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Es gibt eine große Zahl von Winterurlaubern, die nicht Ski fahren, aber trotzdem das Ambiente eines Ski-Ortes schätzen. Zum Beispiel in Reit im Winkl, das auf Premium-Wanderwege setzt.

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Umweltfreundlicher Winterurlaub: Wie geht das?

Es gibt eine große Zahl von Winterurlaubern, die nicht Ski fahren, aber das Ambiente eines Ski-Ortes schätzen. Reit im Winkl etwa setzt deshalb auf Premium-Wanderwege. Das kleine Schleching wehrt sich gegen Schneekanonen, Liftanlagen und Neubauten.

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5.000 Gästebetten hat Reit im Winkl. Zur Zeit ist jedes ausgebucht. Nahe der Hindenburg-Hütte genießen die Menschen die verschneite Landschaft und den Naturschnee: Ganz ohne Remmidemmi, Schneebar oder Achtersessellift. Die Besucher machen Langlauf, leihen sich Skating Ski oder Wandern einfach mit Schneeschuhen - mit grünem Fußabdruck, versteht sich: Wer hier Urlaub macht, schätzt die Natur und will oft an ihr "ganz nah dran sein".

Immer mehr Schneeschuhwanderer

Entschleunigung - hier wird sie gelebt: Obwohl die Chiemgauer Gemeinde eigentlich ein Schneeloch ist, beschäftigt sich Reit im Winkl auch mit einem "anderen", einem besonders nachhaltigen Wintertourismus. Die Gäste wollen eben mehr als nur alpin Ski fahren, sagt Flori Weindl, der Tourismuschef:

"Wir haben ein Drittel Alpinfahrer, wir haben ein Drittel Winterwanderer und Schneeschuhwanderer und ein Drittel Langläufer. Wenn man eine Tendenz sagen will: Die Schneeschuhwanderer werden mehr." Tourismuschef Flori Weindl

Erster Premium-Winterwanderweg der Alpen

In Reit im Winkl gibt seit zehn Jahren den ersten Premium-Winterwanderweg der Alpen, jede Menge Langlauf-Loipen im Tal oder im Almgebiet und ausgeschilderte Schneeschuh-Wandertouren. Beschneit wird kaum. Die zwei Schneekanonen der Gemeinde laufen nur dann, wenn andere Stellen der Loipen ausgebessert werden müssen.

Und auch sonst tut sich viel in der Gemeinde, um die Umwelt zu schonen: Über 95 Prozent der Häuser sind laut Tourismus-Chef Weindl mittlerweile an die Fernwärme angeschlossen, die CO2-neutral die Hackschnitzel nutzt. Drei Millionen Liter Heizöl im Jahr würden so gespart. Trotzdem gibt es Pläne für Hotelneubauten, die – wie es heißt - dringend gebraucht werden.

Schleching: Keine Liftanlagen, keine Hotelneubauten

Ganz in der Nähe, in der 2.300 Einwohner zählenden Gemeinde Schleching beschäftigt man sich seit bald 25 Jahren mit dem sanften, nachhaltigen Tourismus. In dem Bergsteigerdorf gibt es keine gReit roßen Liftanlagen, überhaupt keine Schneekanonen und auch keine Hotelneubauten.

Dabei wird es auch bleiben, ist Bürgermeister Sepp Loferer überzeugt: "Ein neues Hotelprojekt kommt für Schleching nicht in Frage. Wir haben einen so flächenbeschränkten Talraum, der so erhalten bleiben muss für unsere Kinder und Kindeskinder, dass der Lebensraum für sie nicht zubetoniert werden kann. Wir wollen das, was wir haben, innendrin sanieren und ertüchtigen, denn das ist auch das Bild, das so ein Ort nach außen gibt."

Wanderwege und verbesserter Nahverkehr für mehr Touristen

Das Bergsteigerdorf Schleching will auch künftig für naturverträglichen Sport stehen, will sich für Nachhaltigkeit einsetzen, aber auch für authentisches Brauchtum. Beides würden die Gäste schätzen, sagt Tourismuschefin Kerstin Klinger: "Wir wollen einfach das, was wir haben, erhalten und auch einen gewissen Standard erhalten, Schritt für Schritt nachhaltig ausbauen und naturverträglich entwickeln: das Wanderwegenetz, das Loipennetz."

Für beide Chiemgauer Gemeinden stellt sich dennoch eine wichtige Frage: wie bringt man die Gäste möglichst umweltfreundlich in den Ort? Hier sei vor allem die Politik am Zug, meint Sepp Loferer: "Umweltfreundlicher Personennahverkehr würde sich im Halbstundentakt drehen, wir müssen autonomes Fahren in den Bussen vorantreiben. Meine Vision wäre, dass man so taktet, dass nur noch zehn bis 20 Prozent der Pkw, die heute auf der Straße sind, laufen müssen - auch im ländlichen Raum."

Doch da, so der Bürgermeister, müsste die große Politik ran, denn dies sei keine Aufgabe von öffentlichen Kommunen, sondern eine Staatsaufgabe.

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