wirkt sich die Corona-Pandemie auch auf das Geschäft der Korbflechter aus. Kundenakquise per Mundpropaganda sei gerade mühsam und Märkte fallen erstmal flach, weiß auch Rosa Gies. Sie hat sich direkt gegenüber des Familienbetriebs Friedrich vor einem Jahr selbständig gemacht. Die 25-Jährige muss nun den Spagat zwischen Handwerk und Werbung für das eigene Produkt schaffen. "Es fällt mir schwer, da man gerne handwerklich arbeitet und etwas gestaltet. Dieser Marketing-Aspekt ist aber noch einmal eine ganz andere Sache", so Gies. Diesen Punkt noch mit im Arbeitsalltag unterzubringen, sei schwierig. "Weil man dafür auch ein bisschen weniger das tut, was man gerne macht."

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