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In der Kreismülldeponie Rothmühle bei Bergrheinfeld ist der erste aus dem Kernkraftwerk Grafenrheinfeld stammende, von Radioaktivität "freigemessene" Müll angeliefert worden. In der Region wird nun über mögliche Folgen für die Gesundheit gestritten.

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Umstrittener Müll aus Kernkraftwerk in Kreismülldeponie gebracht

In der Kreismülldeponie Rothmühle bei Bergrheinfeld ist der erste aus dem Kernkraftwerk Grafenrheinfeld stammende, von Radioaktivität "freigemessene" Müll angeliefert worden. In der Region wird nun über mögliche Folgen für die Gesundheit gestritten.

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Von
  • Norbert Steiche

2,86 Tonnen "Isolierkassetten mit Mineralfasern aus der thermischen Isolierung von Systemen" sind in der Kreismülldeponie Rothmühle bei Bergrheinfeld im Landkreis Schweinfurt angeliefert worden. Das hat das Landratsamt in Schweinfurt auf Anfrage von BR24 bestätigt. Eine Deponierung von Isoliermaterial aus Mineralfasern sei der übliche Entsorgungsweg, heißt es von der Behörde. Für das "Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft“ ist diese Nachricht "besorgniserregend“.

Gesundheitliche Belastung für Bevölkerung

Sprecherin Babs Günther schreibt, dass sich "für die Bevölkerung aus der erfolgten ersten Einlagerung von "spezifisch freigemessenem“ Material aus dem AKW-Rückbau eine erhöhte gesundheitliche Belastung“ ergebe. "Uns beunruhigt, dass dieses Material nicht frei von radioaktiver Strahlung ist - auch wenn es als "nicht radioaktiv“ definiert wird, solange ein festgelegter Wert der Strahlung nicht überschritten wird. Diese bizarre „Bewertung“ ändert nichts daran, dass aus medizinischer Sicht mit jeder zusätzlichen Strahlung eine Erhöhung des Gesundheitsrisikos einhergeht, und sie daher dringend vermieden werden sollte“, so Günther.

Widerstand in der Oberpfalz

Sogenannter freigemessener Müll aus dem anstehenden KKW Abriss sollte zunächst auch in der Müllverbrennungsanlage Schwandorf in der Oberpfalz entsorgt werden. Dagegen wehrte sich jedoch der dortige zustände Abfallzweckverband. Die vorgesehenen rund 525 Tonnen sogenannter "freigemesser" Müll aus dem Kraftwerk Grafenrheinfeld – Abriss werden "voraussichtlich" im "Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt“ verbrannt werden. Das teilt der Landkreis Schweinfurt Anfang Dezember letzten Jahres auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks mit.

Kabel, Putzlappen oder Atemschutzfilter

Einen entsprechenden Beschluss hatte der Ausschuss für Umwelt, Land- und Abfallwirtschaft bereits Mitte November einstimmig gefasst, weil sich da laut dem Landratsamt Schweinfurt bereits abzeichnete, dass der Zweckverband Schwandorf den Abfall aus politischen Gründen ab dem 1.1.2021 nicht mehr annehmen würde. Bei dem Abfall handelt es sich um beispielsweise Dämmmaterial, Kunststoffe, Kabel, Putzlappen, Overalls, Sicherheitsschuhe, Atemschutzfilter, Folien, Handschuhe, Papier Überschuhe.

Kein anderer Entsorgungsweg

"Die Möglichkeit, dass der Abfallerzeuger einen anderen, ebenso geeigneten Entsorgungsweg findet und folglich eine Freistellung von der Entsorgungspflicht des Landkreises Schweinfurt erfolgen kann, wird – nach erfolgter Rücksprache mit dem Abfallerzeuger – nicht gesehen,“ heißt es in dem Beschluss des Umweltausschusses des Schweinfurter Kreistags. Bis Ende des Jahres wurden rund 25 Tonnen freigemessener Müll aus dem KKW-Grafenrheinfeld-Rückbau in der Müllverbrennungsanlage Schwandorf verbrannt.

Laut PreussenElektra harmlos

Laut PreussenElektra darf von sogenanntem freigemessenen Müll nur noch eine Radioaktivität von maximal 10 Mikrosievert ausgehen. Das sei genau so viel, wie man aufnimmt, wenn man einmal von Frankfurt nach Mallorca fliegt, oder wenn man einmal 150 Gramm Fisch isst. Und die gleiche Menge Radioaktivität würde man auch abbekommen, wenn man ein Jahr lang neben seinem Partner schläft, so PreussenElektra.

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